Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2013

07:16 Uhr

Flaute der Minenbranche

Der große Abbau

VonSebastian Ertinger

Die Höhenflüge bei Kupfer, Eisenerz und Gold bescherten der Bergbau-Branche satte Gewinne. Doch nun setzt den Konzernen die Konjunkturflaute zu. Die Rohstoff-Riesen streichen, kürzen, sparen – und jetzt rollen Köpfe.

Steiniger Weg: Das euphorische Wachstum in der Bergbaubranche scheint vorbei. AFP

Steiniger Weg: Das euphorische Wachstum in der Bergbaubranche scheint vorbei.

DüsseldorfIn der erfolgsverwöhnten Rohstoffbranche setzt die Katerstimmung ein. Die üppigen Gewinne schrumpfen. Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton erleidet im zweiten Halbjahr 2012 einen Gewinneinbruch. Der Reingewinn ging um 58 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar zurück. Im Vergleichszeitraum hatte das Plus noch bei 9,9 Milliarden Dollar gelegen.

Neben BHP Billiton haben auch der ebenfalls anglo-australische Konzern Rio Tinto sowie das südafrikanisch-britische Unternehmen Anglo American drastische Gewinnrückgänge für das vergangene Geschäftsjahr gemeldet. Der nach Börsenwert zweitgrößte Rohstoffkonzern Rio Tinto fuhr erstmals seit fast 20 Jahren unterm Strich sogar einen herben Verlust von fast drei Milliarden Dollar ein. Bei Anglo American türmte sich ein Minus von 1,5 Milliarden Dollar auf.

So groß ist Chinas Hunger nach Rohstoffen

Steinkohle

China ist der mit Abstand größte Verbraucher von Steinkohle. Das Land hat einen Weltmarktanteil von 51,4 Prozent an dem Energieträger. Die USA und Indien rangieren mit Abstand dahinter.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA)

Stahl

Das Reicht der Mitte ist der größte Importeur von Stahl. Die Hälfte des Weltmarkts entfällt auf China.

Blei

Auch bei Blei zählt China zu den größten Verbrauchern. 45,6 Prozent des Marktes beansprucht China für sich.

Zink

42,5 Prozent des Zinkmarkts vereinnahmt China für sich – weit mehr als die USA und Korea.

Zinn

Beim Zinn kommt das Reich der Mitte auf einen Marktanteil von 41,0 Prozent. Damit liegt China deutlich vor Japan und den USA.

Aluminium

Beim Aluminium entfallen 39,8 Prozent des weltweiten Verbrauchs auf China.

Nickel

China zieht 39,3 Prozent des Nickelmarktes auf sich und lässt Japan und die USA weit hinter sich.

Kupfer

Bei Kupfer kommt der Verbrauch Chinas auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Die USA landen mit deutlichem Abstand auf Rang 2. kurz vor Deutschland.

Erdöl

Lediglich den Rang als Spitzen-Erdölverbraucher überlässt China den USA, die einen Marktanteil von 10,7 Prozent einnehmen.

Der Kater setzt zuerst im Kopf ein: Nach dem desaströsen Ergebnis verkündet BHP-Vorstandschef Marius Kloppers in Sydney seinen Rückzug von der Spitze des britisch-australischen Unternehmens. Im Mai werde Andrew Mackenzie die Führung des Konzerns übernehmen.

„Es war nie einfach, die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt für das Ausscheiden zu treffen“, sagte der 50-jährige Kloppers, der BHP Billiton seit sechs Jahren führt. „Ich glaube aber, dass jetzt die Zeit gekommen ist, den Taktstock der Führung weiterzugeben.“

Kloppers ist nicht allein: Die Aufseher des BHP-Konkurrenten Rio Tinto schassten jüngst den langjährigen Chef Tom Albanese. Die Kontrolleure von Anglo American wiederum warfen kurz zuvor die Vorstandschefin Cynthia Carrol hinaus.Alle drei Manager stehen für eine Zeit der ungehemmten Expansion der Bergbaubranche. Jahrelang profitierten die Rohstoff-Riesen von den Preis-Höhenflügen bei Kupfer, Eisenerz, Gold, Platin und Co. Die Minenkonzerne strichen hohe Gewinne ein.

Die Konzerne hatten in der Boom-Phase Milliardensummen in den Ausbau von Minen sowie in Übernahmen gesteckt. Albanese, Carroll und Kloppers kauften Gruben oder kleinere Konkurrenten in Afrika oder Lateinamerika, steckten hohe Summen in den Ausbau von Gütergleisen, Straßen und Verladehäfen in Australien.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

Doch heute sind die Vorzeichen anders. Die Konjunkturflaute in Europa und die schwächere Nachfrage aus China drücken die Rohstoffpreise. Vor allem Aluminium und Nickel erholen sich kaum von den Kurseinbrüchen. Der Preis von Eisenerz hingegen erholte sich zuletzt wieder etwas. „Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Ein kräftiger Gegenwind schlägt den Minenkonzernen entgegen“, sagte Christian Gritzka von der Knapp Voith Vermögensverwaltung AG, zu Handelsblatt-Online.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×