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17.10.2011

14:27 Uhr

Führungsetagen

Dax-Firmen versprechen höheren Frauenanteil

Aus Angst vor der gesetzlichen Frauenquote haben sich die Dax-Firmen heute selbst verpflichtet, den Anteil von weiblichen Führungskräften auf bis zu 35 Prozent bis 2020 zu steigern. Doch die Politik glaubt ihnen nicht.

„Die Frauen verlieren die Geduld“

Video: „Die Frauen verlieren die Geduld“

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BerlinBis spätestens 2020 soll der Frauenanteil in den Führungsetagen auf bis zu 35 Prozent steigen, wie aus einem heute in Berlin vorgestellten Katalog der Konzerne hervorgeht. Dieses Ziel ist äußerst ambitioniert vor dem Hintergrund, dass es die großen Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten gerade einmal auf einen Frauenanteil von derzeit 3,7 Prozent in den Vorständen geschafft haben. Dieser Anteil sei „einfach unterirdisch“, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). 

„Ich bin der festen Überzeugung, ohne Gesetz wird es nicht gehen“, sagte von der Leyen. Das hätten die „frustrierenden Erfahrungen in den letzten zehn Jahren“ gezeigt. Per Gesetz müssten vor allem Sanktionen definiert werden, „wenn wieder nichts passiert“, sagte die Ministerin. 

Frauen in Führungspositionen

Frauen in Führungspositionen

Die 30 DAX-Konzerne wollen den Frauenanteil in Führungspositionen in den nächsten Jahren erhöhen. Die Zielsetzungen im Überblick.

adidas

32 bis 35 Prozent bis Ende 2015, in Frühentwicklungsprogrammen ab 2012 mindestens 35 Prozent.

Allianz

30 Prozent bis Ende 2015 in Deutschland.

BASF

15 Prozent bis Ende 2020 in Deutschland

Bayer

Weltweit rund 30 Prozent bis Ende 2015.

Beiersdorf

25 bis 30 Prozent bis Ende 2020 in Führungspositionen (Leitende Angestellte).

BMW

15 bis 17 Prozent bis Ende 2020 bei außertariflichen Führungskräften, 20 bis 30 Prozent im (Führungs-)Nachwuchsprogramm BMW Group Trainee.

Commerzbank

Weltweit 30 Prozent bis 2015.

Daimler

Weltweit 20 Prozent bis 2020 in Führungspositionen.

Deutsche Bank

Managing Director, Director, Vice President, Assistant Vice President, Associate - weltweit 35 Prozent bis Ende 2018.

Deutsche Börse

20 Prozent bis Ende 2015 im oberen und mittleren Management, 30 Prozent bis Ende 2015 im unteren Management.

Deutsche Post

Weltweit 25 bis 30 Prozent aller Vakanzen im oberen, mittleren und unteren Management ab sofort.

Deutsche Telekom

Weltweit Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen (mittleres und oberes Management) auf 30 Prozent bis Ende 2015.

E.on

14 Prozent bis Ende 2016 in den oberen Hierarchieebenen in Deutschland.

Fresenius Medical Care

Weiterhin soll "die Qualifikation und nicht das Geschlecht oder sonstige Persönlichkeitsmerkmale für die Personalauswahl entscheidend" sein. "Deswegen setzt das Unternehmen keine starre Quote als Zielgröße." Der "vergleichsweise sehr hohe Frauenanteil" in der oberen Führungsebene (32,1 Prozent) soll weiter gesteigert werden.

Heidelberg Cement

Weltweit 15 Prozent bis Ende 2020.

Henkel

Weiterer Ausbau des Frauenanteils auf allen Management-Ebenen. Auf Konzernebene soll die bisherige Zuwachsrate von einem Prozentpunkt auf ein bis zwei Prozentpunkte jährlich erhöht werden.

Infineon

Weltweit 15 Prozent Frauenanteil bis Ende 2015, 20 Prozent Frauenanteil bis Ende 2020 (jeweils Summe aus mittlerem und Topmanagement).

K+S

Steigerung der Frauen in Führungspositionen um circa 30 Prozent. Bis 2020: Anteil von Frauen in Führungspositionen soll demjenigen der weiblichen Belegschaft zur Gesamtbelegschaft in Deutschland entsprechen.

Linde

Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen bis Ende 2018 auf 13 bis 15 Prozent.

Lufthansa

Steigerung der Anzahl von Frauen in Führungspositionen in Deutschland um mindestens 30 Prozent bis Ende 2020.

MAN

Weltweit 12 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen bis Ende 2014.

Merck

Weltweit 25 bis 30 Prozent Frauen in Führungspositionen bis Ende 2016.

Metro

Weltweit 20 Prozent bis Ende 2013, 25 Prozent bis Ende 2015.

Munich Re

Mindestens 25 Prozent aller Führungskräfte in Deutschland bis Ende 2020.

RWE

Weltweit 22 Prozent bis Ende 2018 auf Basis der derzeit bestehenden Konzern- und Belegschaftsstruktur für das Topmanagement.

SAP

Weltweit 25 Prozent bis Ende 2017.

Siemens

12 bis 13 Prozent Frauenanteil bis Ende 2015.

ThyssenKrupp

15 Prozent bei leitenden außertariflichen Mitarbeitern bis Ende 2020.

Volkswagen

Obere Führungsebene 11 Prozent bis Ende 2020,
mittlere Führungsebene 12 Prozent bis Ende 2020,

untere Führungsebene 15 Prozent bis Ende 2020.

