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29.01.2007

12:08 Uhr

Fritz Raff

Der Napoleon der ARD

VonHans-Peter Siebenhaar

Der neue ARD-Vorsitzende Fritz Raff hat eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich: Er war Chefredakteur, Oberbürgermeister und Rundfunkintendant. Nun übernimmt der 56-jährige den ARD-Chefsessel von Thomas Gruber. Raff zeigt sich kritisch – und spricht offen Missstände an.

Der ARD-Vorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR), Fritz Raff (Quelle: dpa) Quelle: dpa

Der ARD-Vorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR), Fritz Raff (Quelle: dpa)

SAARBRÜCKEN. Das waren noch Zeiten, als Fritz Raff mit einem Modell für die kleinstädtische Ansiedlungspolitik über Mosbach hinaus Schlagzeilen machte. Der damalige SPD-Oberbürgermeister der nordbadischen Kleinstadt hatte ein brachliegendes Industriegelände saniert und dort Firmen angesiedelt. Mit dem nur dreieinhalb Hektar großen „Industriepark Mosbach“ ging damals der ehrgeizige Kommunalpolitiker bundesweit hausieren. Raff ist es schon damals gelungen, kleine Dinge ganz groß zu verkaufen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Fritz Raff ist ein Schwabe comme il faut, ein begnadeter Kommunikator und großer Netzwerker vor dem Herrn“, lobt Thomas Gruber, Intendant des Bayerischen Rundfunks und Vorgänger auf dem ARD-Chefsessel.

Zum ersten Mal in der Geschichte des kleinen Saarländischen Rundfunks ist ein Intendant zum Vorsitzenden der großen ARD gewählt worden. Der 56-jährige Raff wird für zwei Jahre an der Spitze der höchst unterschiedlichen Landesrundfunkanstalten stehen. Darauf ist er stolz: „Ein ARD-Vorsitzender braucht Lust, sich ins medien- und programmpolitische Getümmel zu stürzen, und die habe ich“, sagt er.

Raff regiert über sein kleines Rundfunkimperium in Saarbrücken wie ein Fürst. Eine breite Auffahrt führt hinaus zum Halberg. Auf dem Gipfel steht ein neugotisches Schloss, einst das Hauptquartier der Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im ersten Stock residiert der kunstsinnige ARD-Chef. Eine lebensgroße Frauenplastik des saarländischen Künstlers Hans Schröder dominiert den Raum. Raffs Blick schweift oft über die Wälder in der idyllischen Landschaft. Hier brütet er über die ARD. „Uns gelingt es nicht ausreichend, junge Zuschauer anzusprechen. Im Unterhaltungsbereich haben wir die Kompetenz für junge Zielgruppen weitgehend verloren. Uns fehlt Frisches und Neues.“

So viel Selbstkritik ist ungewöhnlich für eine Institution, die an ihrer Reformunfähigkeit zu scheitern droht. Vorgänger Gruber litt in seiner Amtszeit unter dem mangelnden Willen seiner Kollegen zu Veränderungen. Raff will daraus lernen. Vielleicht deshalb haben die beiden Intendanten den Jahreswechsel gemeinsam an der Saar verbracht.

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