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09.04.2015

19:32 Uhr

Gastkommentar

Amerika, Du hast es besser

VonTasso Enzweiler

Während der Dax die US-Börsen abhängt, sieht es in der Wirtschaft ungleich besser für Amerika aus. Denn bei den Gewinnmargen führen die dortigen Konzerne die deutsche Konkurrenz regelrecht vor. Ein Gastbeitrag.

Während der Dax die US-Börsen abhängt, ist es in der Wirtschaft genau umgekehrt. ap

Vorbild USA

Während der Dax die US-Börsen abhängt, ist es in der Wirtschaft genau umgekehrt.

Der Deutsche Aktienindex, Dax, jagt von einem Rekord zum anderen. Seit Jahresbeginn hat er mit seiner Performance die Börsenindizes aller westlichen Industrieländer hinter sich gelassen – die amerikanischen Leitindizes Dow Jones und S&P 500 hängen abgeschlagen zurück.

Alles bestens? Ist der Dax-Gipfelsturm ein Zeichen für die bärenstarke deutsche Wirtschaft, die es wieder allen Skeptikern gezeigt hat? Germany 2.0 Reloaded? Das wäre schön. Doch die Realität sieht deutlich trister aus. Denn auch der Höhenflug des Dax kann es nicht verdecken: Seit Jahren verdienen die allermeisten börsennotierten deutschen Unternehmen viel zu wenig, um beim Wettlauf um das Kapital internationaler Anleger gegen die Konkurrenz aus den USA bestehen zu können.

Diese Feststellung mag angesichts des aktuellen Börsenbooms in Deutschland verwundern. Gleichwohl: Die aktuelle Hausse ist vor allem durch die niedrigen Zinsen, den Abwertungswettlauf verschiedener Volkswirtschaften, das Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank, die sich abzeichnende Verschiebung der US-Zinswende, den niedrigen Euro im Verhältnis zum US-Dollar sowie den gesunkenen Ölpreis entstanden. Das Gewinnwachstum deutscher Unternehmen ist insgesamt, von Ausnahmen abgesehen, wesentlich schlechter als das der US-Firmen.

Tasso Enzweiler, einst Chefreporter der FTD. PR

Tasso Enzweiler, einst Chefreporter der FTD.

Aktuelle Daten verdeutlichen das. Zum Beispiel die Sportartikelhersteller Nike und Adidas. Nike erzielt, basierend auf dem jüngsten Neunmonatszahlen, eine Nachsteuermarge von 10,6 Prozent, während Adidas im abgelaufenen Geschäftsjahr 3,4 Prozent erreicht. Die Free-Cash-Flow-Marge von Nike übertrifft den Wert der Herzogenauracher - 1,2 Prozent - mit 10,7 Prozent fast um das Neunfache. Und der Return on Capital Employed (ROCE), eine zentrale Kenngröße der Börsianer, ist bei den Amerikanern um mehr als das Fünffache höher: 37,1 versus 6,7 Prozent.

Dieser Performance-Unterschied ist kein Zufall, die Wachstums- und Gewinnschwäche von Adidas gegenüber Nike besteht seit vielen Jahren. Zweifellos gibt es hausgemachte Probleme geben, wie der überteuerte Erwerb von Reebok, der seit Jahren die Gewinnmarge belastet, und die Absatzprobleme bei der Golf-Marke zeigen. Nike hat jedoch in den jüngsten 9-Monatszahlen zunehmend über Währungseinbußen wegen des starken US-Dollar berichtet - trotzdem steigt der Gewinn der Amerikaner deutlich.

Die Gewinnlücke ist zum Teil auch strukturell bedingt: Nike zahlt prozentual weniger Steuern als Adidas, Nike ist führend auf dem großen US-Markt, der nachhaltig stärker wächst als Europa, der Heimatmarkt von adidas. Die US-Bürger sind mit dem hohen Beschäftigungszuwachs in den USA und der stetig wachsenden Bevölkerung konsumfreudiger, während Arbeitslosigkeit, demographische Entwicklung und höhere Steuerquoten in Europa die heimischen Konsumenten stärker belasten.

Kommentare (14)

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Herr San Yukon

09.04.2015, 21:01 Uhr

Sie bruachen nur die höheren Steuern und Arbeitskosten dazu rechnen und die meisten deutschen Unternehmen kommen auf eine besseres Ergebnis als die
US-Unternehmen. Das weiß auch Hr. Enzweiler, aber er schreibt es nicht.

Herr Alfred Spiegler

10.04.2015, 08:59 Uhr

Da wurden mal wieder allerlei Plattitüden gesammelt und das anhand ein paar (streitbarer) Einzelfällen belegt. Der Autor wirft der deutschen Industrie allen Ernstes vor, dass sie in den vergangenen Jahren massiv (und mit großem Erfolg) im Ausland investiert hat statt im eigenen (arbeitskräftearmen Hochlohn-Land) neue Fabriken hochzuziehen. Ganz locker lässt er noch dazu unter den Tisch fallen, dass sehr viele weltweit erfolgreiche deutsche Unternehmen keine AGs sind. Wie man z.B. in einschlägigen Studien (Top-100-Zulieferer weltweit 2013) nachlesen kann, betrug die durchschnittliche Gewinnmarge deutscher Automobilzulieferer 8,1 Prozent, US-amerikanischer dagegen nur 7,7 Prozent. Das vom Autor hochgelobte "Ausnahme-Unternehmen" Conti erzielt die meisten Gewinne und den größten Umsatz mit Reifen und nicht mit "ganzen Moduln". usw.usw.

Herr Paul Rimmele

10.04.2015, 09:13 Uhr

Deutschland lebt von der Substanz? Zum Teil richtig, viel schwerwiegender ist aber dass
Deutschland überreguliert ist und wenig innovativ.
US-Amerika hat keine Substanz mehr, die Boys und Girls sind total überschuldet und
leben ohne Absicherung vom Hand in den Mund.
Deutschland sollte etwas von Nahles und dem feisten Gabriel lösen und vor allem von
der Euromanie.

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