Die 30 führenden deutschen börsennotierten Unternehmen lehnen gesetzliche Regelungen entschieden ab. Jedes Unternehmen solle sich eigene Ziele setzen, sagte stellvertretend für die Konzerne der BMW-Personalvorstand Harald Krüger am Montag in Berlin. Damit werde ein klares Zeichen gesetzt.

„Wir werden uns deshalb Jahr für Jahr öffentlich daran messen lassen, was wir tatsächlich erreicht haben.“ In den kommenden fünf Jahren solle jährlich der Status quo und die Zielsetzung der Konzerne vorgestellt werden. Gesetzliche Vorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils lehnte Krüger ab. Freiwilligkeit sei zielführender und nachhaltiger als ein Gesetz.

Der Vergleich mit dem Ausland

Westeuropäische Länder gehen bei Quoten-Modellen voran

Im Bemühen, mehr Frauen in die Chefetagen von Unternehmen zu bringen, sind andere europäische Länder Deutschland voraus. Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel haben bislang fünf EU-Staaten entsprechende Gesetze verabschiedet, vier davon in diesem Jahr. Hinzu kommen Norwegen und Island. Österreich entschied sich jüngst, dass die Unternehmen die Frauenförderung per Selbstverpflichtung vorantreiben sollen.

Norwegen

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach verschiedenen Gesetzen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen, müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu rund 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen.

Frankreich

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein, wie das Parlament im Januar beschloss. In einem ersten Schritt soll die Frauenquote bis 2014 auf 20 Prozent angehoben werden. Die Vorschrift gilt für börsennotierte Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.

Spanien

In Spanien wurde 2007 eine gesetzliche Quote verabschiedet. Sie verpflichtet Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten dazu, bis 2015 einen Frauenanteil in der Chefetage von 40 Prozent zu erreichen. Dieses Minimum gilt demnach auch für Männer, so dass mehr als 60 Prozent Frauen nicht möglich wären. Spanien fördert das Modell, indem Firmen bei öffentlichen Aufträgen der Vorzug gegeben wird, die die Quote erfüllen.

Belgien

Belgien hat Ende Juli 2011 eine Quote festgeschrieben. Sie sieht einen Anteil von jeweils mindestens einem Drittel Frauen und Männern in Führungsgremien von börsennotierten und staatlich kontrollierten Unternehmen vor. Für erstere sind laut Brüssel Sanktionen vorgesehen. Danach wäre jede Neubesetzung eines Postens automatisch nichtig, falls ein Unternehmen die Quote verletzt. Zudem würden „Vorteile“ für alle Führungskräfte gestrichen.

Island

Der EU-Anwärter hat im März 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sieht vor, dass bis September 2013 mindestens 40 Prozent beider Geschlechter in den Vorständen bestimmter Unternehmen vertreten sind, wobei hier wie in anderen Ländern Schwellen bei der Mitarbeiterzahl gelten.

Niederlande

Im Mai wurde von den niederländischen Nachbarn ein Gesetz verabschiedet, das ab 2015 mindestens 30 Prozent Frauen und Männern in Vorständen vorsieht. Es bezieht sich auf börsennotierte Firmen sowie sonstige Unternehmen, wenn diese mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Italien

Italien führte im Juli eine Quote ein, die für börsennotierte sowie vom Staat kontrollierten Unternehmen gilt. Ab 2015 müssen demnach beide Geschlechter je mindestens ein Drittel der Vorstände stellen. Auch Sanktionen sind laut EU-Kommission vorgesehen. Einer ersten Verwarnung folge eine zweite Warnung samt Bußgeld. Würde die Quote dann immer noch verletzt, sei die Entlassung des gesamten Vorstands vorgesehen, sagte ein Kommissionssprecher.

Österreich

In Österreich hat die Regierung Mitte März eine Selbstverpflichtung beschlossen. Nach Regierungsangaben aus Wien gilt sie aber nur für Betriebe, an denen der Staat mindestens 50 Prozent hält. Bis Ende 2013 sollen in ihren Aufsichtsräten mindestens 25 Prozent Frauen vertreten sein, bis Ende 2018 mindestens 35 Prozent.

Kommentare (10)

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17.10.2011, 14:46 Uhr

Durch diese Versorgungungsregelung für abgehalfterte Politikerinnen und Spitzenbeamtinnen wird es zu einem schleichenden Qualitätsverlust in den Unternehmen kommen, da der Faktor "Qualifizierung" unterdrückt wird zugunsten des Geschlechts. Ferner: Überall dort, wo aufgrund von Quoten der/die Träger(in) eines Merkmals bevorzugt wird, wird ein(e) andere(r) wegen Fehlen dieses Merkmals benachteiligt. Das nennt sich dann "Gerechtigkeit"!?

Account gelöscht!

17.10.2011, 15:28 Uhr

Die Bundesregierung und deutsche Frauen erpressen die Gesellschaft!

Michael

17.10.2011, 15:50 Uhr

Um die politisch gewollte Frauenquote auch ordnungsgemäß gewährleisten zu können, sollte sich die bundesrepublikanische Führungselite auch dazu verpflichten, den Frauenanteil in ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen bis 2013 auch auf 35% zu steigern, damit die entsprechende Führungselite auch bis 2020 herangebildet werden kann. Wir haben in den 30 Dax Konzernen schließlich einen gepflegten Anteil von Firmen, die ihren Erfolg durch Vorsprung in Wissenschaft und Technik erarbeitet haben.
Schon mal drübernachgedacht, Frau von der Leyen?

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