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27.01.2014

09:29 Uhr

Führungswechsel

Lanxess hofft auf frischen Wind ohne Heitmann

VonMartin Dowideit, Anis Micijevic

Axel Heitmann hört als Lanxess-Chef auf. Offenbar herrscht zwischen ihm und dem Aufsichtsrat Uneinigkeit über die strategische Ausrichtung des Konzerns. Sein Nachfolger dürfte den aktuellen Sparkurs noch verschärfen.

Der Vorstandsvorsitzende von Lanxess, Axel Heitmann, verlässt den Konzern. Imago

Der Vorstandsvorsitzende von Lanxess, Axel Heitmann, verlässt den Konzern.

Düsseldorf/KölnFührungswechsel beim Spezialchemiekonzern Lanxess: Der Aufsichtsrat habe die einvernehmliche Beendigung der Tätigkeit von Axel Heitmann als Vorsitzender des Vorstands zum Ablauf des 28. Februar 2014 beschlossen, teilte das Dax-Unternehmen am Sonntagabend mit.

Aus dem Umfeld von Lanxess hieß es, dass Heitmann selbst um die Auflösung des Vertrags gebeten habe. Heitmann habe hinsichtlich der strategischen Ausrichtung des Unternehmens andere Vorstellungen als der Aufsichtsrat gehabt.

Der Nachfolger steht schon fest: Matthias Zachert, derzeitiger Merck-Finanzvorstand, soll das Amt spätestens zum 15. Mai 2014 übernehmen. Zachert kennt Lanxess gut. Der gebürtige Bonner war bereits 2004 bis 2011 Finanzvorstand bei dem Unternehmen, bevor er zum Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck wechselte.

Der Wechsel löste am Montagmorgen heftige Reaktionen an der Börse aus. Die Merck-Aktie kollabierte, Lanxess legte deutlich zu. Ein möglicher Grund: Bei Merck hatte Zachert zuletzt auch als einer der möglichen Nachfolger von Konzernchef Karl-Ludwig Kley gegolten. Zachert hat sich als Finanzfachmann am Kapitalmarkt einen Namen gemacht, dort erwarb sich der Diplom-Kaufmann als eloquenter Kommunikator bei Investoren einen guten Ruf. Bis zu seinem Antritt bei Lanxess soll zwischenzeitlich Finanzvorstand Bernhard Düttmann die Aufgaben des Vorstandschefs mit übernehmen.

„Lanxess steht vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Marktkapazitäten und Geschäftsportfolio“, begründete Aufsichtsratschef Rolf Stomberg den Chefwechsel. Daher sei der Zeitpunkt für eine neue Führung gekommen.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Die Tatsache, dass Heitmanns Nachfolge nicht lückenlos geklärt wurde, zeigt jedenfalls: Die Abberufung war nicht von langer Hand geplant und zeugt von der Nervosität des Aufsichtsrats inmitten eines harten Sanierungskurses, in dem Lanxess steckt. Ein Finanzkenner folgt Heitmann – ein Indiz, dass der Sparkurs eher schärfer als lockerer werden dürfte. Erst im vergangenen Jahr hatte der Konzern die Streichung von rund 1000 Stellen beschlossen.

Bis zuletzt hatte Heitmann auf eine unternehmerische Lösung und Innovationen gesetzt – neben dem Sparkurs. „Ich bin sicher, dass wir grundsätzlich strategisch auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen der Krise Innovationen entgegensetzen, das ist genau die passende Antwort“, hatte Heitmann seine Strategie in einem Handelsblatt-Online-Interview im November 2013 noch verteidigt. Doch möglicherweise wünscht sich der Aufsichtsrat nach knapp zehn Jahren mit Heitmann an der Spitze und dem Gewinneinbruch 2013 nun schnelle Taten und frischen Wind.

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