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25.10.2013

14:09 Uhr

Führungspositionen

Siemens-Chef für gesetzliche Frauenquote

VonAxel Höpner

In deutschen Unternehmen sitzen nur selten Frauen im Chefsessel. Siemens-Chef Joe Kaeser spricht sich nun für eine Änderung aus – zur Not per Gesetz. Er stehe einer Frauenquote offen gegenüber. Damit ist er nicht allein.

Siemens-Chef Joe Kaeser – ein Freund der gesetzlichen Frauenquote. dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser – ein Freund der gesetzlichen Frauenquote.

MünchenDie Frauenquote im Siemens-Vorstand ist nicht gerade hoch. Genau gesagt wird sie sogar auf null sinken, wenn in einigen Tagen Barbara Kux den Konzern verlässt. Doch wer glaubt, dass dem neuen Chef Joe Kaeser die fortan reine Männerrunde ganz recht ist, der dürfte sich täuschen.

Eine Hintergrundrunde in der Börse in München. An einem großen Holztisch sitzen zwei Dutzend Topmanagerinnen aus ganz Deutschland. Im Vorstand von MDax-Unternehmen arbeiten sie, bei Banken und bei Private-Equity-Firmen. Und mittendrin: Joe Kaeser, der Mann ohne Frauen im Vorstand. „Er hat sich sehr gut geschlagen“, sagt eine Managerin.

Den wunden Punkt spricht der Siemens-Chef bei der Netzwerkveranstaltung der Personalberatung Comites und der KPMG gleich zu Beginn an. „Abhandengekommen“ seien ihm die beiden Vorstandskolleginnen. Brigitte Ederer hätte er gern gehalten, sagt er, sie habe ein „unglaubliches Gespür für Kundenschnittstellen am Markt“. Und Kux habe so erfolgreich gearbeitet, dass ihr Job überflüssig geworden sei.

Man kann das glauben oder nicht. Jedenfalls seien Topmanagerinnen bei Siemens weiter gefragt, stellt Kaeser klar: „Vielleicht“, scherzt er, „bin ich ja heute hier, um eine zu suchen.“ Ihm gehe es nicht darum, einzelne Quotenfrauen zu präsentieren, sondern um eine "Diversifizierung in der Breite". Aktuell seien in Deutschland 12 Prozent, weltweit 16 Prozent der Siemens-Führungskräfte Frauen.

Natürlich geht es auch um die Quote. Die wird zwar anderswo laut gefordert - die Managerinnen aus dem Netzwerkkreis haben es aber ohne geschafft. Kaeser selbst gibt sich als Lernender. „Sehr lange hielt ich es nicht für sinnvoll, eine Quote einzuführen“, sagt er. Doch wenn Firmen es nicht schafften, „sollte man in die Richtung denken, ob man das nicht gesetzlich regelt“.

Es zähle etwas anderes, da ist sich die Runde einig. Die Unternehmen müssten die Familienplanung unterstützen, findet Kaeser. Es reiche nicht mehr, nur Krippen-plätze zur Verfügung zu stellen; Topmanagerinnen erwarteten hochwertige Angebote, zum Beispiel Mehrsprachigkeit. Aber auch die Gesellschaft müsse sich ändern. Anderswo sei es selbstverständlich, dass Mütter berufstätig seien. Das sei „ein deutsches Problem“, so der oberste Siemensianer.

Kommentare (7)

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Hagen

25.10.2013, 10:23 Uhr

Herr Kaeser sollte erst einmal bei Siemens zeigen, was er kann und seinen Laden wettbewerbsfähig halten, denn der Ruhm der Marke verblaßt auch unter ihm immer weiter.

Vorher sollte er die Gesellschaft mit seinen unintelligenten, gleichmacherischen Ansichten aus der Mottenkiste der marxistischen Frauenbewegung verschonen.

RumpelstilzchenA

25.10.2013, 11:08 Uhr

Weiter so, dann haben wir auch bald die "Migranten-Quote". Die Agentur für Arbeit sperrt ohnehin schon freie Stellen für deutsche Arbeitssuchende!

ljansen

25.10.2013, 14:31 Uhr

Die Frauenquote soll für Erfolg von Frauen im Management sorgen. Doch um mehr Frauen in Führungspositionen erfolgreich zu etablieren, sind vor allem veränderte Rahmenbedingungen nötig – in Unternehmen und in der Gesellschaft. Lesen Sie einen interessanten Beitrag von Kathrin Menges, Mitglied des Vorstands bei Henkel, zu dem Thema: http://www.atkearney361grad.de/wir-brauchen-einen-mentalitaetswandel/

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