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03.04.2016

09:41 Uhr

Friedrich von Metzler

„Ein guter Bankier muss ein Menschenfreund sein“

VonDorit Marschall

Friedrich von Metzler steht mit 72 Jahren an der Spitze von Deutschlands ältester Privatbank. Im Interview gibt er einige seiner Erfolgsgeheimnisse preis. Und verrät, dass er eigentlich schüchtern ist.

„Das Wohl der Bank hängt und hing nie ausschließlich von unserer Familie ab, das wäre fatal.“ Reuters

Friedrich von Metzler

„Das Wohl der Bank hängt und hing nie ausschließlich von unserer Familie ab, das wäre fatal.“

Der Bankier Friedrich von Metzler gilt als Inbegriff des ehrbaren Kaufmanns. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Mann, dessen Vorfahren 1674 den Grundstein für die heute älteste deutsche Privatbank im ununterbrochenen Familienbesitzgelegt haben, über die Zukunft des Instituts, gewährt Einblicke in seine Strategie bei der Kundenakquise – und verrät seine Schwäche.

Sie sind in dem Bankhaus Ihrer Familie aufgewachsen und heute bundesweit bekannt – als Privatbankier wie als Mäzen. Wünschen Sie sich nicht manchmal ein gewöhnliches Leben?
Lacht. Nein, das wäre ja langweilig!

Auch keinen anderen Beruf? Sie hatten als Erbe einer Bank ja praktisch keine andere Wahl.
Oh doch, die hätte ich gehabt. Ich hätte einfaches Mitglied des Gesellschafterausschusses werden können, ich musste nicht operativ einsteigen. Aber die Frage hat sich für mich nie gestellt, ich wollte schon als Schüler Bankier werden. Als Gymnasiast habe ich die Unternehmensberichte im Wirtschaftsteil gelesen. Und nach dem Mittagessen bin ich häufig aus unserer Wohnung im sechsten Stock nach unten gegangen zu meiner Tante, einer Prokuristin der Bank, und zu Mitarbeitern, um ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu sehen und sie zu verstehen.

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Heute sind Sie derjenige, der seinen Kindern das Geschäft erklärt. Mit dem Ziel, dass Sie Ihrem Vorbild folgen?
Mein Ziel ist es nicht, eher meine stille Hoffnung. Aber ich habe unseren Kindern immer gesagt: Wir reden nicht darüber.

Ob sie einmal in der Bank tätig sein wollen?
Ja.

Warum nicht? Das ist doch eine wichtige Frage für beide Seiten.
Das stimmt, aber dann hätten sie vielleicht das Gefühl gewonnen, ich würde es erwarten und sie dürften mich nicht enttäuschen. Meiner Frau und mir ist vor allem wichtig, dass sie in ihrem Beruf eine Erfüllung finden. Sollte das in der Bank nicht der Fall sein, könnten sie auch nur in den Gesellschafterausschuss – das ist allein ihre Entscheidung. Das Wohl der Bank hängt und hing nie ausschließlich von unserer Familie ab, das wäre fatal. Wer kein Talent für das Bankgeschäft hat oder schlichtweg kein Interesse daran, wäre dort nicht richtig; wir haben daher immer wieder familienfremde Expertise genutzt, auch auf Leitungsebene.

Sie sind mit 72 Jahren immer noch aktiv in der Bank. Können oder wollen Sie nicht loslassen?
So lange ich gesund bin, arbeite ich mit. Einen großen Teil der operativen Aufgaben habe ich zwar abgegeben, aber bei Kunden bin ich häufiger denn je. Es ist eine Bereicherung, so viele Menschen kennen zu lernen. Ein guter Bankier muss ein Menschenfreund sein.

Wie meinen Sie das?
Wir verkaufen kein Produkt. Wir stellen nichts her. Wir beraten lediglich. Um für diese Dienstleistung gut bezahlt zu werden, müssen Sie Vertrauen gewinnen. Das gelingt nur durch persönliche, ehrliche Gespräche.

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