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24.03.2012

11:29 Uhr

Geheimnisse des Gehalts

Verdienen Sie, was Sie verdienen?

VonDieter Fockenbrock

Die deutsche Wirtschaft leckt sich die Finger nach hochqualifiziertem Fachpersonal. Immer mehr Akademiker können es sich leisten, wählerisch zu sein. Finanziell erfolgreich ist aber nur der, der anpassungsfähig bleibt.

Immer mehr Fachkräfte haben die Chance auf hohen Verdienst. dpa

Immer mehr Fachkräfte haben die Chance auf hohen Verdienst.

DüsseldorfDie Berater von McKinsey gelten nicht eben als zartbesaitet. Statt Nachwuchskräfte mit schönen Worten zu umwerben, riefen die amerikanischen Consultants den „War for Talents“ aus. Das ist Jahre her.

Heute geben sich die Strategen vom Dienst geschmeidiger. Jedem McKinsey-Berater stehen inzwischen pro Jahr drei Monate bezahlte Auszeit zu. Der „Firma“, wie sich McKinsey intern selbst gern nennt, ist es dabei egal, ob ihre Beraterinnen und Berater sich dann weiterbilden oder sich einfach der Familie widmen.

Das Beispiel zeigt: McKinsey führt den Krieg um die Talente nun mit anderen Mitteln, die Persönlichkeit des Einzelnen steht jetzt im Vordergrund. Aus gutem Grund. Denn auch für Top-Adressen wie McKinsey wird es immer schwieriger, Spitzen-Nachwuchskräfte zu gewinnen – und zu halten. Daran ändern auch Einstiegsgehälter um 80.000 Euro, die große Beratungsunternehmen zahlen, oder die Aussicht auf spätere Spitzenjobs in der Industrie nichts.

Der Arbeitsmarkt für Akademiker und hochqualifizierte Fachkräfte steht vor dramatischen Veränderungen. Die rasch alternde Gesellschaft und der anhaltende Erfolg der deutschen Wirtschaft treiben die Nachfrage nach gutem Personal. Das Angebot an qualifizierten Frauen und Männern kommt aber kaum nach.

Tipps für die Gehaltsverhandlung

Argumente, die beim Chef wirken

Gute Karten hat, wer nachweisen kann, dass er seit dem letzten Gehaltsgespräch mehr Verantwortung im Unternehmen übernommen, Fortbildungen besucht oder der Firma zusätzliche Einnahmen gebracht hat. Am besten, Sie legen vorher eine Leistungsmappe an. Schreiben Sie sich detailliert auf, was Sie geleistet haben und nehmen die Liste mit ins Gespräch beim Chef. So haben Sie alle Argumente vor sich auf dem Blatt Papier und können sich an dem Leitfaden entlang arbeiten. Und auch Ihr Chef hat etwas in der Hand, wenn er Ihre Ansprüche seinem eigenen Vorgesetzten darlegen muss.

Gute Vorbereitung

Man bereitet sich über einen längeren Zeitraum vor. Man könnte auch sagen: Vor der Gehaltsverhandlung ist nach der Gehaltsverhandlung. Direkt nach einem Gespräch sollte man die persönliche Leistung wieder weiter ausbauen und das auch schriftlich festhalten. Nur rhetorisch lassen sich Gehaltsverhandlungen in der heutigen Zeit kaum mehr gewinnen. Sie brauchen ein solides Fundament an Leistungen.

Die richtige Taktik im Gespräch

Gehen Sie vor, wie in der Werbung. Da wird auch erst gezeigt, wie gut das Waschmittel reinigt. Gezahlt wird später an der Kasse. Sagen Sie dem Chef im Vorfeld, dass Sie mit ihm über ihre Perspektiven in der Firma reden wollen. Führen Sie dann im Gespräch zunächst ihre Vorzüge auf, zeigen Sie, was Sie der Firma Gutes getan haben und wie Sie ihren Chef in seinen Zielen vorangebracht haben. Erst wenn Sie sich, also das Produkt, vorgestellt haben, sollten Sie auf das Gehalt zu sprechen kommen. Seien Sie aber sparsam mit den Worten „Gehalt“ oder „Gehaltsforderung“. Auf manchen Chef wirkt das wie ein rotes Tuch.

