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13.12.2016

13:18 Uhr

Foodora, Delivery Hero, Hello Fresh

Fressen – oder gefressen werden

VonMiriam Schröder

Das Rocket-Internet-Prinzip: Wenn den Samwers ein Thema gefällt, lassen sie mehrere Wetten gegeneinander laufen. Nun ist das Rennen zwischen Delivery Hero und Foodpanda entschieden. Das große Fressen folgt erst noch.

Eine frische Pizza nach Hause geliefert: Welcher Lieferservice macht das Rennen? AP

Pizza-Lieferdienste

Eine frische Pizza nach Hause geliefert: Welcher Lieferservice macht das Rennen?

BerlinAls aufmerksamer Beobachter des Rocket-Internet-Imperiums fragte man sich ja schon lange, wer das eigentlich alles essen soll. Ob Foodora oder Foodpanda, Hello Food oder Hello Fresh: Die Start-ups der Samwers heißen nicht nur alle recht ähnlich, viele von ihnen tun auch mehr oder weniger das Gleiche: Essen nach Hause liefern.

Wie am Wochenende bekannt wurde, verleibt sich Delivery Hero, der Mutterkonzern von Foodora, jetzt den kleineren Konkurrenten Foodpanda ein. An dieser Transaktion zeigt sich eine Taktik der Samwers: Wenn sie an ein Thema glauben, investieren sie in mehrere Teams, die quasi gegeneinander antreten, in unterschiedlichen Märkten, mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Wer sich durchsetzt, bekommt mehr Kapital und kann sich noch mehr Umsatz dazukaufen. Wer nicht mithalten kann, wird verkauft. Fressen und gefressen werden also.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Foodpanda wurde 2012 bei Rocket gegründet. Die Idee: Eine Buchungsplattform, über die man beim Pizzadienst bestellen und bezahlen kann, anstatt dort anzurufen und zu hoffen, dass der Mensch am Telefon einen richtig verstanden hat – und die Sardellen weglässt, nicht die Kapern. In Berlin gab es zu dem Zeitpunkt schon zwei Start-ups, die so etwas machten. Das eine hieß Lieferheld, das andere Lieferando.

Foodpanda sollte sich auf die Schwellenländer konzentrieren. Das Vorbild für alle zusammen saß in den USA. Grubhub wurde 2004 gegründet und ging 2014 an die Börse. Ein Jahr später stieg Rocket Internet mit einer halben Milliarde Euro bei Lieferheld ein, das inzwischen Delivery Hero hieß und wurde dort größter Anteilseigner mit 38,5 Prozent.

Das Thema Essen, glaubte Oliver Samwer, würde nach dem Ausrollen des Onlinehandels auf nahezu alle Produktbereiche, das nächste große Ding werden. Und er wollte auf jeden Fall ein Stück von der Pizza abbekommen. Darum wettete er vorsorglich auf mehrere Unternehmen. Parallel investierte er in den Kochboxenversender Hello Fresh und in Hello Food, das Schwesterunternehmen von Foodpanda.

Manche Wetten hat Samwer bereits verloren gegeben. La Nevera Roja in Spanien wurde wieder verkauft, genau wie Hellofood in Italien, Brasilien und Mexiko. Versuch und Irrtum sind Rocket Internet schon mal ein paar Millionen wert.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.12.2016, 13:53 Uhr

Ist doch schön...der Wettbewerb belebt das Geschäft und sotiert die Schlechten Ideen aus.
Mal schauen ob die Nachfrage hoch genug ist und vorallen auch bestand hat.

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