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08.01.2007

06:24 Uhr

François Pinault

Jäger und Sammler

VonHolger Alich

Auch mit 70 Jahren kann der französische Milliardär François Pinault nicht von Übernahmen lassen. Nun ist sein Auge auf Suez gefallen - und im Kampf um den Versorger er jetzt unter Zeitdruck. Auf die Hilfe eines engen Freundes kann er diesmal nicht bauen.

Der französische Unternehmer und Mäzen Francois Pinault. Foto: dpa

Der französische Unternehmer und Mäzen Francois Pinault. Foto: dpa

PARIS. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac war am vergangenen Donnerstag bei seiner Neujahrsansprache vor den Sozialpartnern sichtlich in Geberlaune: Jeder bekam sein Fett ab – die Opposition, sein ehrgeiziger Innenminister und Möchte-gern-Nachfolger Nicolas Sarkozy. Und: Chiracs enger Freund, der Milliardär François Pinault.

Denn Pinault will die von Chiracs Regierung initiierte Fusion der Versorger Suez und Gaz de France torpedieren. Aber angesichts der „strategischen Bedeutung“ des Zusammenschlusses für Frankreich „ist für kurzfristiges Kalkül kein Platz“, sagte Chirac. Und watschte damit seinen Duz-Freund vor Frankreichs versammelter Unternehmerschaft ab. Suez-Chef Gerald Mestrallet grinste über beide Ohren. Der Angesprochene selbst glänzte durch Abwesenheit.

Pinault ist wieder in einer seiner Lieblingsrollen: Allein gegen das Establishment, das den Schulabbrecher und Ex-Holzhändler lange nicht als einen der ihren anerkennen wollte. „Ich habe noch nie die Leute gemocht, die sich in ihrer Selbstzufriedenheit häuslich eingerichtet haben“, sagte er dazu einmal. Die Präsidentenschelte perlt an ihm ab. „Dass die beiden Freunde sind, muss nicht heißen, dass sie immer die gleiche Meinung haben“, erklärt ein Pinault-Vertrauter.

Fröhlich gegen den Mainstream schwamm Pinault auch bei der Übernahmeschlacht um Arcelor. Der Großteil der Pariser Geschäftswelt – und die Politiker sowieso – waren gegen die Übernahme durch Mittal. Der indische Konzerngründer Lakshmi Mittal musste sich zum Teil rassistische Kommentare aus Paris anhören. Und Pinault? Er trat ostentativ in Mittals Aufsichtsrat ein und verkündete im „Figaro“: „Ich bin an der Seite Mittal, um seinem Gebot zum Erfolg zu verhelfen.“

Offiziell ist der 70-Jährige seit gut drei Jahren in Rente, um sich ganz seiner als einmalig geltenden Sammlung zeitgenössischer Kunst zu widmen. Den von ihm geschmiedeten Handels- und Luxuskonzern PPR leitet seit gut drei Jahren sein Sohn, François Henri. Doch Pinault ist Bretone. Und die gelten als stur und hartleibig. Pinault hat sein Leben lang nichts anderes getan, als Unternehmen zu kaufen, zu entwickeln und oft wieder zu verkaufen. Warum soll er jetzt mit 70 damit aufhören? Er selbst sagt: „Männer sind wie Jagdhunde. Wenn sie im Haus gehalten werden, verlieren sie ihr Gespür.“ Also knöpft er sich den Versorger Suez vor, bei dem selbst unabhängige Geister wie Frankreichs Aktionärsschützerin Colette Neuville offen anzweifeln, ob die Fusion mit Gaz de France die beste Wahl für die Suez-Aktionäre ist.

Schon im vergangenen Juni machte Pinault keinen Hehl daraus, dass er wenig von der politisch orchestrierten Fusion hält. Auf die Frage, ob ein „Wirtschaftspatriotismus“ sinnvoll sei, antwortete er: „Ja, aber nicht, wenn dies bedeutet, sich zu verbarrikadieren.“ Auch im Energiesektor müsse man daher europäisch denken.

Im Oktober schlug dann die Nachricht wie eine Bombe ein, dass Pinault zusammen mit der italienischen Enel an einer Übernahme von Suez gearbeitet hat. Enel, wohl von der italienischen Regierung zurückgepfiffen, erklärte eilig, dass das Projekt „nicht mehr auf der Tagesordnung“ stünde.

Doch Pinault verfolgt das Projekt mit bretonischer Sturheit weiter. Die Finanzierung der 50-Milliarden-Übernahme gilt unter Analysten als unproblematisch. „Er muss nur verlässliche Partner haben, die ihm Teile von Suez, wie das Energiegeschäft, wieder abkaufen“, meint ein Pariser Aktienanalyst.

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