Gehälter mit Kollegen abstimmen?

Was halten Sie davon, sich vorab mit anderen Kollegen abzustimmen? Karriere-Coach Martin Wehrle hat dazu eine klare Meinung: „Das halte ich für sehr schlecht. Firmen hassen es, wenn Mitarbeiter sich über Gehälter austauschen. In vielen Arbeitsverträgen steht auch, dass das Gehalt vertraulich zu behandeln ist. Wenn der Chef solche Gespräche mitbekommt, wittert er oft revolutionäre Umtriebe unter den Arbeitnehmern und er macht die Luken dicht.“

Todsünden im Gespräch

Was sollte ich in der Verhandlung unbedingt vermeiden? Karriere-Coach Martin Wehrle sagt: „Eine Todsünde ist es, mehr Gehalt zu fordern und das mit dem Einkommen eines Kollegen zu begründen. Das ist keine Aussage über die eigene Leistung und weist - aus der Sicht des Chefs - auf eine Indiskretion hin. Das bringt den Chef gegen mich auf und ich will ihn ja für mich einnehmen. Auch der Hinweis auf gestiegene Benzinpreise und die Kosten für das Eigenheim verbieten sich. Der Chef denkt dann, dass man mit Geld privat nicht umgehen kann und die Firma jetzt dafür einspringen soll. Sie sollten den Vorgesetzten auch nicht plötzlich mit der Forderung überfallen, etwa im Treppenhaus oder wenn man beim Bier zusammensitzt. Für ein solches Gespräch muss man einen Termin vereinbaren.“

Quelle: karriere.de

Das Personal wird wählerisch – und kann sich das auch leisten. Die sogenannte „Generation Why“, rollt an. Sie fragt auch schon mal: „Warum soll ich mir das antun?“ Nur Arbeit und Karriere, nur das große Geld allein locken heute immer weniger. „Die Lebensqualität spielt eine ganz große Rolle“, sagt Alexander von Preen, Partner bei der Unternehmensberatung Kienbaum. Und die Frage: „Was kann ich gestalten in meinem Job?“

Erste Engpässe tun sich auf. Die Industrie sucht beispielsweise händeringend Ingenieure, und das nicht erst seit heute. 200.000 Stellen sind unbesetzt, klagen Branchenvertreter. Aber Vorsicht! Nicht jeder Ingenieur ist gefragt. Und nicht jeder Spezialist kann davon ausgehen, dass seine besonderen Kenntnisse ein ganzes Arbeitsleben als attraktiv gelten.

So könnte beispielsweise die politisch verordnete Energiewende ins Stottern geraten, weil es nicht genügend Experten für Solarenergie, neue Materialien oder Regeltechnik gibt. Aber es ist auch bereits ein quantitatives Problem erkennbar – jedenfalls aus Sicht der Unternehmen. „In den kommenden 15 Jahren verschwindet die Hälfte der Ingenieure vom Arbeitsmarkt“, sagt der Präsident des Verbands der Ingenieure, Willi Fuchs, voraus.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

24.03.2012, 12:40 Uhr

Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommt. Bei dem demographischen Wandel in den nächsten Jahren, können sich die AGs, die heute nur an Ausbeutung des Personals denken, sich schonmal warm anziehen. Da hilft auch kein Import von Ausländern!! Die hochqualifizuierten Ausländer meiden ohnehin D wegen der Dumpingzahlungen und unglücklichen Lebensqualität!

Ich merke mir sehrwohl die Firmen und Konzerne, die heute mit Bezahlung von Gehältern geizen!

RonValentini

24.03.2012, 13:41 Uhr

Nun, dank solcher Artikel werden einige Hochqualifizierte wohl jetzt entweder beim Personalchef vorsprechen oder sich auf die Suche begeben. Schon seltsam, der Gap zwischen dem was hier als Gehaltsspiegel angegeben wird, und dem was man z.B. in den VDI Nachrichten liest.

Wartturm

24.03.2012, 15:35 Uhr

Solange die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter ausbeuten und verarschen, solange bekommen sie auch keine Topleute. Der Konkurenzkampf für die Mitarbeiter wird mörderisch.

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