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17.10.2014

16:31 Uhr

Gepfändete Piaget von Middelhoff

10.000 Euro für die Uhr von „Big T“

Der prominente Vorbesitzer machte die Piaget-Uhr besonders attraktiv: Bei der Versteigerung erzielte das ehemals gute Stück von Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff mehr als drei Mal so viel, wie sie eigentlich wert ist.

Die Piaget-Uhr von Thomas Middelhoff wurde deutlich über ihrem Schätzwert versteigert. dpa

Die Piaget-Uhr von Thomas Middelhoff wurde deutlich über ihrem Schätzwert versteigert.

EssenDie gepfändete Uhr des Topmanagers Thomas Middelhoff hat bei ihrer Versteigerung durch die nordrhein-westfälische Justiz einen Kaufpreis von 10 350,99 Euro erzielt. Wer die Uhr der Nobelmarke Piaget ersteigerte, blieb zunächst unbekannt.

Der prominente Vorbesitzer macht die Automatikuhr aus 750er Gold offenbar für die Bieter attraktiv. Obwohl der Wert der Uhr, die Middelhoff – auch bekannt als „Big T“ – vor vielen Jahren von seiner Frau geschenkt bekommen hatte, in einem Wertgutachten auf 2800 Euro geschätzt wurde, lag das Höchstgebot bei der Versteigerung auf der Internetseite Justizauktion.de am Ende mehr als dreimal so hoch.

Dabei machte die Gerichtsvollzieherin bei der Versteigerung keinerlei Angaben zum Vorbesitzer. Auch auf der Uhr selbst, gibt es keinen Gravur, die auf den Manager hinweist. Doch bestätigte Middelhoffs-Anwalt Winfried Holtermüller der Nachrichtenagentur dpa, dass es ich um die Uhr des früheren Arcandor-Chefs handele. „Da hat sich jemand den Spaß sehr viel Geld kosten lassen“, sagte er zum Ausgang der Versteigerung. Wirtschaftlich sei dies wohl eher unvernünftig.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Der wertvolle Zeitmesser war Middelhoff bei einer Taschenpfändung am Rande des Essener Untreue-Prozesses von einer Gerichtsvollzieherin abgenommen worden, die im Auftrag eines Middelhoff-Gläubigers unterwegs war.

Die Angebotsfrist ging am Freitag gegen 15.33 Uhr zu Ende. Bis zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt 54 Angebote abgegeben worden. Das Mindestangebot lag ursprünglich bei 1400 Euro. Doch kam es schon in den ersten Tagen zu einem Bieterkampf, der den Preis auf 6800 Euro in die Höhe schnellen ließ. In den letzen Minuten vor dem Ende der Auktion trieben die Bieter denn Preis dann bis zum Höchstgebot von 10 350,99 Euro.

Bei der Bezahlung der Uhr besteht die Gerichtsvollzieherin auf Vorkasse. Neben dem Kaufpreis muss der Erwerber auch die Versandkosten tragen. Innerhalb Deutschlands sind das noch einmal 12,29 Euro.

Von

dpa

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