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02.01.2015

09:53 Uhr

Frust im Job

Tschüss Chef, auf Nimmerwiedersehen!

VonMarcel Bohnensteffen

Frust im Job? Fast jeder fünfte Deutsche hat innerlich gekündigt. Das neue Jahr bietet die Möglichkeit für einen Neuanfang. Doch dem Chef „Tschüss“ zu sagen, löst nicht automatisch alle Probleme.

Interview

Wie schafft man die berufliche Veränderung?

Interview: Karrierewechsel mit Tücken - Wie schafft man die berufliche Veränderung?

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DüsseldorfEs gibt Menschen, die gehen mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen. Und manchmal auch: den Job hinschmeißen. Zum Chef gehen und sagen: Danke. Bitte. Auf Wiedersehen.

Viele Deutsche spielen mit dem Gedanken, ihren Job zu aufzugeben. Weil sie bei der Arbeit zunehmend Frust verspüren. Laut einer Studie der Personalberatung Kienbaum und ORC International vom März 2014 sind 42 Prozent der Beschäftigten hierzulande unzufrieden in ihrem Beruf.

Das Ergebnis entspricht in etwa der Zahl, die die Psychologen Volker Kitz und Manuel Tusch schon vor sechs Jahren in ihrem „Frustjobkillerbuch“ präsentiert haben: 35 Millionen frustrierte Arbeitnehmer in Deutschland. Unmut im Job ist zur Volkskrankheit geworden. Als letzter Ausweg bleibt oft nur der Absprung.

Laut einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Gallup sind lediglich elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland  bei der Arbeit engagiert. 23 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. Zwei Drittel leisten nur noch Dienst nach Vorschrift.

Tipps für den Jobwechsel

Aktiv werden, statt frustriert sein

Lassen Sie sich nicht frustrieren. Im Gegensatz zu manch Anderen haben Sie das Glück, noch einen festen Job zu haben. Werden Sie aktiv, nutzen Sie die Zeit lieber, die Fühler nach Alternativen auszustrecken und Businesskontakte aufzubauen.

Den Jobwechsel gut abwägen

Bevor Sie das Handtuch werfen und den Jobwechsel ansteuern, hinterfragen Sie bitte alle Pro- und Contra-Punkte dieser Entscheidung. Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht bzw. wirklich sicher? Wunderbar! Zeichnet sich da noch so ganz und gar keine Alternative ab, harren Sie lieber noch ein wenig aus und nutzen Sie die Zeit dazu, aus gesicherter Position heraus auf Jobsuche zu gehen.

Seien Sie Stratege

Auch wenn Sie innerlich bereits gekündigt haben, lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, im Team schlechte Stimmung zu verbreiten, den Chef durch den Kakao zu ziehen, nur noch das Notwendigste zu tun oder sich wie auch immer geartet zum Unternehmensfeind Nr. 1 zu machen.

Bewerben Sie sich aus sicherer Position heraus

Bewerben aus gesicherter Position heraus macht nicht nur aus finanzieller Sicht wesentlich entspannter, sondern bringt auch bessere Jobaussichten. Jeder Arbeitssuchende wird Ihnen bestätigen, dass es wesentlich schwerer ist, einen neuen Job zu finden, wenn man bereits ohne Anstellung ist. Gehen Sie deshalb nicht erst auf Jobsuche, wenn Sie bereits gekündigt haben, sondern fangen Sie damit bereits an, wenn Ihnen die ersten Kündigungsgedanken kommen.

Nutzen Sie Ihren Feierabend und das Wochenende – nicht die Arbeitszeit - gezielt dazu, sonst stehen Sie am Ende doch schneller auf der Straße, als gewünscht. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie sich selbständig machen möchten. Starten Sie damit aus gesicherter Position heraus und wagen Sie den Absprung erst, wenn ein gewisses finanzielles Polster und andere Sicherheiten vorhanden sind.

Steigern Sie Ihren Marktwert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, den Job zu wechseln, neigt man dazu, träge zu werden und den Joballtag damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Seien Sie klüger. Bilden Sie sich aktiv weiter und vertiefen Sie Ihr Wissen. Das erweitert nicht nur Ihre Fachkenntnisse, sondern erhöht zudem Ihren Marktwert. Natürlich gilt auch hier: Bitte nicht während der Arbeitszeit!

Knüpfen Sie ein Netzwerk von guten Kontakten

Nutzen Sie die Zeit im gesicherten Job dazu, aus Ihrer jetzigen Position heraus Kontakte zu knüpfen. An viele offene Stellen kommt man heutzutage über Vitamin B, also gute Beziehungen. Wer da die richtigen Leute kennt und durchschimmern lässt, dass er sich gerade beruflich neuorientiert, kann schneller zu einem neuen Job kommen, als geplant.

Zeigen Sie Präsenz

Nehmen Sie an fachrelevanten Veranstaltungen, regionalen und überregionalen Netzwerktreffen, Karriere- und Existenzgründermessen etc. teil oder tummeln Sie sich in Online Netzwerken wie z.B. Xing. Dabei sind auch private Aktivitäten förderlich. Wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Bekannte ja einen guten Tipp für eine offene Stelle. Wenn Sie eine eigene Firma gründen möchten, bauen Sie schon jetzt Kontakte zu potenziellen Kunden auf.

