Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.03.2012

20:28 Uhr

FTD

Nachdenken über den Untergang

Europas größter Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr erwägt, seine Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD) in gedruckter Form nur noch einmal pro Woche erscheinen zu lassen.

Die „Financial Times Deutschland“ könnte künftig nur noch am Wochenende als Zeitung erscheinen. dpa

Die „Financial Times Deutschland“ könnte künftig nur noch am Wochenende als Zeitung erscheinen.

Düsseldorf„Ich schließe nichts mehr aus“, sagte Steffen Klusmann, Sprecher des Chefredakteurskollegiums der Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien („FTD“, „Capital“) dem Branchenblatt „Horizont“. Und weiter: „Am Wochenende eine gedruckte Zeitung, und an den Werktagen tägliche Tablet-Ausgaben - klingt fast nach einem Plan“.

Auf die Nachfrage, ob die „FTD“ angesichts des veränderten Leseverhaltens vielleicht  auch nur  noch elektronisch erscheine, sagte Klusmann: „Noch ist die ,FTD' im Kern eine Zeitung. Ich will die Marke aber auf den Tag vorbereiten, an dem dieses Szenario über die Zeitung hereinbricht.“

Der Hintergrund: Die FTD schreibt seit ihrer Gründung im Februar 2000 rote Zahlen. Über die Höhe der Verluste macht der Mutterkonzern Gruner + Jahr traditionell keine Angaben.

Gruner-Vorstandschef Bernd Buchholz unterstützte das Blatt bisher. Gegründet wurde die FTD unter seinem Vorgänger Bernd Kundrun. Die Markenrechte für den Zeitungstitel liegen beim britischen Medienkonzern Pearson. Dort erscheint die britische „Financial Times“.

Pearson war beim Start Mitgesellschafter der FTD. Doch die Briten zogen sich vor Jahren zurück. Seither hatte Gruner + Jahr bei dem lachsfarbenen Blatt das alleinige Sagen. Mindestens einmal versuchte das Hamburger Verlagshaus, eine Beteiligung des Medienkonzerns Bertelsmann,  seine Zeitung an den Spiegel-Verlag zu veräußern. Dort entschied man nach Prüfung der Faktenlage dagegen.

Die FTD, die erst kürzlich von einer Fachzeitschrift als „Wirtschaftsredaktion des Jahres“ ausgezeichnet wurde,  konnte ihre journalistische Qualität nie in Wirtschaftlichkeit umsetzen. Zum Jahresende 2011 wurde eine  Auflage von knapp 101.000 Exemplaren gemeldet. Laut IVW, dem Gemeinschaftsinstitut der Verlage zur Auflagenmessung, beläuft sich davon  die sogenannte Bord-Auflage  auf knapp 43.000 Exemplare.

Von

HB

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.03.2012, 04:30 Uhr

Die jouralistische Qualität veranlasste mich vor drei Jahren das Abbo zu kündigen. Anfang des Jahres habe ich nun auch mein Abbo des Handesbattes gekündigt.

Unterschrift

30.03.2012, 07:30 Uhr

@Dr. Leineweber
Ich gebe Ihnen absolut Recht! Jede Silbe Ihres Textes unterschreibe ich.

Beobachter

30.03.2012, 08:45 Uhr

Die Leser des Handelsblattes sollten sich unbedingt vor Augen halten, dass Herr Steingart (Handelsblatt) und Herr Fricke (FTD) sich in ihrem felsenfesten Credo für den Keynesianismus kaum voneinander unterscheiden.
Lediglich in der Agitation ist Steingart in alter Spiegel-Manier einfach unschlagbar.

Unvergessen die Aufrufaktion von Gabor Seteingart im Mai 2010 zum Kauf griechischer Staatsanleihen. Unvergessen das Eintreten für Euro-Bonds.
Unvergessen die tägliche Hysterisierung des Marktes mit "Topthemen" und Schlagzeilen-Orgien, die zum Teil selbst Boulevard-Blätter nicht besser hinkriegen.

Ich bin sicher, das Handelsblatt wird mit dieser Extrem-Boulevardisierung als "Spiegel für die Wirtschaft" eine zeitlang am Markt überleben -

aber ohne die alte Leserschaft. Und irgendwann wird es einfach zu laut.
Man möchte irgendwann sagen: "Dreht mal etwas leiser..."

Aber die Lautstärke der Marktschreierei übertüncht eben leider nur, dass der alte Slogan des Handelsblattes aus alter Zeit "Substanz entscheidet" in der neubesetzten Redaktion um Garor Steingart schon lange nicht mehr gilt.

Die zu erwartende Ausscheidung der ftd sollte der Handelsblatt-Redaktion ein Warnzeichen sein. Und nebenbei erwähnt: die seriöse Konkurrenz von der Börsenzeitung schreibt schwarze Zahlen und trotzdem gute Artikel ohne Geschrei und Mega-Schlagzeilen.
Weil eben am Ende Substanz entscheidet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×