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21.03.2006

08:33 Uhr

Gas-Natural-Chef Rafael Villaseca

Katalanische Marionette

VonStefanie Müller

Gas-Natural-Chef Rafael Villaseca ist in einer ungemütlichen Lage: Einerseits muss er bei der Übernahme von Endesa abwarten, was die Behörden sagen – andererseits muss er um seinen Ruf kämpfen.

Rafael Villaseca. Foto: Gas Natural

Rafael Villaseca. Foto: Gas Natural

MADRID. Das traf Rafael Villaseca mitten ins Herz. „Die spanische Regierung sollte die Finger davonlassen, Übernahmen zu initiieren“, forderte der Chef des spanischen Unternehmerverbandes CEOE, José María Cuevas, vor wenigen Tagen – und degradierte damit Villaseca indirekt zur Marionette der Politiker. Denn Cuevas zielte auf die Verbindungen des in Barcelona ansässigen Versorgers Gas Natural, an dessen Spitze Villaseca steht, mit der katalanischen Regionalregierung ab: „Die Fusion mit Endesa macht wirtschaftlich doch gar keinen Sinn“, legte Cuevas nach.

Es sind schwere Tage für den Gas-Natural-Lenker. Im September hatte er ein feindliches Übernahmeangebot für Endesa abgegeben, den größten Versorger Spaniens. 22,1 Milliarden Euro ist er bereit zu zahlen. Nun kann er nur noch warten, denn ihm ist Wulf Bernotat in die Parade gefahren: Der Eon-Chef bietet 29 Milliarden. Und jetzt müssen die spanischen und europäischen Behörden zunächst über das höhere Gebot entscheiden, das von Eon.

Manch einer in Spanien wird dies Villaseca gönnen. Sein Angriff auf Endesa hatte außerhalb der autonomen spanischen Region Katalonien für großen Wirbel gesorgt. Ihm wird vorgeworfen, im Auftrag der katalanischen Regierung die besten Unternehmen des Landes nach Barcelona abziehen zu wollen.

Folgerichtig ist der Katalane, der fast während seiner ganzen beruflichen Karriere als rechte Hand der Regionalregierung fungierte, in seiner Heimat ein Held. Deswegen drohten katalanische Unternehmer nach Cuevas Äußerungen mit dem Austritt aus dem Verband, wenn er das Gesagte nicht zurücknehme. Und der erzürnte Villaseca ließ die Öffentlichkeit per Pressemitteilung wissen, dass es einem „Vertreter aller spanischen Unternehmer“ nicht zustehe, sich derart zu äußern. Cuevas entschuldigte sich, katalanische Sensibilitäten berührt zu haben – nahm aber nichts zurück.

Seitdem ist die Stimmung in Spaniens Wirtschaft gespannter denn je, und der Druck auf Villaseca steigt täglich. Der schnell, aber bedacht redende Industrieingenieur plante die feindliche Übernahme, wie es seine Art ist, mit Liebe zum Detail. Der drittgrößte Versorger der Welt sollte entstehen – mit Firmensitz Barcelona. Nur einen hatte er nicht auf der Rechnung: Wulf Bernotat.

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