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19.05.2015

13:30 Uhr

Frauenquote

Fresenius und Porsche sind Schlusslicht

Die Frauenquote hilft weiblichen Führungskräften beim beruflichen Aufstieg. Alle Probleme löst sie aber nicht – das zeigt eine erste Bestandsaufnahme. Einige Unternehmen ducken sich immer noch weg.

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen war am 1. Mai in Kraft getreten. Es schreibt für die Aufsichtsräte der 101 betroffenen Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent ab 2016 vor. dpa

Frauenquote

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen war am 1. Mai in Kraft getreten. Es schreibt für die Aufsichtsräte der 101 betroffenen Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent ab 2016 vor.

BerlinDie Frauenquote hat noch nicht zu einer stärkeren Beteiligung von Frauen an wichtigen Unternehmensentscheidungen geführt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar). Danach ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 101 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen zwar seit Anfang 2014 gestiegen. Er liegt aktuell bei 22,1 Prozent. In den wichtigen Ausschüssen der Aufsichtsräte und in den Vorständen seien Frauen aber nach wie vor kaum präsent, heißt es in der Studie, die am Dienstag in Berlin präsentiert wurde.

Laut Fidar bilden Fresenius und Porsche in Sachen Frauenbeteiligung das Schlusslicht: Beide Unternehmen hatten bis Ende April weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand eine Frau. An der Spitze liegt die Telefónica Deutschland Holding, gefolgt von Lufthansa und der Münchener Rück. Den höchsten Frauenanteil im Vorstand konnte die Lufthansa vorweisen. Zwei ihrer fünf Vorstandsmitglieder sind weiblich.

Ziel dieser Erhebung sei es, „ein bisschen Wettbewerb unter den Unternehmen herzustellen“, sagte Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD). An die Adresse ihrer Kritiker, die in der Quote einen Nachteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland sehen, sagte die Ministerin, 24 der 101 Unternehmen hätten inzwischen mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten. Dies habe nicht zu einem Einbruch der Gewinne in diesen Konzernen geführt.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen war am 1. Mai in Kraft getreten. Es schreibt für die Aufsichtsräte der 101 Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent ab 2016 vor. Gibt es nicht genügend Frauen, bleibt der zu besetzende Stuhl leer. Mehr als 4000 weitere Unternehmen müssen sich selbst im kommenden September ein Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat und Vorstand setzen. Nach einem Jahr soll es erstmals eine Überprüfung geben. Sanktionen sind hier aber nicht vorgesehen.

Etlichen Top-Managern und Firmeninhabern sei gar nicht bewusst, dass dieses Gesetz auch für sie gelte, sagte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. Sie sagte, andere Führungskräfte „denken sich, wir ducken uns so lange wie möglich weg“. Sollte sich da bis 2017 nicht genug bewegen, sei eine starre Quote auch für diese Firmen langfristig nicht ausgeschlossen, sagte Schwesig. Sie betonte: „Die Unternehmen haben es jetzt selbst in der Hand.“

Von

dpa

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