Luft anhalten und durch

Auch wenn es manchmal schwer fällt - reißen Sie sich am Riemen, atmen Sie beim nächsten Zoff mit den Kollegen lieber einmal mehr durch, anstatt laut zu werden und stehen Sie innerlich lächelnd über den Dingen. Schließlich haben Sie doch noch Größeres vor!

Quelle: www.careerbuilder.de

Eine regelrechte Verschwendung, wenn man bedenkt, dass der Mensch ein Drittel seines Lebens am Arbeitsplatz verbringt.

Die Lösung: eine neue Aufgabe, ein neuer Job. Doch um sich erfolgreich von der alten Arbeit loszusagen, sollten frustrierte Menschen vor allem eins in Anspruch nehmen: Zeit. Der Ausstieg aus dem Job benötigt eine gewissenhafte Vorbereitung.

„Ein schneller Wechsel ist häufig verbunden mit einem schnellen beruflichen Absturz“, warnt Karriereexpertin Christina Thiel. Ein bis zwei Jahre, so lange könne sich eine Neuorientierung schon einmal hinziehen, sagt sie. Geduld ist gefragt.

„Wenn du es eilig hast, gehe langsam“, lautet so ein Satz, den Personal Coaches und Projektmanager gerne benutzen. Leichter gesagt als getan, wenn Frust möglichst rasche Veränderung fordert. Wenn die Einstellung bei der Arbeit auf den Tiefpunkt sinkt. Wenn der eigene Job nicht mehr das bietet, was er bieten soll: Zufriedenheit und Motivation.

Kommentare (3)

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Homer J.

02.01.2015, 10:23 Uhr

Seien wir mal ehrlich. Es gibt ihn nicht, den Super-Job, in dem alles klasse ist, es keine Konflikte und keinen Stress gibt. Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung und Probleme in der Kommunikation gibt es in jeder Firma, d.h., ein Jobwechsel hilft hier nur bedingt. Die Frage ist aber nicht nur, was in einem neuen Job besser werden soll, sondern auch was schlechter werden kann. Denn häufig gibt es auch eine ganze Menge zu verlieren, aber wer erst mal richtig gefrustet ist, sieht das nicht mehr.
Aus meiner Sicht sollten finanzielle Aspekte ganz oben stehen. Denn wenn es plötzlich kein Gehalt mehr gibt oder selbst dieses nur gekürzt wird, dann fangen die Probleme erst richtig an. Und dagegen ist der Rest eine Kleinigkeit.

Lustigerweise habe ich viele Kollegen, die die Firma gewechselt haben und nun permanent erzählen, wie toll alles im alten Job war. Warum sind sie dann dort weg?

Herr Thomas Melber

02.01.2015, 10:51 Uhr

Jetzt Wechsel des Arbeitsplatzes, sechs Monate Probezeit, und im 2. Quartal geht die Konjunktur in die Knie - nur Mut!

Herr Arne-Steffen Dehler

02.01.2015, 11:19 Uhr

Vielen Dank für diesen Artikel.

Sehr spannend in diesem Zusammenhang ist, dass dies für alle Hierarchieebenen gilt. Meine Klienten kommen überwiegend aus Vorstands- und Bereichsleiter-Positionen und erleben dieselben Phasen von Frust, Demotivation und auch Hilflosigkeit gegenüber der Situation.

Insbesondere auch, weil sowohl Arbeitgeber als auch Führungskräfte wissen, dass die Neubesetzung einer Top-Position viele Monate dauern kann. Dies kann man jedoch beschleunigen.

Wenn das eigene Netzwerk ausfällt und Headhunteranrufe ausbleiben, stehen gerade Führungskräfte recht alleine da. Für diese Ebenen gibt es ja kaum mehr offene Stellenausschreibungen und wenn doch, bewerben sich oft 200-300 Personen darauf.

Ich kann die Liste der Sofortmaßnahmen nur bestätigen und bestärke jeden, sich gleichzeitig emotional und analytisch mit der Situation auseinanderzusetzen. Dabei ist die Standortbestimmung sehr wichtig und hierbei sollte man nicht zu sehr im eigenen Saft braten sondern sich gezielt einen neutralen Spiegel vorhalten lassen.

Häufig spüren wir nämlich unser bisheriges Erleben im Job als geachteter, gewollter, erfahrener, einflussreicher und erfolgreicher Mitarbeiter oder Manager so stark, dass wir vergessen, dass diese Eigenschaften für einen möglichen neuen Arbeitgeber gar nicht sichtbar oder, zumindest teilweise nicht wichtig sind.

Es kommt also darauf an, schnell und kräftig die eigene Person zu definieren, wer man ist und vor allem, was man in Zukunft will und dann genau diejenigen zu fragen, die sich dafür interessieren. Bei meinen Klienten sind dies fast nie die Personalabteilungen, sondern Eigentümer, Vorstände und Aufsichtsräte.

Und diese 'Kunden' ticken anders. Sie fragen fast ausschließlich nach "Was kostet er/sie, was bringt er/sie". Sie schauen nach vorne und diese Blickrichtung ist für jeden Jobwechsel die einzig richtige.

Die Überschrift des Artikels klingt vorwärtsgewandt also so:
"Hallo Chef, mein Glück ist Dein Erfolg"

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