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14.08.2014

11:31 Uhr

Georg Funke

Staatsanwaltschaft will Ex-HRE-Chef vor Gericht stellen

Die Hypo Real Estate musste in der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettet werden und wurde verstaatlicht. Jetzt soll sich Ex-Chef Georg Funke in einem Strafprozess verantworten. Doch wo er sich aufhält, ist unklar.

Ehemaliger HRE-Chef Funke (Archivbild): „Es ist Anklage erhoben worden“. dpa

Ehemaliger HRE-Chef Funke (Archivbild): „Es ist Anklage erhoben worden“.

MünchenDer Ex-Chef der notverstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate, Georg Funke, muss einen Strafprozess für sein Verhalten in der Finanzkrise fürchten. „Es ist Anklage erhoben worden“, sagte Funkes Verteidiger Wolfgang Kreuzer der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Staatsanwaltschaft München habe allerdings einen großen Teil der Vorwürfe fallen gelassen, denen sie in den mehr als sechs Jahre langen Ermittlungen nachgegangen war, sagte der Anwalt. Das Landgericht München prüfe nun, ob es die Anklage zulasse. Funke weise die Vorwürfe zurück und strebe im Falle eines Gerichtsverfahrens einen Freispruch an.

Sollte das Landgericht die Klage zulassen, müsste Funke als Angeklagter persönlich vor Gericht erscheinen. Im Zivilprozess um Schadenersatzforderungen ehemaliger Aktionäre hatte er seine Aussage im Februar in letzter Minute abgesagt.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Der Beinahe-Zusammenbruch der Hypo Real Estate im Jahr 2008 war eines der dramatischsten Kapitel der Finanzkrise. Der Bund rettete die einst größte deutsche Immobilienbank mit Milliardenstützen, Funke wurde aus dem Amt gedrängt. Der Banker, der vielen als Hauptfigur der Finanzkrise in Deutschland galt, wanderte schließlich nach Mallorca aus und handelte dort als Makler mit Luxusimmobilien.

Wo er derzeit lebt, ist unklar. In der Öffentlichkeit trat Funke nicht mehr auf, wehrte sich aber aus der Ferne gegen den Vorwurf, für das HRE-Drama verantwortlich gewesen zu sein. Der Fall hat mehrere Rechtsstreitigkeiten nach sich gezogen.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag lediglich, dass die Ermittlungen gegen die acht beschuldigten Ex-Vorstände um Funke abgeschlossen wurden. Sie sollen in offiziellen Firmenberichten die Lage der Bank geschönt haben. Über den Stand würden nun zunächst die Beteiligten informiert. Das Gericht lehnte eine Stellungnahme ab.

Kommentare (2)

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Frau Pia Paff

14.08.2014, 12:32 Uhr

Funke gehört du den größten Finanzverbrechern der Neuzeit. Dieser Vogel gehört vor die Wand!

Herr Peter Kock

14.08.2014, 13:55 Uhr

Der sollte auch bestraft werden ! Aber warum wurde gerade der HRE-Bank so schnell und unbürokratisch geholfen ? Weil in der HRE die Beamtenpensionen gelagert und z.T. verspekuliert wurden . Das allein war der Grund. Wären das die Renten von z.B. den Bergleuten gewesen oder die normalen Renten hätte man die Schultern hochgezogen mit den Worten : Pech gehabt !

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