Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2015

12:15 Uhr

Früherer Arcandor-Chef

Middelhoff kann gegen 895.000 Euro freikommen

895.000 Euro Kaution soll es Thomas Middelhoff kosten, aus dem Gefängnis freizukommen. Das legte das Gericht fest. Weiter gibt es aber Streit um die nächtlichen Kontrollen des früheren Top-Managers in der JVA.

Der Haftbefehl gegen den früheren Arcandor-Manager ist ausgesetzt. dpa

Thomas Middelhoff

Der Haftbefehl gegen den früheren Arcandor-Manager ist ausgesetzt.

EssenDer ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff ist noch nicht auf freiem Fuß. Die Auflagen des Gerichts für eine Entlassung aus der Untersuchungshaft seien noch nicht erfüllt worden, sagte ein Sprecher des Landgerichts Essen am Dienstag. Das Gericht hatte den Haftbefehl gegen Middelhoff am Montag außer Vollzug gesetzt. Die Kammer habe aber zugleich Auflagen erlassen, die der ehemalige Chef des Medienriesen Bertelsmann und des früheren Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor noch vor einer Haftentlassung erfüllen muss.

So muss Middelhoff eine Kaution von rund 895.000 Euro stellen, der Manager hatte eine entsprechende Summe bereits angeboten. Zudem muss der ehemalige Star-Manager seine Reisepässe abgeben. Nach einer Entlassung muss er sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Middelhoff war am 14. November 2014 vom Landgericht Essen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft - das Gericht vermutete Fluchtgefahr. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er unter anderem Privatflüge mit Charterjets und Hubschraubern über Arcandor abgerechnet und seinem ehemaligen Arbeitgeber insgesamt einen Schaden von rund einer halben Million Euro zugefügt hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Middelhoffs Anwälte haben vor der Bundesgerichtshof Revision eingereicht.

Die Anwälte des ehemaligen Spitzenmanagers hatten dessen Haftbedingungen scharf kritisiert. Ihr Mandant sei in Untersuchungshaft erkrankt – bei dem 61jährigen sei eine Autoimmunkrankheit festgestellt worden. Er sei in der Essener Untersuchungshaft alle 15 Minuten kontrolliert worden, ihm sei massiv Schlaf entzogen worden. Middelhoff hatte in den vergangenen Monaten mehrfach erfolglos Haftbeschwerde erhoben.

Wie NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) allerdings erklärte, hat Middelhoff sich in den Wochen seiner nächtlichen Überwachung in der JVA Essen gegenüber den Bediensteten nicht beschwert. Einen mehrfach angebotenen Wechsel in eine Gemeinschaftszelle mit einem zuverlässigen Mitgefangenen habe er „nachdrücklich“ abgelehnt. Middelhoff sei fast ständig in Kontakt mit dem psychologischen Dienst gewesen und habe in einem Gespräch geäußert, er fühle sich „gut aufgehoben“ und „schätze die Art und Weise des Umgangs der Bediensteten mit ihm“. Das geht aus einem Bericht des Justizministers für den Rechtsausschuss des NRW-Landtags hervor.

Middelhoff im Gefängnis: Es geht um Recht, nicht um Rache

Video: Middelhoff im Gefängnis: Es geht um Recht, nicht um Rache

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der Justizminister bescheinigte der JVA-Leitung korrektes Verhalten. Zwei Psychologen seien von Selbstmordgefahr ausgegangen. Vom 14. November bis 10. Dezember und am 18. und 19. Dezember 2014 habe ein Bediensteter nachts alle 15 Minuten durch den Spion der Zellentür geschaut, ob er noch lebe. Middelhoffs Haftraum habe niemand betreten. Die viertelstündliche Beobachtung werde seit Jahrzehnten in Deutschland praktiziert.

Die Richter betonten nun, Middelhoff sei wegen seiner Erkrankung nicht haftunfähig. Vielmehr sei der „Fluchtanreiz“ für Middelhoff gemindert – er saß bereits rund fünf Monate in Untersuchungshaft, die zu erwartende Reststrafe sei dadurch deutlich geringer geworden. Auch sei Middelhoff erkrankt, er müsse regelmäßig behandelt worden.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Herbert Maier

21.04.2015, 12:04 Uhr

Das ist mal wieder deutsche Bürokratie: Um jemanden am Selbstmod zu hindern, wird er selbst fast umgebracht.

Herr Peter T. Kroeger

21.04.2015, 12:22 Uhr

..und ist dann á la Zumwinkel weg oder bekommt á la USA eine Fußfessel und einen zugewiesenen Aufenthaltsbereich?
Wenn Middelhoff rund 900.000 Euro Kaution aufbringen kann, wieso darf er dann Privatinsolvenz anmelden? Oder handelt es sich hier um Insolvenzbetrug und gleich die nächste Straftat?

Herr Fred Meisenkaiser

21.04.2015, 13:02 Uhr

Unrechtsstaat eben. In einem Rechtsstaat würde gleiches recht für alle gelten, unabhängig vom Vermögen.
Aber wer Geld hat kann sich Recht kaufen. Wer viel Geld hat, der kauft sich gleich die Gesetze, und die Parlamentarier, die sie einbringen. (Mövenpickgesetz, Telekomunikationsgesetz)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×