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25.08.2011

20:25 Uhr

Gastkommentar

Hierarchie: Saurons Zeiten sind vorbei

In der Unternehmensorganisation von heute haben Machtmuster von gestern kaum noch eine Daseinsberechtigung. Warum organisatorische Intelligenz für Führungskräfte immer wichtiger wird.

Uta von Boyen, Leadone for Excellence von boyen ñ consulting

Uta von Boyen, Leadone for Excellence

Macht im Unternehmen des 20. Jahrhunderts funktionierte ein wenig wie im „Herrn der Ringe“: Wer den Ring in Händen hielt, wer also an der Spitze der steilen Hierarchie stand, konnte relativ automatisch über die anderen verfügen. Maier war Abteilungsleiter? Dann lagen die Dinge recht einfach: Maier bekam den schöneren Schreibtisch, den teureren Dienstwagen, das Büro mit der besseren Aussicht. Wer Maier unterstellt war, der berichtete auch an ihn, und was in Maiers Abteilung geschah, dafür musste letztlich er den Kopf hinhalten. Für Maiers Mitarbeiter war er gewissermaßen der Overlord Sauron, nur in aller Regel deutlich netter, vernünftiger und besser gekleidet.

In der Mehrlinienorganisation der Gegenwart und der Netzwerkorganisation der Zukunft ist Macht weitaus undurchsichtiger angeordnet. Hierarchische Automatismen werden zunehmend aufgebrochen. Dezentrale und hochkomplexe Strukturen sorgen für Verwirrung in der Frage, wer nun wann genau für wen und was verantwortlich ist. Undefinierte Zuständigkeiten und unübersichtliche Organisationsformen werfen Machtvakuen auf, die daraufhin informell in Besitz genommen werden. Von wem? Im Normalfall von denjenigen, die diese alternative Art der Machtgestaltung am besten beherrschen.

Saurons übersichtlich strukturierte Ära geht dem Ende zu. Postmoderne, global vernetzte Unternehmen verlangen Führungskräften eine neue, andere Art von organisationaler Intelligenz ab. Dabei spielen vier Elemente eine große Rolle: Wissensmanagement, Vernetzung, kluge Kommunikation und der intelligente Umgang mit informeller und formeller Macht. Wer im Informationszeitalter Einfluss ausüben möchte, muss relevantes Wissen von irrelevantem trennen können, er muss Wissensträger kennen und auf sie zugreifen können, und er muss seinen Einfluss über Kommunikation begründen und ausbauen können. Die postmoderne Führungskraft sollte sich weniger an Sauron orientieren und mehr an den eigenen Kindern, die als „Digital Natives“ das Netzwerken und das souveräne Filtern von Informations-Tsunamis mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Doch die Schwächung institutioneller Autoritäten hat noch eine andere interessante Auswirkung. Wo Machtvakuen gefüllt werden müssen, rückt „Macht“ im ursprünglichen Wortsinn wieder stärker in den Mittelpunkt: Wer „machen“ kann und das auch eigenverantwortlich tut, wer über hohe Fach- und hohe Handlungskompetenz verfügt, hat in den Organisationen von heute wieder bessere Chancen, sich durchzusetzen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass eine Führungskraft die Eigeninitiative ergreift, „Lücken“ in der Machtstruktur zu füllen.

Organisationale Intelligenz heißt heute, komplexe Strukturen im Unternehmen zumindest annähernd zu durchschauen, entstehende Freiräume zu nutzen und eine informelle Binnenordnung in der Komplexität zu schaffen. Der Lohn für die Mühe ist vielleicht nicht mehr unbedingt „der Ring, sie zu knechten“. Dafür wartet die reelle Chance, gestalterisch Einfluss nehmen zu können. Und wenn die Leistung stimmt, mag das Büro mit der wunderbaren Aussicht sogar schneller winken als früher.

Die Autorin ist Uta von Boyen von der Führungskräfteentwicklung Leadone for Excellence

Kommentare (2)

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Ike

25.08.2011, 23:32 Uhr

Lange nicht so nen Schwachsinn gelesen...
Hallo, liebes Handelsblatt !?

EmotionaleIntelligenz

26.08.2011, 18:41 Uhr

Beim Bullshit Bingo wäre der Artikel ein echter Knaller!

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