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29.08.2014

09:57 Uhr

Fluglinie

Malaysia Airlines baut 6000 Arbeitsplätze ab

Nach den beiden verheerenden Unglücken wird die Fluggesellschaft Malaysia Airlines komplett verstaatlicht. Zudem baut das Unternehmen ein Drittel aller Arbeitsplätze ab. Damit will der Staat das Image zu erneuern.

Crew-Mitglieder von Malaysia Airlines inspizieren eine Maschine. Die Instandsetzung des Unternehmens und neue Investitionen in die Fluglinie würden umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro kosten. dpa

Crew-Mitglieder von Malaysia Airlines inspizieren eine Maschine. Die Instandsetzung des Unternehmens und neue Investitionen in die Fluglinie würden umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro kosten.

Kuala LumpurNach den beiden verheerenden Unglücken mit mehr als 530 Toten baut die Fluggesellschaft Malaysia Airlines 6000 Arbeitsplätze ab. Das sind rund 30 Prozent aller 20.000 Mitarbeiter, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Zudem wird die Fluggesellschaft komplett verstaatlicht. Bislang gehörten dem Staat 69 Prozent der Anteile. Von den Maßnahmen verspricht sich das Land, das angeschlagene Image der Fluglinie erneuern zu können.

Die Instandsetzung des Unternehmens und neue Investitionen in die Fluglinie würden umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro kosten, hieß es. Das staatliche Investmentunternehmen Khazanah Nasional teilte mit, es werde ein neues Unternehmen gegründet, das das existierende Geschäft der Malaysia Airlines übernehmen werde und sein Personal reduziere. Die Suche nach einem neuen Firmenchef habe begonnen und solle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ziel sei es, das neue Unternehmen bis Ende 2017 profitabel zu machen.

Wie Flugzeuge versichert werden

Wie funktioniert eine Flugzeugversicherung?

Im Grunde ist ein Flugzeug wie ein Auto versichert - in Form der klassischen Kaskoversicherung für den Gegenstand (hull) und der Haftpflichtversicherung für Personenschäden (liability). Nur letztere ist gesetzlich vorgeschrieben. Wenn Angehörige von Opfern eines Flugzeugunglücks Schadenersatzforderungen stellen, dann reicht die Fluggesellschaft diese an die Versicherer weiter.

Wie hoch ist die Deckungssumme einer solchen Versicherung?

In der Regel ist eine große Passagiermaschine mit etwa 100 Millionen Euro versichert - leicht über dem Marktwert des Flugzeugs. Die Haftpflichtversicherung für die Passagiere beläuft sich auf ein Vielfaches davon. Allerdings übernimmt nie ein einzelner Versicherer die Risiken allein, sondern es gibt immer einen "Pool" an Assekuranzen, um die potentielle Last auf mehreren Schultern zu verteilen. Erstversicherer reichen solche großen Risiken meistens zum Teil an Rückversicherer weiter.

Was ist mit Schadensersatzansprüchen?

Wieviel die Haftpflicht-Versicherung pro verunglücktem Passagier auszahlt, variiert von Land zu Land. Als besonders teuer gelten US-Passagiere, weil in den USA recht hohe Schadenersatzklagen geltend gemacht werden können - erst recht, wenn der Fluggesellschaft Fehler oder Fahrlässigkeit nachgewiesen werden können. Mit dem Warschauer Abkommen über die Beförderung im internationalen Luftverkehr von 1929 wurde einst versucht, Standards einzuführen - indem die Haftungsgrenze pro Passagier auf 75.000 US-Dollar begrenzt wurde, unabhängig von der Frage, ob die Airline schuld ist am Unglück oder nicht. Das Abkommen gilt inzwischen aber als überholt und wurde mehrfach durch neue Verträge ergänzt. Inzwischen hat sich die Haftungsgrenze deutlich nach oben verschoben - auf etwa 135.000 US-Dollar (100.000 Euro).

In der Praxis sieht es oft so aus, dass die Fluggesellschaft und der Hauptversicherer Soforthilfe an die Hinterbliebenen auszahlen und die rechtlichen Details später klären. Bis alles Geld geflossen ist, gehen normalerweise drei bis fünf Jahre ins Land. Werden Streitfragen vor Gericht geklärt, kann es sogar zehn Jahre dauern.

Wird zwischen Anschlag und Unglück unterschieden?

Ist ein Flugzeug nachweislich aufgrund eines Terroranschlags oder Bürgerkriegs verunglückt, dann greift nicht die normale Kaskoversicherung, sondern die Schadenregulierung erfolgt über den Kriegskaskomarkt. Dabei handelt es sich allerdings um eine Art "Zusatzversicherung", die Fluggesellschaften gegen einen Aufpreis separat abschließen müssen. Fast alle Fluggesellschaften haben diese Policen, die von Spezialversicherern etwa auf dem Versicherungsmarkt Lloyd's of London angeboten werden. Darauf dringen - ebenso wie bei der normalen Kaskoversicherung - schon allein die Leasinggesellschaften, die die Flugzeuge finanzieren.

In Deutschland hatte die Versicherungswirtschaft nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York (9/11) außerdem den Spezialversicherer Extremus ins Leben gerufen. Er versichert Unternehmen gegen Risiken aus teuren und unkalkulierbaren Terroranschlägen in Deutschland. Die Versicherer stellen dabei insgesamt zwei Milliarden Euro zur Verfügung, mit Unterstützung der Bundesregierung kann diese Summe auf zehn Milliarden aufgestockt werden. Extremus greift allerdings nur bei nicht-beweglichen Objekten am Boden: Wäre 9/11 hierzulande passiert, dann wären beispielsweise die Türme versichert gewesen, nicht aber das Flugzeug.

Am 8. März war ein Flugzeug der Fluggesellschaft mit 239 Menschen an Bord über dem Indischen Ozean verschwunden. Die Ermittler suchen weiter nach der Maschine. Im Juli starben alle 298 Passagiere eines Flugzeugs der Airline, das über der Ostukraine in einem Gebiet abgeschossen worden war, das von prorussischen Separatisten kontrolliert wird.

Von

ap

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