Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2014

10:32 Uhr

Frist endet

Skandalbanker Kerviel verweigert Haftantritt

Der französische Skandalbanker Jérôme Kerviel hat unweit der italienisch-französischen Grenze angekündigt, dass er sich zur Haftverbüßung nicht nach Frankreich begeben will. Staatspräsident François Hollande soll helfen.

Der französische Skandalbanker Jérôme Kerviel verweigerte zunächst seinen Haftantritt. dpa

Der französische Skandalbanker Jérôme Kerviel verweigerte zunächst seinen Haftantritt.

VentimigliaEr werde auf der italienischen Seite abwarten, welche Antwort der französische Präsident François Hollande auf seine Vorschläge zum weiteren Verfahren gebe, sagte Kerviel hundert Meter vom Grenzposten bei Ventimiglia entfernt. Der wegen Milliardenverlusten verurteilte Banker hatte kurz vor Ablauf der Frist zum Antritt seiner dreijährigen Haftstrafe am heutigen Sonntag den französischen Staatschef, sich in seinen Fall einzuschalten und möglichen Entlastungszeugen Immunität zu gewähren. Unter Hinweis auf die französische Polizei fügte der 37-Jährige hinzu: "Wenn sie mich holen wollen, sollen sie doch kommen."

Kerviel hatte die Großbank Société Générale mit gefährlichen Geldgeschäften fast in den Ruin getrieben. Er spekulierte mit dutzenden Milliarden Euro auf hochriskanten Märkten und vertuschte die Transaktionen, ohne sich dabei aber selbst zu bereichern. Im Zuge der Finanzkrise 2008 entstanden Milliardenverluste.

Société Générale: Skandalbanker Kerviel erringt Teilerfolg

Société Générale

Skandalbanker Kerviel erringt Teilerfolg

Jérôme Kerviel hatte riesige Summen verzockt, nun erringt er einen Teilerfolg vor dem höchsten französischen Gericht: Seine Haft wurde bestätigt, der Schadenersatz für Société Générale muss aber neu verhandelt werden.

2012 verurteilte das Pariser Berufungsgericht Kerviel in zweiter Instanz wegen Vertrauensmissbrauchs, Fälschung und wegen der betrügerischen Eingabe von Daten in das Computersystem der Bank und bestätigte die in erster Instanz verhängte Strafe: fünf Jahre Haft - davon zwei zur Bewährung ausgesetzt - und eine Schadenersatzzahlung von 4,9 Milliarden Euro an die Société Générale. Gegen die Verurteilung zog Kerviel vor den Kassationsgerichtshof. Dieser bestätigte im März zwar die Haftstrafe von drei Jahren gegen Kerviel, erklärte aber den Rekord-Schadenersatz für ungültig.

Nach einem Treffen mit Papst Franziskus in Rom im Februar beschloss der Ex-Banker, zu Fuß nach Paris zurückzuwandern. Die französische Staatsanwaltschaft setzt ihm eine Frist, sich bis zum Sonntag bei der Polizeiwache in Menton auf der französischen Seite der Grenze bei Ventimiglia zu melden. Das französische Präsidialamt teilte am Samstagabend mit, ein Gnadengesuch Kerviels werde, wenn er es stelle, "entsprechend dem üblichen Verfahren" geprüft. Kerviel hatte von Hollande Straffreiheitsgarantien für Zeugen verlangt, die ihn durch ihre Aussagen entlasten könnten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×