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16.09.2011

13:03 Uhr

Gaudi und Geschäft

Wie die Wiesn die Wirtschaft lockt

VonSven Prange , Florian Zerfaß

Sechseinhalb Millionen Besucher, hunderte Millionen Euro Umsatz und jede Menge Spaß: Das Oktoberfest ist genauso Gaudi wie Geschäft. Auch die Wirtschaft ist im Wiesn-Fieber - eine ökonomische Bier-und-Brez’n-Beschau.

Na dann Prost: Auch Firmen feiern gern auf der Wiesn. dpa

Na dann Prost: Auch Firmen feiern gern auf der Wiesn.

München/DüsseldorfWohl nirgends lässt sich so gut die Treffsicherheit bei Geschäftsabschlüssen  trainieren und obendrein eine Menge Spaß haben wie auf der Wiesn. Findet zumindest BMW. Partnerfirmen und Kunden lädt der Autohersteller auf dem Münchner Oktoberfest in diesem Jahr zu einem Armbrustschießen ein. Auch Tischplätze hat die Firma wieder reserviert – natürlich im Zelt der Armbrustschützen.

„O’zapft is!“, heißt es am Samstag wieder, und für Unternehmer und Wirtschaftslenker in der ganzen Republik bedeutet das: auf nach München. Die Wiesn ist nämlich nicht nur Volksfest mit sechseinhalb Millionen Besuchern und einer Mischung aus Tradition und Trinkerei für Feierfreudige. Hier zwängen sich auch zwei Wochen lang Dax-Vorstände in Trachtenkostüme. Unzählige Unternehmen und Unternehmer nutzen die Wiesn zum Geschäfts-Flirt.

Entwicklung der Bierpreise auf der „Wiesn“

1970

Vor gut 40 Jahren war die Maß noch, nach heutigen Maß-stäben, spottbillig: 2,65 DM kostete der Humpen damals. Das wären gerade einmal 1,35 Euro.

1980

Vor 30 Jahren sah das Ganze schon etwas anders aus: Zwischen 4,80 und 4,90 DM kostete das Oktoberfest-Bier damals. 2,45 bis 2,50 Euro würde das heute machen.

1990

Die Preissteigerungen verliefen lange Zeit regelmäßig: grob zwei DM alle zehn Jahre - Tendenz steigend. 1990 waren 6,95 DM bis 7,55 DM pro Maß, also zwischen 3,55 Euro bis 3,86 Euro.

1995

Fast außer der Reihe ging es Mitte der 90er recht sprunghaft nach oben. 1995 kostete das Oktoberfest-Bier zwischen 9,50 DM und 10,40 DM - schon 5,32 Euro in der Spitze.

2000

Zum Jahrtausendwechsel ging es noch einmal knapp zwei DM aufwärts, wenn auch in nur noch fünf Jahren. 11,20 DM bis 12,60 DM waren damals fällig, zwei Jahre vor Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung also bis zu 6,44 Euro.

2005

Fünf Jahre später waren es zwischen 6,80 Euro und 7,25 Euro. In der Spitze wurde in diesem Zeitraum die Preise um nicht einmal einen Euro erhöht, kosteten ab diesem Zeitpunkt mehr, als 1990 noch in DM.

2008

Jahr für Jahr wird das Hopfenkaltgetränk teurer, 2008 waren es bereits zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro.

2009

30 bis 50 Cent mehr gab es auch im Folgejahr, von 8,10 Euro bis 8,60 Euro waren 2009 als Preis ausgerufen.

2010

Im vergangenen Jahr bewegte sich die Preisspanne zwischen 8,30 Euro und 8,90 Euro.

2011

2011 steigen die Preise für die Maß auf 8,70 Euro bis 9,20 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 3,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Und ungefähr dem Siebenfachen, was vor 40 Jahren fällig gewesen wäre. Tendenz weiter steigend...

2012

2012 haben die Bierpreise natürlich wieder angezogen. Zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro kostet das Kaltgetränk in diesem Jahr.

2013

Jahr für Jahr näherten sich die Preise immer mehr der 10 Euro Grenze. 2013 liegt der Preis schon zwischen 9,40 Euro und 9,85 Euro.

2014

2014 war es dann das erste Mal so weit: Der Preis stieg auf über 10 Euro. So zahlt man je nach Standort zwischen 9,70 Euro und 10,10 Euro.

2015

Während man 2005 bei 6 Euro pro Maß die Nase gerümpft hätte, würde man sich mittlerweile drüber freuen. Schließlich kostet sie mittlerweile zwischen 10 Euro und 10,30 Euro.

2016

Die Bierpreise bleiben ihrer Linie treu und haben auch dieses Jahr ein Rekordhoch. So zahlt man zwischen 10,40 Euro und 10,70 Euro. Wie wohl die Prognose für die Zukunft aussieht?

Selten kommen sich Manager, Kunden und Kollegen so nahe wie bei einem der größten Volksfeste der Welt, um zwischen Tradition und Party, Freizeit und Geschäft ins Gespräch zu kommen. Bei Bier und Hendl, gerne aber auch bei Champagner und Lamm. „In den angesagten Zelten bekommt man kaum einen Platz“, sagt ein alteingesessener Münchener. „Das ist alles Monate im Voraus von den Unternehmen blockiert.“

Ob Munich-Re, Siemens oder BMW – es gibt kaum ein Großunternehmen, das nicht einen der Tische für einen bayerischen Abend reserviert hat. Etwa die Hälfte seiner Wiesn-Gäste kommen im Firmenauftrag, sagt der Münchner Feinkostkönig Michael Käfer, einer von 14 Wirten der großen Festzelte.

Auch im Zeitalter von Business-Netzwerken im Internet und strengen Compliance-Hütern ist eine Managerweisheit nämlich nicht tot zu kriegen: Bier entfaltet eine stärkere Wirkung als jede formale Vereinbarung. „Die Leute teilen Bier und Brez’n miteinander, verbrüdern sich im gemeinsamen Rausch“, meint die Psychologin Brigitte Veiz. „Das ist eine Art Kommunion am Biertisch.“

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