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05.09.2015

17:22 Uhr

Fotografie

Der langsame Tod der Analog-Filme

In der Fotowelt geben Bits und Bytes, Mega-Pixel und Chips längst den Ton an. Dass nach 12, 24 oder 36 Schüssen der Film voll war, ist kaum noch vorstellbar. Aber noch gibt es die Analog-Filme tatsächlich noch.

Die Digitalisierung hat die Analog-Filme in der Fotobranche fast völlig verdrängt. dpa

Klassische Filmrollen

Die Digitalisierung hat die Analog-Filme in der Fotobranche fast völlig verdrängt.

OldenburgBei Europas größtem Fotodienstleister Cewe passt die analoge Welt inzwischen in eine kleine Ecke der riesigen Firmenhallen. Wie eh und je werden dort die Filmdosen aus den Versandtaschen geholt. Die kleinen bunten Metallgehäuse landen in der Sammeltonne. Ein bisschen abseits werden Plastik-Einweg-Kameras in Handarbeit geknackt. Es riecht nach Chemikalien. Hier werden Negative entwickelt.

„Wir werden die letzte Firma sein, die das macht. Aber wir ziehen das durch“, sagt Olaf Holzkämper, der als Cewe-Finanzvorstand weiß, dass der Analog-Welt nicht die Zukunft gehört. Bei Cewe machte das analoge Geschäft einst fast 100 Prozent aus. Das hat sich grundlegend geändert. 2014 produzierte das Unternehmen 2,29 Milliarden Fotos, und nur noch 3,9 Prozent davon stammten von Fotofilmen. Der Rest kam digital vom Chip. Dazu passt, dass der Verkauf von Filmen in Deutschland von 2000 bis 2013 um 97 Prozent zurückging.

Der Siegeszug der Digitalkameras und Smartphones hat den Analog-Markt binnen einer Dekade praktisch implodieren lassen. Auch Cewe geriet in schwieriges Fahrwasser. Die Oldenburger mussten von 2004 bis 2010 elf Betriebe mit 1200 Mitarbeitern schließen. Die Restrukturierungskosten für die Analog-/Digital-Transformation: 55 Millionen Euro. Das börsennotierte Unternehmen ist heute digital aufgestellt.

Auf Konsumentenseite trotzt eine kleine Analog-Gemeinde dem Trend. Primär sind es ältere Kunden, die sich nicht umstellen wollen oder können. Aber auch Kunstschaffende schätzen die Technik, einige weil sie kein Ad-hoc-Ergebnis sehen, sondern den Spannungsbogen bis zur Entwicklung halten wollen. „Vor allem geht's dabei aber um Authentizität. Ein Negativ kann nicht verfälscht werden“, sagt Dagmar Göthel, die als Einzelhandelskauffrau seit 30 Jahren in der Fotobranche ist. Sie arbeitet im Bremer Fachgeschäft „Foto Bischoff“, das eine fast 90-jährige Firmentradition hat. Die Kameras in den Schaufenstern sind alle digital mit Ausnahme der kleinen Minolta-Kamera „Freedom“. „Ein Restposten“, heißt es.

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