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04.07.2015

08:47 Uhr

Geld und Sicherheit

Was Manager von ihrem Arbeitgeber erwarten

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Führungskräfte wollen vor allem eins: ein leistungsabhängiges Gehalt. Entsprechend wählen sie den Arbeitgeber aus: Ein Konzern muss es sein, Start-ups kommen nicht in Frage. Wo es Manager hinzieht und was sie erwarten.

Wie muss ein attraktiver Arbeitgeber für Manager aussehen? Fotolia.com

Was Manager erwarten

Wie muss ein attraktiver Arbeitgeber für Manager aussehen?

Berufseinsteiger suchen nach Arbeitgebern, die ihnen ein flexibles Arbeitsumfeld mit vielen spannenden Aufgaben bieten. Sind diese Menschen dann allerdings ein paar Jahre im Unternehmen und die Karriereleiter ein paar Sprossen heraufgeklettert, ändern sich die Präferenzen: Ab dem mittleren Management geht es ums Geld. Die Unternehmensberatung Baumann hat 300 deutsche Führungskräfte befragt, was für sie einen Arbeitgeber attraktiv macht. Und mit 36 Prozent der Nennungen führen ein gutes Gehalt und Sozialleistungen die Liste an. Dahinter kommt mit 34 Prozent der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens und auf Rang drei der sichere Arbeitsplatz (32 Prozent).

Den Wünschen gegenüber steht in vielen Fällen jedoch eine andere Arbeitsrealität: Jeder Fünfte ist mit seinem Gehalt unzufrieden. Ändern könnte das aus Sicht der Befragten eine leistungsgerechte, individuelle Entlohnung: 60 Prozent sprachen sich für ein Gehalt mit ausgeprägter oder moderater Erfolgskomponente aus.

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

44 Prozent von ihnen erklärten zudem, der Erfolgsanteil solle sich in erster Linie an der persönlichen Performance orientieren. Ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro ist ein Festgehalt mit ausgeprägter Erfolgskomponente eindeutig das Modell der Wahl (47 Prozent). „Gerade junge und motivierte Führungskräfte setzen sich hohe persönliche Ziele und wollen daran auch gemessen werden“, erklärt Michael Faller, Geschäftsführer der Baumann Unternehmensberatung Executive Search. Er ist überzeugt: "Wer sich unterbezahlt fühlt, prüft die Jobangebote der Konkurrenz sehr genau.“

Bei wem Manager arbeiten wollen

Aufstiegschancen interessieren dagegen nur 22 Prozent der Manager bei ihrem Arbeitgeber, die Innovationsfähigkeit ist für 17 Prozent entscheidend, der gute Ruf für 16 Prozent. Nur zehn Prozent legen Wert auf eine familienfreundliche Atmosphäre und jeweils acht Prozent auf flache Hierarchien und eine ökologische Verantwortung ihres Arbeitgebers. Befragt nach dem Traumarbeitgeber und den zwei Hauptargumenten für das Lieblingsunternehmen, tauchen diese Soft Skills eines Unternehmens auch nicht auf.

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