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28.01.2013

12:44 Uhr

Gas-Pipeline

Bayerngas erteilt Nabucco Absage

Bayerngas will die Gespräche mit dem Nabucco-Konsortium nicht mehr fortführen. Der Versorger will sich stattdessen auf Pipelines in Deutschland fokussieren. Auswirkungen auf das Projekt soll die Entscheidung nicht haben.

Bayerngas hat sich von der Gaspipeline Nabucco verabschiedet. Pressebild

Bayerngas hat sich von der Gaspipeline Nabucco verabschiedet.

Düsseldorf/WienNach dem Energiekonzern RWE hat auch der süddeutsche Versorger Bayerngas sein Interesse an der länderübergreifenden Gaspipeline Nabucco verloren. Der Konzern führe die Gespräche mit dem Nabucco-Konsortium nicht fort, teilte Bayerngas am Montag mit. Das Unternehmen hatte seit Oktober 2011 über einen Einstieg in die Röhre verhandelt, mit der Gas aus der Region am Kaspischen Meer nach Europa transportiert werden soll.

RWE hatte kürzlich mitgeteilt, seine Beteiligung an dem österreichischen Konzern OMV abzustoßen, da trotz jahrelanger Planungen die Gaslieferanten bislang nur begrenzte Mengen für die Pipeline in Aussicht gestellt hätten. Der unter der Atomwende leidende Konzern will sich zudem die Kosten für den Bau der Pipeline sparen.

Bayerngas erklärte, seine Strategie neu auszurichten. Pipeline-Investitionen wolle die 1962 gegründete Gesellschaft künftig vor allem im deutschen Markt vorantreiben. An der Spitze des Konzerns, der im Besitz der Stadtwerke München und weiterer süddeutscher Kommunalversorger ist, hatte es Ende vergangenen Jahres einen Führungswechsel gegeben.

Das Nabucco-Konsortium gab sich von der Ankündigung unbeeindruckt. Die Entscheidung des neuen Bayerngas-Managements habe interne Gründe gehabt und keine Auswirkungen auf das Projekt, dessen Entwicklung sich in einer abschließenden Phase befinde. Die Hälfte der Pipeline-Kapazitäten könnten von Dritten gebucht werden, die keine Anteile an der Röhre haben müssten. Bislang sind neben RWE und OMV die ungarische MOL, die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz beteiligt. Einsteigen mit insgesamt 50 Prozent wollen Gasfirmen wie die aserbaidschanische Socar und BP, Statoil, Total und Eni.

Seit dem Beginn der Überlegungen zum Bau der Nabucco-Röhre vor einigen Jahren hat sich der Gasmarkt gravierend gewandelt. Insbesondere wegen der neuen Fördertechniken in den USA, bei denen durch das sogenannte Fracking mit Wasser und Chemiekalinen Gas aus Gesteinsschichten gepresst wird, gibt es Gas im Überfluss. Es wird erwartet, dass die USA in wenigen Jahren Russland als größten Erdgasproduzenten überholen.

Von den ursprünglichen Nabucco-Plänen ist ohnehin nur eine verkürzte Version übrig geblieben. Nabucco-West soll vom Balkan bis nach Österreich verlaufen. Unklar ist, ob selbst diese Röhre gebaut wird. Die Gasfirmen aus Aserbaidschan könnten ihre Reserven auch dem Konkurrenzprojekt TAP zusagen, an der der Energiekonzern E.ON beteiligt ist. Eine Entscheidung könnte im ersten Halbjahr dieses Jahres fallen.

Von

rtr

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