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08.11.2012

15:09 Uhr

Gehaltsstudie

Welche Führungskräfte am besten verdienen

VonLukas Bay

Millionenboni für Spitzenmanager werden scharf diskutiert. Doch auch auf der mittleren Führungsebene sind Bonuszahlungen weit verbreitet, zeigt die Vergütungsstudie der Unternehmensberatung Kienbaum.

Bonuszahlungen gehören im Spitzenmanagement zum guten Ton. picture-alliance

Bonuszahlungen gehören im Spitzenmanagement zum guten Ton.

Immer wieder kursieren Meldungen über Rekordvergütungen für Manager, dabei bewegt sich die durchschnittliche Bezahlung deutscher Führungskräfte durchaus im Rahmen. Einmal jährlich untersucht die Unternehmensberatung Kienbaum die Bezahlung der Spitzenkräfte und wie sie zustande kommt - mit teilweise überraschenden Ergebnissen.

Bereits zwischen den Branchen unterscheidet sich das Gehalt oft deutlich. Eine Führungskraft der Chemiebranche verdient mit 145.000 Euro satte 22 Prozent mehr als der branchenübergreifende Durchschnitt.  In gemeinnützigen Organisationen werden die Führungskräfte dagegen mit lediglich 88.000 Euro im Jahr eher schlecht entlohnt.

Obwohl insbesondere hohe Bonuszahlen zuletzt immer wieder in die Kritik geraten waren, sind variable Gehaltszahlungen unter Deutschlands Spitzenkräfte immer noch weit verbreitet. Rund 87 Prozent der Führungskräfte haben eine Bonusvereinbarung. Auf oberen Führungsebenen erhalten sogar 93 Prozent eine variable Vergütung. Im Durchschnitt betragen die Bonuszahlungen in diesem Segment 32.000 Euro; das entspricht 20 Prozent des Gesamtgehalts. Auf der mittlerer Führungsebene machen die Bonuszahlen immerhin noch 15 Prozent der Gesamtbezüge. Auf der unteren Führungseben fällt die variable Vergütung mit 8.000 Euro - oder zehn Prozent des Gesamtgehalt- relativ gering aus.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

„Boni haben sich in den vergangenen Jahren als Vergütungsinstrument für Führungskräfte in Deutschland flächendeckend durchgesetzt“, sagt Kienbaum-Vergütungsexperte Christian Näser. Für die Unternehmen brächten sie den Vorteil mit, dass sie ihre Personalaufwendungen so in gewissem Umfang an ihre Ertragssituation anpassen könnten. Die Führungskräfte könnten sich bei entsprechender Leistung und einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung über teils erhebliche Extrazahlungen freuen.

Ein weiteres Ergebnis der Unternehmensberater ist so logisch wie trivial: Das Gehalt steigt mit der Hierarchieebene. Eine Führungskraft des mittleren Managements kommt auf ein Durchschnittsgehalt von 101.000 Euro - 36 Prozent mehr als eine Führungskraft der operativen Ebene, die eine durchschnittliche Vergütung von 74.000 Euro im Jahr erhält. Im oberen Management sind die Gehaltsunterschiede noch deutlicher: Dort liegt das Durchschnittsgehalt mit 155.000 Euro Jahresgesamtbezügen sogar 109 Prozent über einer operativen Führungskraft.

Aber auch die Unternehmensgröße ist ein starker Einflussfaktor auf die Höhe der Managergehälter. Bei Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigen liegt das Gehalt der Führungskräfte mit 151.000 Euro jährlich im Schnitt 68 Prozent höher als bei kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern, die auf ein Jahresgehalt von 90.000 Euro kommen.

Auch Ausbildung der Unternehmensleiter beeinflusst ihre Entlohnung: Führungskräfte mit Promotion kommen auf ein Durchschnittgehalt von 201 000 Euro im Jahr.

Kommentare (1)

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Ramos

10.11.2012, 18:47 Uhr

Dass Frauen immer noch weniger verdienen, ist eine absolute Frechheit. Ich denke aber auch, dass man sehen kann, dass sich das Bewusstsein für die Ressource Frau in immer mehr größeren Unternehmen verändert. Sie wissen wie wichtig gute Führungskräfte sind, egal ob männlich oder weiblich. Das lassen sie sich auch etwas kosten. Ein gutes Beispiel ist das LuK-Werk in Ungarn, das zwei Frauen im Management hat, Mathe Agnes und Rita Kenyeres. Dass sich zwei Frauen in dem Top-Management befinden, wird oft darauf zurückgeführt, dass auch der Mutterkonzern Schaeffler von einer starken Frau geführt wird, Maria-Elisabeth Schaeffler. Sicher keine allzu falsche Einschätzung, aber gerade dadurch das auch bei Schaeffler die Fäden zieht, herrscht hier ein Bewusstsein dafür, dass gewisse smarte soft Skills besonders stark bei Frauen ausgeprägt sind.

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