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25.07.2011

20:27 Uhr

Fitschen im Porträt

Der ergraute Aufsteiger

Ein Deutscher an der Spitze der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen ist ein Urgestein der Bank und soll Bedenken einer einseitigen Ausrichtung mit viel Diplomatie kontern.

Jürgen Fitschen übernimmt ab Mai mit Anshu Jain den Chefsessel der Deutschen Bank. Quelle: Reuters

Jürgen Fitschen übernimmt ab Mai mit Anshu Jain den Chefsessel der Deutschen Bank.

Vor kurzem noch rätselte Jürgen Fitschen in kleiner Runde, ob sein Vertrag als Vorstand der Deutschen Bank überhaupt über das nächste Frühjahr hinaus verlängert wird.

Nun macht der fast 63-Jährige auf seine alten Tage als Co-Chef noch richtig Karriere: Denn unter den Vorständen von Deutschlands größtem Geldhaus ist der bodenständige Niedersachse am ehesten das lange gesuchte Puzzleteil, das dem Investmentbanker Anshu Jain zum kompletten Bankchef fehlt. Seit sieben Jahren ist Fitschen die personifizierte „Deutschland-AG“ der Deutschen Bank - und geht in dieser Rolle voll auf.

Schon 2004 musste er eine Lücke schließen. Josef Ackermann war aufgefallen, dass sich die Deutsche Bank zu weit von ihrer Stammklientel, den deutschen Firmenkunden, entfernt hatte, und machte Fitschen zum Deutschland-Chef. Der hatte sich gerade bewährt, als er im weltweiten Geschäft mit Firmenkunden einen Stellenabbau geräuschlos über die Bühne brachte. Erneut stellte sich Fitschen in den Dienst „seiner“ Bank und zog von London nach Frankfurt.

Eine gesunde Ertragslage im Heimatmarkt sei die beste Basis für eine Bank, konstatierte er damals - im Einklang mit Ackermann, der eine zweite Säule neben dem lukrativen, aber riskanten Investmentbanking aufbauen wollte. Seither jettet der Vater zweier Kinder durch die Republik und macht im Kleinen, was Ackermann von seinem Lieblings-Nachfolger Axel Weber im Großen erhofft hätte. Er parliert mit Kunden ebenso wie mit der Bundesregierung, gibt jedem Gesprächspartner das Gefühl, er kenne ihn schon ewig.

Firmenchefs, die ein Problem mit ihrer Bank haben, rufen Fitschen persönlich an - und er kümmert sich. Das Vorurteil vom arroganten Deutsch-Banker passt auf ihn so wenig wie auf kaum einen in der Vorstandsetage. Redetexte braucht er selten - seine Reden klingen trotzdem klug und strukturiert. Fitschen ist ein Hansdampf in allen Gassen - ob im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft oder im Aufsichtsrat der Deutschen Sporthilfe. Oder doch nur ein „Grüßonkel“ ohne echte Verantwortung für eine Sparte, wie Kritiker meinen.

Dabei war Fitschen diese Rolle nicht in die Wiege gelegt: Er ist ein Aufsteiger. Auf eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann setzte er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in Hamburg, eine Autostunde von seiner Heimatstadt Harsefeld. Schon bei der damaligen KKB (später Citibank, heute Targobank) hat er sich innerhalb von zwölf Jahren vom Trainee bis in die deutsche Geschäftsleitung hochgedient.

Die Deutsche Bank ist seit 24 Jahren sein zweiter Arbeitgeber. Zehn Jahre baute er das Asien-Geschäft mit auf. Seit 1997 waren die großen Firmenkunden sein Metier. In London traf er dabei erstmals auf den damaligen Investmentbanker Ackermann, dessen Sparte er zugeordnet wurde.

Der war 2002 allerdings für seinen ersten kleinen Karriere-Knick verantwortlich: Den Posten des Firmenkunden-Vorstands, den Fitschen seit 2001 bekleidete, schaffte der neue Vorstandschef erst einmal ab und verkleinerte das Gremium - Fitschen war nicht mehr dabei. Erst 2009 wurde er wieder Vorstand. Unter dessen acht Mitgliedern gehörte er mit einem Gehalt von knapp drei Millionen Euro im vergangenen Jahr zu den schlechtestbezahlten Managern.

Von

rtr

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