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22.03.2012

10:03 Uhr

Führungskrise in der Deutschen Bank

Der unwürdige Abgang des Josef Ackermann

Josef Ackermann sprach seinen designierten Nachfolgern Jain und Fitschen ziemlich genau vor einem Jahr die Fähigkeit ab, die größte deutsche Bank zu führen. Das haben die beiden Manager ihm nicht vergessen.

Josef Ackermann und Anshu Jain (links). dapd

Josef Ackermann und Anshu Jain (links).

Es ist frostig am Morgen des 2. Februar – draußen auf der Junghofstraße in Frankfurt ebenso wie im Hermann-Josef-Abs-Saal. Dort legt Josef Ackermann gerade die Jahreszahlen der Deutschen Bank für 2011 vor – und der Vorstandschef hat schlechte Laune. Das Investment-Banking hat dem Institut im vierten Quartal einen Verlust beschert und ihm seine Abschlussbilanz verhagelt.

Der Schuldige ist gleich ausgemacht: Anshu Jain, einer der beiden designierten Nachfolger Ackermanns, der auf dem Podium drei Sitze weiter links sitzt. „Die Investmentbank hat die Erwartungen leider nicht erfüllen können“, sagt der Deutsche-Bank-Chef. „Aber andere Bereiche haben die Ziele erfüllt, und das waren nicht Ziele, die wir top down vorgegeben haben.“ Seinen anderen Nachfolger, Jürgen Fitschen, lässt der Schweizer, der an diesem Tag die Fragen der Journalisten vergibt, überhaupt nicht zu Wort kommen.

Es herrscht eine seltsam angespannte Atmosphäre bei der Veranstaltung, die Ackermann als Beginn der Stabübergabe an seine Nachfolger versteht. In der Bank wird das als weiterer Beleg dafür gewertet, dass das Verhältnis zwischen dem scheidenden Chef und der künftigen Führung zerrüttet ist. Denn bei der Machtübergabe nach einer Dekade Ackermann an der Spitze von Deutschlands größter Bank war schon vor der Bilanzpräsentation einiges schiefgelaufen.

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Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, wird sich künftig stark im Branchenverband engagieren. Damit will er sich neben dem prominenteren Anshu Jain profilieren - und leiht dem Verband zugleich mehr Autorität.

Wann genau die Probleme begannen, ist schwer festzumachen. Doch vielleicht ist das Frühjahr 2011 ein guter Zeitpunkt für die Spurensuche, ziemlich genau vor einem Jahr. Ackermann würde zu dem Zeitpunkt am liebsten Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber, auf den er große Stücke hält, zum Nachfolger aufbauen. Das mag beim einen oder anderen Manager aus dem Vorstand schon zu Verstimmungen geführt haben. Für Jain zumindest ist schon damals klar: Wenn er, der mächtige Chef des Investment-Bankings übergangen wird, dann geht er.

Als Ackermann dann in einem Interview seinen Vorständen auch noch indirekt die nötigen Charaktereigenschaften für einen der wichtigsten Führungsposten in der deutschen Wirtschaft abspricht, nehmen ihm das seine selbstbewussten Mitarbeiter übel. Angesprochen auf mögliche fachliche Defizite Webers sagt Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen.“

Kommentare (18)

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Mazi

22.03.2012, 10:33 Uhr

"Persönlichkeit aber kann man nicht lernen."

Ackermann hat es selbst auf den Punkt gebracht. Er sollte sofort gehen. Er ist schon solange krank. Der letzte hat es ihm schon ihm im Mannesmann-Prozeß schon angesehen.

Moika

22.03.2012, 11:11 Uhr

Ackermann vor allem hat der Bank mit seiner Mannschaft im Laufe der Jahre einen grottenschlecht Ruf verpaßt.

Der Abgang ist ihm also sehr wohl würdig.

Account gelöscht!

22.03.2012, 11:21 Uhr

'Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen.'
Gegen die neuen Investmentbanker ist Josef Ackermann der absolute Gentleman. Siehe die gut recherchierte Titelstory des Spiegel vom 30. Januar zu Anshu Jain.

Die Zentrale der Deutschen Bank wird dann von Frankfurt nach Shang-Hai verlegt, wo sie hingehört. In Frankfurt ist das Fischbecken zu klein.

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