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06.03.2013

16:57 Uhr

Gallup-Studie

Fehlende Motivation kostet Firmen Milliarden

Wenn Angestellte keinen Spaß mehr an der Arbeit haben, liegt das meist an den direkten Vorgesetzten. Das zumindest zeigt eine neue Studie. Vor allem Ältere fühlen sich vom Chef vernachlässigt. Das kostet Milliarden.

Alles in allem gingen den deutschen Unternehmen bis zu 138 Milliarden Euro durch fehlendes Engagement verloren, ergaben Modellrechnungen von Gallup. dpa

Alles in allem gingen den deutschen Unternehmen bis zu 138 Milliarden Euro durch fehlendes Engagement verloren, ergaben Modellrechnungen von Gallup.

BerlinWer als Unternehmer seine Leute schlecht behandelt, der vergiftet nicht nur das Betriebsklima, sondern schadet sich selbst. Denn am Ende sinkt die Produktivität der Firma. Das ist das Fazit einer Studie des US-Beratungsunternehmens Gallup zur emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihren Brötchengeber.

Seit 2001 erstellt Gallup für Deutschland jährlich einen „Engagement Index“, am Mittwoch wurden die Ergebnisse für 2012 veröffentlicht. Der Anteil der hochmotivierten Angestellten ist in dem Zeitraum bei 15 Prozent nahezu unverändert geblieben ist. Um acht Punkte auf 61 Prozent geschrumpft ist die Gruppe der Menschen, die Dienst nach Vorschrift machen, weil sie nur eine geringe emotionale Bindung haben. Etwa im gleichen Umfang, plus neun Punkte auf 24 Prozent, ist seit 2001 die Gruppe derjenigen gewachsen, die innerlich bereits gekündigt hat. Das wären immerhin 8,4 Millionen Menschen.

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

„Das sind die Leute, die sich schon am Sonntag nach dem "Tatort" fragen: Wann ist denn wieder Wochenende?“, sagt Gallup-Projektmanager Marco Nink. Sie seien eine echte Bedrohung für jedes Unternehmen. Denn sie brächten nicht nur eine unterdurchschnittliche Arbeitsleistung, sondern steckten oftmals ihre Kollegen mit ihrer Unlust an.

Die Studie zeigt einen Zusammenhang von guter oder schlechter Motivation mit Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Von Mitarbeitern, die innerlich Abschied von ihrer Firma genommen haben, kommen auch messbar weniger Ideen. Sie fühlen sich oft nicht anerkannt, nicht als Partner ihres Chefs, sondern als Untergebene. Besonders missachtet sehen sich die Älteren. In der Altersgruppe 48 bis 66 Jahre haben 29 Prozent keine gefühlsmäßige Bindung mehr an ihren Betrieb.

So treiben Sie Ihren Chef auf die Palme

Negativ-Argumente bei Gehaltsverhandlungen

Wer statt seines Gehalts den Blutdruck seines Chefs in die Höhe treiben will, der sollte folgende Negativargumente beherzigen. Alle anderen sollten lieber einen großen Bogen um solche und ähnliche Sätze bei der Gehaltsverhandlung machen.

„Die Raten für mein Häuschen drücken. Jetzt brauch ich mehr Geld!“

Ihr Chef ist kein Schuldenberater, also verschonen Sie ihn besser mit derart privaten Problemen. Außerdem bestätigt ein solches Eingeständnis, dass Sie nicht mit Geld umgehen können. Sie sind ein Risikofaktor für die Firma, die Gehaltserhöhung können Sie vergessen.

„Ich habe erfahren, was der Kollege Walter verdient. Jetzt will ich dasselbe!“

Sie wissen doch genau, dass Ihr Chef es nicht mag, wenn sich seine Angestellten hinter seinem Rücken gegenseitig zuflüstern, was sie verdienen. Er bezahlt nur nach Leistung, das ist sein Gerechtigkeitsbegriff.

„Ich habe zehnjähriges Dienstjubiläum. Höchste Zeit für eine Erhöhung!“

Die Forderung nach einem Sitzfleisch-Bonus wird bei Ihrem Chef auf taube Ohren stoßen.

„Sie haben die Wahl: Mehr Gehalt - oder ich bin weg!“

Mit dieser Art von Erpressung kommen Sie bei Ihrem Chef nicht weiter. Sogar wenn Sie ein guter Mitarbeiter sind und er Sie braucht, wird er nicht auf dieses Angebot eingehen, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Er würde nie eingestehen, dass er von jemandem abhängig ist.

