Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.08.2012

14:04 Uhr

Fragliche Auszeichnung

Karstadt-Chef ist „Sprachpanscher des Jahres“

Es scheint kurios, einem Briten vorzuhalten, er würde die deutsche Sprache nicht genug würdigen. Der Verein Deutsche Sprache macht es trotzdem. Er kürt Karstadt-Chef Andrew Jennings zum „Sprachpanscher des Jahres“.

Zweifelhafte Ehrung: Karstadt-Chef Andrew Jennings ist „Sprachpanscher des Jahres 2012“. dpa

Zweifelhafte Ehrung: Karstadt-Chef Andrew Jennings ist „Sprachpanscher des Jahres 2012“.

DortmundKarstadt-Chef Andrew Jennings ist zum „Sprachpanscher des Jahres“ ernannt worden. Der Verein Deutsche Sprache hat also ausgerechnet einen Briten aufs Korn genommen - für den deutsch-englischen Sprachmischmasch bei Karstadt. Seit Jennings auf dem Chefposten sei, werbe die Kaufhauskette noch konsequenter als vorher mit Begriffen wie „modern and full of life“, „Midseason-Sale“ oder „home-style“. Deutsche Übersetzungen dafür könnten sein: „modern und voller Leben“, „Zwischensaison-Ausverkauf“ beziehungsweise „wie zu Hause“.

Karstadt-Filialen seien für Kunden ohne Englischkenntnisse kaum zu verstehen, kritisierte der Vereinsvorsitzende Walter Krämer am Freitag in Dortmund. Mit der Negativ-Auszeichnung wolle der Verein Jennings daran erinnern, dass die Kaufhäuser nicht in Liverpool und London, sondern in Wuppertal, Berlin und München stehen. Jennings, geboren 1948, ist seit Anfang 2011 Chef bei Karstadt.

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 entging nur knapp der zweifelhaften Ehrung. Mit 1490 Stimmen blieb die Fernsehgruppe 31 Zähler hinter Jennings mit Karstadt. Den Sprachschützern seien die „denglischen Fernsehproduktionen“ mit „Germany's next Topmodel“, „talk talk talk“ oder „Lifestyle & More“ schon lange ein Dorn im Auge.

Platz drei erreichte die Vorsitzende der CSU-Frauenunion Angelika Niebler, die Erfinderin der CSU-Parteifeier „Lounge in the City“. Seit 2011 lade sie in bayerischen Städten zur „Ladies After Work Party, powered by CSU“ unter dem Motto „High Politics and High Heels“ ein.

Der Verein wählt seit 1998 den Sprachpanscher, der laut Satzung für das unnötige und fortgesetzte Verdrängen deutscher Wörter durch angelsächsische Importe steht. Frühere Panscher sind René Obermann (Deutsche Telekom 2011), Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn 2007) oder Klaus Zumwinkel (Deutsche Post 2005).

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HansHans

24.08.2012, 17:51 Uhr

schlimmer ist nur schlecker: "for you, vor ort" oder die von gabriel unterstütze initiative "um-fairteilung". da kommts mir hoch

Account gelöscht!

25.08.2012, 01:29 Uhr

wieso, um-fairteilung ist wenigstens witzig...

natuerlich haben wir im Moment das Gegenteil im Land: Die Un-fairteilung zu gunsten von Menschen mit mindestens einer Billion Vermoegen und Banken Kartellen.

Gregorius

25.08.2012, 18:12 Uhr

Ich sehe nicht, wieso die britische Nationalität Jennings bei der Vergabe des Negativpreises eine Rolle gespielt haben sollte. Schon die Vorgänger von Jennings haben die Anglizismeninvasion im Konzern kräftig vorangetrieben. Nein, Karstadt hat sich seinen "Sprachpanscher" redlich erarbeitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×