Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2012

11:26 Uhr

George Friedman

Der enttarnte Chef der Schatten-CIA

VonSönke Iwersen

George Friedman betrieb sein Geschäft im Verborgenen. Doch seit dieser Woche stehen die Geheimdienstmethoden seiner Firma Stratfor offen im Netz - und offenbaren peinliche Einblicke.

Schon im Jahr 2004 global orientiert: Stratfor-Chef George Friedman. dapd

Schon im Jahr 2004 global orientiert: Stratfor-Chef George Friedman.

Ein Ratschlag wie aus einem James Bond-Film. „Wenn die Quelle wertvoll ist, dann musst Du sie unter Kontrolle bringen”, schrieb George Friedman am 6. Dezember 2011 an eine Mitarbeiterin in Venezuela. „Kontrolle bedeutet: finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle bis zu dem Punkt, an dem die Quelle bereit ist, Anweisungen entgegenzunehmen.“

George Friedman ist enttarnt. Der Mann, der aussieht wie der nette Opa von nebenan, der sich stets unscheinbar gab und seine Rolle herunterspielte so weit es nur ging, hat keinen Zug mehr frei. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Internetplattform Wiki-Leaks rund 150 E-Mails der US-Strategieberatung Stratfor, die Friedman 1996 gründete. Es sind die ersten Tropfen eines gigantischen Unwetters – Wiki-Leaks wurden nach eigenen Angaben fünf Millionen dieser Mails zugespielt.

Friedman ist damit in der schlimmsten Lage, die man sich für einen Mann wie ihn vorstellen kann. Seine Firma, lebt von Geheimnissen. Zu ihren 30.000 Kunden zählen US-Militärs und Hedge-Fonds-Manager, hohe Politiker und internationale Konzerne. Wofür genau sie Stratfor bezahlten, war bisher unbekannt. Dann drangen Hacker in das Firmennetz ein.

Nun liegt alles offen. Psychologische Kontrolle von Quellen, Überweisungen an Informanten im Mittleren Osten, Spitzelaktionen für den Chemiekonzern Dow Chemical. Aber Friedman bleibt schmallippig. Das graue Haar ordentlich gekämmt, die Stirn in Sorgenfalten gelegt, die braunen Augen mit einem Dackelblick versehen, verschickt Friedman über die Stratfor-Internetseite eine Videobotschaft.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.03.2012, 11:56 Uhr

Ein teurer Hochstapler ist das, so wie 80% der hohen BRanchen.

Account gelöscht!

02.03.2012, 13:13 Uhr

Wir gehen schlimmen Zeiten entgegen, hier noch ein hochinteressanter Beitrag zum Thema.
http://www.n-tv.de/politik/US-Firma-zerpflueckt-Assange-article5627506.html

Laura

02.03.2012, 15:48 Uhr

Manipulation

ich habe den Verdacht, dass "Berater" wie Stratfor nicht "erklären, was passieren wird", sondern vielmehr dafür sorgen, dass bestimmte Dinge passieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×