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20.12.2012

16:54 Uhr

Fusionsangebot

ICE und Nyse schmieden Börsenriesen

Intercontinental-Exchange (ICE) ist kurz davor, zusammen mit der New York Stock Exchange (Nyse) zum größten Aktienmarkt der Welt zu werden. Die Nyse-Aktie geht nach Ankündigung der Mega-Fusion durch die Decke.

ICE hat ein Angebot für die traditionsreiche Nyse unterbreitet. Reuters

ICE hat ein Angebot für die traditionsreiche Nyse unterbreitet.

New YorkDie Hochzeit mit der Deutschen Börse fiel aus, jetzt tut sich die New Yorker Nyse Euronext mit der einheimischen Derivatebörse IntercontinentalExchange (ICE) zusammen. ICE machte eine 8,2 Milliarden Dollar schwere Offerte für das Traditionshaus an der Wall Street am Donnersteg publik und bestätigte damit Informationen aus Kreisen.

Mit der Übernahme entstünde der drittgrößte Börsenbetreiber der Welt mit einer Marktkapitalisierung von rund 15 Milliarden Dollar. Nach Einschätzung von Branchenkennern stehen die Zeichen günstig, dass die Wettbewerbshüter grünes Licht geben. ICE-Chef Jeffrey Sprecher sagte, das Vorhaben sei bei Kartellbehörden "gut aufgenommen worden". Gleich mehrere Konsolidierungsanläufe der Branche in den vergangenen Jahren waren wegen strenger Auflagen spektakulär gescheitert.

"Unsere Transaktion ist die Antwort darauf, wie sich die Branche entwickelt und bietet sehr viele Wachstumsmöglichkeiten", erklärte der ICE-Chef. "Wir sind überzeugt, dass sich das fusionierte Unternehmen im Wettbewerb besser behaupten und den Kunden mit einem breiten Angebot besser dienen kann."

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Während die Nyse den Großteil ihres Geschäfts im US-Aktienhandel macht, wo die Margen zunehmend unter Druck geraten, ist die erst im Jahr 2000 von Banken und Energiefirmen gegründete ICE auf den Handel von Optionen und Futures spezialisiert und seit längerem auf Wachstumskurs. Mit der Übernahme der Nyse schließt die ICE zur Konkurrentin CME auf, der Nummer zwei in der Welt nach der Hongkonger Börse.

Dabei spielt die Londoner Nyse-Tochter Liffe eine große Rolle: Denn zusammen mit der Deutsche-Börse-Sparte Eurex kontrolliert sie rund 90 Prozent des Derivate-Geschäfts an europäischen Börsen. "ICE will vor allem Liffe, das Kronjuwel der Nyse Euronext", sagte Peter Lenardos, Analyst bei RBC Capital Markets.

ICE stemmt die Übernahme in bar und Aktien. Nach der Transaktion sollen die Aktionäre der Nyse Euronext rund 36 Prozent an der ICE halten. Die Traditionsmarke Nyse soll erhalten werden, ebenso die beiden Standorte in Atlanta und New York. Allerdings wird über die Abspaltung der Euronext in Form eines Börsengang nachgedacht, wie die ICE erklärte. ICE-Chef Sprecher wird auch das fusionierte Unternehmen führen, an seiner Seite steht Nyse-Chef Duncan Niederauer als Präsident.

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