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17.01.2005

10:00 Uhr

Genügt die Uni den Ansprüchen nicht, unterstützen manche Stifter gleich ein ganzes Institut

Unternehmer treiben Aufbau neuer Lehrstühle voran

VonCarolyn Braun (Handelsblatt)

Als junger Mann war der heute 73-jährige Regensburger Immobilienentwickler Johann Vielberth als Student in den USA. Das dortige Stiftungswesen hat ihn so beeindruckt, dass der Oberpfälzer der Universität Regensburg kürzlich vier Lehrstühle stiftete.

HB DÜSSELDORF. 9,2 Mill. Euro, die von seiner Firmengruppe und dem Finanzdienstleister Eurohypo stammen, steckt die Hochschule nun in den Aufbau eines Instituts für Immobilienwirtschaft.

Mittlerweile tragen Stiftungen zum Aufbau ganzer Universitäten bei, wie der Bucerius Law School in Hamburg oder der International University of Bremen. Aber auch einzelne Lehrstühle verdanken ihre Existenz großzügigen Stiftern. Bereits im Jahr 2000 gab es einer Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft zufolge rund 300 Stiftungslehrstühle in Deutschland. Seitdem dürfte deren Zahl noch gewachsen sein. „Wir erleben einen Stiftungsboom“, sagt Roland Kaehlbrandt, Geschäftsführer der Hertie Stiftung. Allein 2003 habe es so viele Stiftungsgründungen gegeben wie in den gesamten Siebziger Jahren: „Und im Moment erleben wir eine große Offenheit für neue Konzepte im Hochschulbereich.“

Ähnlich wie der Immobilien-Mann Vielberth, der zur Professionalisierung seiner Branche beitragen will, kümmert sich auch SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner um den Nachwuchs. Das HassoPlattner-Institut für Software-Systemtechnik in Potsdam verdankt seine Existenz einer Investition, die in dieser Höhe in Deutschland ihresgleichen sucht: Etwa 51 Mill. Euro hat Plattner 1998 in die Stiftung gesteckt, die Alleingesellschafter der nach ihm benannten Software-EliteSchmiede ist. Kürzlich kündigte er an, die Mittel auf 200 Mill. Euro zu erhöhen. Für mindestens 20 Jahre ist so deren Existenz gesichert. Im April werden die ersten 60 Studenten ihren staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss machen.

In Deutschland ist es eher selten, dass Privatleute und Unternehmen den akademischen Nachwuchs fördern - im Gegensatz zum angelsächsischen Raum. Eher investieren Unternehmen hier zu Lande direkt in die universitäre Forschung. So lässt etwa die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig gemeinsam mit der Sparkassenversicherung Sachsen dem Institut für praktische Journalismusforschung 130 000 Euro zukommen Hier forschen vor allem Doktoranden, aber auch Leipziger Studenten der Kommunikationswissenschaft können Leistungsnachweise erbringen.

„In den USA gibt es echte Stiftungen im Bildungsbereich, die von den Zinsen leben“, sagt Michael Dowling, Professor für Innovationsmanagement an der Regensburger Uni, der das Institut für Immobilienwirtschaft von der ersten Idee an begleitet hat. „In Deutschland handelt es sich in der Regel um über fünf Jahre verteilte Sponsoringmittel.“ Nach Ablauf dieser Frist, für die der Stifter gerade steht, muss die Uni für den Lehrstuhl aufkommen. Und das nötige Geld eventuell an anderen Stellen abziehen. Das bremst den Elan der Hochschulen – während die aus der Wirtschaft kommenden Stifter oft erstaunt sind, wie langsam die universitären Mühlen mahlen. So erzählt Dowling: „Herr Vielberth hat sich schon gewundert, dass wir drei Jahre bis zur offiziellen Gründung brauchten.“

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