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27.10.2014

16:24 Uhr

Francioni-Nachfolge

Investmentbanker Kengeter wird Deutsche-Börse-Chef

Carsten Kengeter wird neuer Vorstandschef des größten Börsenbetreibers Deutschlands. Der Manager bringt Erfahrungen von zahlreichen Großbanken mit. Ein anderer im Vorstand hat seinen Vertrag verlängert.

Der neue Chef der Deutschen Börse: Carsten Kengeter. Imago

Der neue Chef der Deutschen Börse: Carsten Kengeter.

FrankfurtDer Investmentbanker Carsten Kengeter wird neuer Chef der Deutschen Börse. Der 47-Jährige wird nach der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres die Nachfolge von Reto Francioni antreten. Francionis Vertrag beim größten deutschen Börsenbetreiber wäre eigentlich noch bis Oktober 2016 gelaufen. Der Schweizer hat Insidern zufolge jedoch deutlich gemacht, dass er zu einem früheren Rückzug bereit ist, wenn vorher ein geeigneter Nachfolger gefunden wird. „Wir sind Herrn Reto Francioni für seine uneingeschränkte Unterstützung bei diesem für die Deutsche Börse so wichtigen Generationenwechsel sehr dankbar“, sagte Aufsichtsratschef Joachim Faber am Montag.

Kengeter hat viele Jahre für Goldman Sachs und UBS gearbeitet. Bei den Schweizern wurde er zeitweise sogar als künftiger Vorstandschef gehandelt. Mitte 2013 kehrte er dem Züricher Geldhaus jedoch den Rücken und unterrichtete seitdem an der renommierten London School of Economics. Kengeter soll spätestens im April 2015 in den Vorstand der Deutschen Börse einziehen und zum 1. Juni den Chefposten übernehmen.

Francioni sitzt seit 17 Jahren im Vorstand der Deutschen Börse und steht seit knapp zehn Jahren an der Spitze des Betreibers der Frankfurter Börse. Eine seiner größten Niederlagen war die geplatzte Fusion mit der New York Stock Exchange, die 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter scheiterte. Seitdem hat das Unternehmen großen Fusionen abgeschworen und setzt notgedrungen auf Wachstum aus eigener Kraft. Besonders in Asien möchte die Deutsche Börse in den kommenden Jahren zulegen.

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

„Alles hat einmal ein Ende, auch wenn es mir nicht leicht fällt, diesen Schritt zu tun“, sagte Francioni am Montag. Aus seiner Sicht hat die Deutsche Börse mit Kengeter, an dessen Auswahl er beteiligt war, einen guten Nachfolger gefunden. Zudem seien wichtige Weichenstellungen erfolgt, sagte der 59-Jährige. „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, diesen Wechsel zu vollziehen.“

Von

rtr

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