Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2012

10:59 Uhr

Flughafen Berlin Brandenburg

Berliner Airport verpatzt Eröffnung - und der Chef schreibt seine Doktorarbeit

VonTobias Döring

Manfred Körtgen steht heftig in der Kritik: Der Chef des Flughafens Berlin Brandenburg wird für die verpatzte Eröffnung mitverantwortlich gemacht. Jetzt kommt heraus: Er hat währenddessen seine Doktorarbeit geschrieben.

Manfred Körtgen hat seine Doktorarbeit über die Optimierung komplexer Baumaßnahmen geschrieben. dapd

Manfred Körtgen hat seine Doktorarbeit über die Optimierung komplexer Baumaßnahmen geschrieben.

Düsseldorf/BerlinDie Bombe platzte am Dienstag: Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld kann nicht wie geplant am 3. Juni eröffnen. Die Brandschutzanlage funktioniere noch nicht einwandfrei, die Abnahme durch die Behörden sei nicht sicher, hieß es zur Begründung.

Die Eröffnung des Berliner Willy-Brandt-Flughafens erfolgt nun frühestens Mitte August. Dabei sollte Flughafen-Chef Manfred Körtgen eigentlich wissen, wie ein großes Bauvorhaben zu realisieren ist. Oder war er sogar ein wenig abgelenkt?

Großflughafen BER in Zahlen

Der Bau

Mit der Eröffnung des neuen Flughafens wird der gesamte Luftverkehr der Hauptstadtregion im Südosten Berlins am Standort des alten Flughafens Schönefeld konzentriert. Baubeginn war am 5. September 2006. Seitdem wird im märkischen Sand gebuddelt. Immer noch sind tagtäglich 5.000 Bauarbeiter mit den abschließenden Arbeiten auf der Baustelle beschäftigt.

Der Umzug

Für den 2. Juni war die Umzugsnacht geplant – eine große logistische Herausforderung: dann sollten ursprünglich die bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld geschlossen werden – alles Gerät sollte innerhalb weniger Stunden zum neuen Flughafen gebracht, die Autobahn wird für die 600 LKW-Fahrten einseitig gesperrt. Am Morgen des 3. Juni sollte von hier aus die erste Maschine starten.

Die Infrastruktur

Der neue Flughafen wird über einen sechsgleisigen Bahnhof mit drei Bahnsteigen direkt unter dem Terminalverfügen. Der Airport Express fährt alle 15 Minuten vom Hauptbahnhof zum BER. Fahrtzeit:30 Minuten. Die S-Bahn verkehrt im 10-Minuten-Takt. Für Autofahrerstehen 10.000 Parkplätze zur Verfügung.

Das Terminal

Das Terminal bietet mit seinen sechs Geschossebenen zunächst für bis zu 27 Millionen Passagieren im Jahr Platz. Dem Terminal vorgelagert ist der 715 Meter lange Hauptpier, ergänzt durch ein 350 Meter langes Nord-Pier und ein 350 Meterlanges Süd-Pier: Das heißt, der Passagier hat von der Sicherheitskontrolle aus längstens 700 Meter zu seinem Abflug-Gate zu laufen.

(Autorin: Silke Kersting)

Fest steht: Der Flughafen-Chefplaner hat seine Doktorarbeit über die Optimierung komplexer Baumaßnahmen geschrieben. Das berichten der „Tagesspiegel“ und die „Bild“. Genauer gesagt lautet der Titel seiner Dissertation an der Uni Kassel: „Optimierungsansätze zur prozessorientierten Abwicklung komplexer Baumaßnahmen unter Einsatz neuer Informations- und Kommunikationssysteme“.

Der 59-jährige Körtgen entwickelt darin eine „Basis für die Optimierung von Planungs- und Bauprozessen“, schreibt sein Doktorvater Professor Antonius Busch, Direktor des Instituts für Bauwirtschaft, im Vorwort.

Doch die Optimierung ist im Fall des neuen Berliner Großflughafens wohl daneben gegangen. Immerhin sollte der Airport ursprünglich bereits im November 2011 in Betrieb gehen. In Kassel erhielt Körtgen laut „Bild“ die Note „sehr gut“.

Neue Runde im Flughafen-Desaster

Video: Neue Runde im Flughafen-Desaster

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

farquhardt

11.05.2012, 12:55 Uhr

Man kann ob der Fehlkommunikation und schockierenden Inkompetenz, mit der BER geplant wurde, nur kollektiv den Kopf schütteln, und sich im besten Falle noch höflich darüber freuen, dass die German Efficiency nun auf allerhöchstem Witz- und Spottniveau durch die internationale Presse gezogen wird. Hut ab vor so viel Mut zur Blamage, liebe Planer, Doktorarbeitschreiber, Bürgermeister und alle restlichen Großbaustelleninvolvierten.

Ich hätte einen tollen Vorschlag: das Führungsgremium komplett austauschen und mal für ein Jahr auf Hartz 4 setzen. Dafür dann die GroßBERstelle mit arbeitslosen Schleckerfrauen besetzen - die sind so pragmatisch und können sowas von anpacken, dass in spätestens 4 Wochen alles funktioniert.

ww02

11.05.2012, 14:44 Uhr

Wir müssen aber die auch mal die Kirche im Dorf lassen. Positiv ist hervorzuheben, dass er nicht abgeschrieben hat (soweit wie heute bekannt ist)

koelnbonner

11.05.2012, 15:46 Uhr

Für diese Dreistigkeit ist nur die volle Härte des Straf- und Zivilrechts angemessen. Im Bau, also Knast, kann Meister Körtgen dann ohne Druck und Ablenkung mächtig dissertieren. Und der "Blindenrat" (Aufsichtsrat) soll hier mal erklären, was er eigentlich unter Aufsicht versteht. Unfassbar, so etwas kennt man sonst nur aus afrikanischen Gefilden. Die Bundesrepublik ist mittlerweile auch nichts anderes als ein Staat aus Filz, Vetternwirtschaft und Korruption. Hier gibt es kaum mehr eine vorzeigbare Elite, sei es in Wirtschaft oder Politik.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×