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18.01.2008

12:58 Uhr

Georg Funke

Der gefallene Macher

VonHans G. Nagl

An den Finanzmärkten zählt die Vergangenheit wenig. Das muss derzeit auch der Chef der Hypo-Real-Estate (HRE), Georg Funke, erfahren. Seit der überraschenden Subrime-Abschreibung und einem Kurseinbruch der Unternehmens-Aktie um 37 Prozent ist er vom Erfolgs- zum Buhmann geworden.

HRE-Chef Georg Funke lässt derzeit Fingerspitzengefühl vermissen. Foto: dpa

HRE-Chef Georg Funke lässt derzeit Fingerspitzengefühl vermissen. Foto: dpa

FRANKFURT. Jahrelang war Georg Funke der unangefochtene Held von Investoren und Analysten. Erfolgreich hatte der Hypo-Real-Estate-Chef das Immobiliengeschäft aus der HypoVereinsbank mit herausgelöst. Was von Journalisten und Experten 2003 noch als „Bad Bank“ verspottet wurde, gehört heute zu den 30 wichtigsten Börsenkonzernen hierzulande. Doch mit der überraschenden Subrime-Abschreibung ist Funke über Nacht zum Buhmann geworden. Nicht einfach für jemanden, dessen Karriere jahrelang nur eine Richtung kannte – nämlich aufwärts.

Dabei gilt der 52-jährige Gelsenkirchener als bodenständiger und offener Sympathieträger, dem das Dünkelhafte vieler seiner Branchenkollegen gänzlich fehlt. „Das ist einer, mit dem man gerne mal ein Bier trinken geht“, sagt einer, der mit ihm gearbeitet hat.

Der gelernte Immobilienkaufmann kommt 1984 zur bayerischen Hypo-Bank. Fünf Jahre später geht er für die Münchener nach London, wo er für fast ein Jahrzehnt als Ko-Chef die Niederlassung an der Themse leitet. Dort lernt Funke die angelsächsische Mentalität des Bankings kennen, die ihn bis heute prägt. „Funke weiß genau, was er will, nimmt kein Blatt vor den Mund und trifft schnelle Entscheidungen“, heißt es schon früh über ihn.

Nach der Rückkehr klettert der mit einer Irin verheiratete Vater dreier Kinder weiter die Karriereleiter nach oben und wird in dem 1998 mit der Vereinsbank fusionierten Institut schließlich Chef der Immobilieneinheit. Doch die neue Hypo-Vereinsbank braucht nach Milliardenabschreibungen auf Häuslebauer-Kredite dringend Kapital. 2003 entscheidet man sich in der Not, das Immobiliengeschäft in weiten Teilen abzuspalten.

Funke übernimmt das Himmelfahrtskommando - und er weiß genau, was er tut. „Für die zum Teil immensen Risiken hat er damals eine umfangreiche Abschirmung durch die HVB ausgehandelt“, heißt es bei einem Konkurrenten anerkennend. „Und er hat frühzeitig das Potenzial des internationalen Geschäfts erkannt.“ Die deutschen Einheiten saniert der Hobby-Fotograf radikal, verkauft faule Kredite in Milliardenhöhe. Und er profitiert davon, dass die Immobilienmärkte von 2003 an stetig zulegen.

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