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31.05.2016

13:24 Uhr

Geplante Fusion

Wird die Deutsche Börse selbst zum Übernahmeziel?

Die Deutsche Börse hatte zahlreiche Kombinationen für eine Fusion geprüft. Der geplante Zusammenschluss mit der LSE hatte sich als sinnvollste Kombination herausgestellt. Doch was geschieht, wenn es nicht klappt?

Der Börsenbetreiber rechnet erst Anfang 2017 mit einem Abschluss der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange. dpa

Zentrale der Deutschen Börse

Der Börsenbetreiber rechnet erst Anfang 2017 mit einem Abschluss der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange.

FrankfurtDie Deutsche Börse fürchtet bei einem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) selbst ins Visier von Konkurrenten zu geraten. Es sei richtig, dass die Chicago Mercantile Exchange (CME) generell Interesse an Deutschlands größtem Börsenbetreiber habe, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. „Ob sich dieses manifestiert, das glaube ich im Moment eigentlich nicht. Es könnte aber eine Artikulation folgen, falls unser Zusammenschluss (mit der LSE) nicht gelingt.“

Die CME ist mit gut 33 Milliarden Dollar etwa doppelt so viel wert wie die Deutsche Börse. Die Amerikaner hatten bei den Frankfurtern Insidern zufolge bereits 2013 wegen einer Verschmelzung angefragt, waren damit aber abgeblitzt. Bisher haben die Manager aus Chicago Finanzkreisen zufolge stets betont, nur an einem einvernehmlichem Zusammenschluss interessiert zu sein. „Sie sind generell nicht so aggressiv bei solchen Dingen“, sagte Kengeter. Feindliche Kaufangebote sind in der Börsenlandschaft wenig erfolgsversprechend, weil die Aufsichtsbehörden aus dem Heimatland des Übernahmeziels solche Deals blockieren können.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Kengeter ist seit einem Jahr Vorstandschef der Deutschen Börse und hat das Unternehmen seitdem kräftig umgekrempelt. Der 49-Jährige ist überzeugt, dass der Konzern auf Übernahmen und Fusionen angewiesen ist, um im weltweiten Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. „Die Deutsche Börse ist nicht in einem sehr dynamischen Zustand“, räumte der langjährige Investmentbanker ein. Um das Wachstum anzukurbeln, seien externe Impulse unabdingbar. „Wir haben im letzten Jahr sämtliche mögliche Kombinationen, die es auf der Welt gibt, für die Deutsche Börse geprüft.“ Es habe sich dabei um eine hohe zweistellige Zahl gehandelt. Der im Februar angekündigte Zusammenschluss mit der LSE habe sich dabei als sinnvollste Kombination herausgestellt.

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