„Wo wir gerade in der Sauna sind: Eine dienstliche Frage...“

Ihr Chef wird die Vermischung von Privatem und Beruflichem nicht goutieren. Vielmehr wird er sich fragen, ob Sie sich nur bei ihm eingeschleimt haben, um Kapital daraus zu schlagen.

„Die Kollegen übertreffe ich bei weitem. Das sollte auch für mein Gehalt gelten!“

Ihr Chef wird sich fragen, warum Sie Ihre Kollegen schlecht machen. Er wird Sie auch für einen Sprücheklopfer und Spalter halten, dafür hat keiner eine Gehaltserhöhung bekommen.

„Entweder mehr Geld. Oder ich mache Dienst nach Vorschrift!“

Das klingt für Ihren Chef, als hätten Sie sich innerlich schon von Ihrem Arbeitsplatz verabschiedet. Dafür gibt es nicht mehr Geld, sondern höchstens eine Abmahnung.

„Ich könnte am Markt das Doppelte bekommen - oder sagen wir: ein Drittel mehr!“

Ihr Chef wird Ihnen Realitätsverlust attestieren und Ihnen unter keinen Umständen noch mehr Geld geben, sonst könnten Sie noch vollends abheben. Er wird sich fragen, ob Sie auch in Ihrem Büro-Alltag so leichtfertig mit Fakten umgehen. Sie hätten mit so einem Spruch sein Vertrauen verloren.

Allein die Fehltage, die auf Unlust zurückzuführen seien, kosteten die Betriebe 18 Milliarden Euro. Alles in allem gingen den deutschen Unternehmen bis zu 138 Milliarden Euro durch fehlendes Engagement verloren, ergaben Modellrechnungen von Gallup.

Der Werber-Rat: Die beste Motivation ist Identifikation

Der Werber-Rat

Die beste Motivation ist Identifikation

Mitarbeiter-Motivation lässt sich nicht mit Geld, Komfort oder Status erkaufen.

Es gehe nicht um „eine Schelte in Richtung Arbeitnehmer“, versichert Nink. Die Hauptursache für innerlicher Kündigungen sei vielmehr eine schlechte Personalführung. Viele Vorgesetzte hätten kein Talent für diese Aufgabe und seien auch nicht entsprechend ausgebildet. „Die Führungskräfte kriegen selten einen Spiegel vorgehalten“. Zum Beispiel dächten viele, sie verteilten ausreichend Lob. Ihre Teams sähen das aber ganz anders.

Tipps und Tricks zu Soft Skills

Authentizität

Ratgeber gibt es wie Sand am Meer - lassen Sie sich davon nicht verrückt machen. Die kennen die Personalchefs genauso. Vertrauen Sie stattdessen auf sich selbst und auf das, was in anderen Berufen auch schon geklappt hat.

Recherche

Überlegen Sie sich im Vorfeld gut, was tatsächlich in einer Position gefordert wird. Vielleicht entscheiden Sie sich dann selbst schon gegen eine bestimmte Stelle.

Ehrlichkeit

Überlegen Sie deshalb genau: Bringe ich die Kompetenzen wirklich mit? Rede ich zum Beispiel tatsächlich gerne mit Kunden? Oder reizt mich nur der Name eines bestimmten Unternehmens?

Ruhe

Bleiben Sie trotz Stress und Anspannung im Bewerbungsmarathon ruhig und verkrampfen Sie sich nicht. Zeigen Sie, wie Sie wirklich sind. Dann wissen beide Seiten, worauf sie sich einlassen.

Nachfragen

Nicht nur Bewerber stehen in der Bringschuld, sondern auch die Unternehmen. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch genau, welche Kompetenzen bei einer Stelle gefragt sind und welche Werte im Unternehmen sonst noch wichtig sind.

Stellenausschreibungen

Nicht immer steht in Stellenausschreibungen, was wirklich gefordert ist. Viele Unternehmen verwenden einige Begriffe immer wieder, weil sie einfach gut klingen. Auch da sollten sich Bewerber gut informieren, um für sich selbst die passende Stelle zu finden.

Eindruck

Bewerber müssen natürlich nicht jede Schwäche gestehen. Sie dürfen sich also selbst ruhig in ein gutes Licht rücken – und für vermeintliche Brüche oder Schwachstellen plausible Erklärungen finden.

Deshalb sei es dringend nötig, mehr Augenmerk auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu legen, sagt Nink. Ihm dürften die Erkenntnisse der Studie nicht ganz unrecht sein. Denn mit der Analyse von Arbeitsabläufen, Beratung und Begleitung anderer Unternehmen verdient Gallup sein Geld.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Michael

06.03.2013, 17:13 Uhr

Der absolute Fokus auf Profit ist was am meisten Profit kostet.

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