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05.09.2011

20:56 Uhr

Geplanter T-Mobile-Verkauf

Obermanns letzte Hoffnung

VonRolf Benders

Darf die Deutsche Telekom ihre US-Tochter an AT&T verkaufen? Darüber entscheidet eine Richterin aus Washington. Ellen Segal Huvelle gilt als schnell und effizient.

Die US-Regierung verhinderte bisher die geplante Übernahme von T-Mobile durch den US-Telefonanbieter AT&T. dapd

Die US-Regierung verhinderte bisher die geplante Übernahme von T-Mobile durch den US-Telefonanbieter AT&T.

New YorkDie Unabhängigkeit von Huvelle ist der größte Funken Hoffnung für Telekom-Chef René Obermann. Denn die Richterin aus Washington wird darüber befinden, ob der geplante Verkauf der US-Mobilfunktochter T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Der Verkauf ist einer der wichtigsten Schritte in Obermanns Zeit als Telekom-Chef.

Als das US-Justizministerium vergangene Woche erklärte, es werde aus wettbewerbsrechtlichen Gründen dem Deal zwischen beiden Telekomkonzern nicht zustimmen, sah es für die Pläne des Telekom-Chefs düster aus. Eigentlich hätte ihm der Verkauf der US-Sparte 39 Milliarden Dollar bringen sollen. Nun scheint es, als ob Obermann das Geld noch nicht abschreiben muss. „Wir sind noch im Zeitplan“, schrieb Obermann in einer internen Stellungnahme. Ein Grund für den Optimismus könnte der Blick auf den Werdegang der Richterin sein.

Die 63-jährige Juristin gilt in Fachkreisen der US-Hauptstadt als „juristische Maschine“, weil sie ihre Fälle schnell und effizient durchzieht. Dabei lässt sie sich auch nicht davon irritieren, dass ihre Fälle oft im Schlaglicht der Öffentlichkeit stehen.

Dazu gehörte etwa die Verurteilung des Lobbyisten Jack Abramoff 2006 für die Bestechung von Angestellten des Weißen Hauses. Rund die Hälfte ihrer Fällen seien von viel Mediengetöse begleitet gewesen, sagte sie in einem Zeitungsinterview. „Aber ich denke, mein Job ist es, auf die Fakten und die Gesetze zu schauen“, fügte Huvelle hinzu.

Richterin Ellen Segal Huvelle gilt als „juristische Maschine“. ASSOCIATED PRESS

Richterin Ellen Segal Huvelle gilt als „juristische Maschine“.

Dabei lässt sie sich auch von Regierungsinteressen nicht beeindrucken. Bereits einmal hat sie eine Fusion durchgewinkt, die die Regierung unterbinden wollte. Im Jahr 2001 sah das Justizministerium den Wettbewerb gefährdet, als der Datenspeicherspezialist Sungard den Konkurrenten Comdisco erwerben wollte. Huvelle wies die Klage ab, obwohl die Firmen 70 Prozent ihres Marktes beherrschten. Sie argumentierte, der Computersektor verändere sich ständig, dies biete neuen Wettbewerbern die Möglichkeit, Marktanteile zu ergattern.

Einige Juristen leiten daraus gute Chancen für eine Fusion von T-Mobile und AT&T ab. Der Markt für Sungard und Comdicso sei damals noch stärker fokussiert gewesen als heute der Mobilfunkmarkt, sagte David Balto, damals Anwalt von Sungard. „Aber sie hatte begriffen, dass man auch sehen muss, welche anderen Alternativen die Kunden haben.“

Die aus Boston stammende Huvelle ist seit 1990 Richterin und hat in den vergangenen zwölf Jahren eine große Zahl von Wettbewerbsklagen verhandelt. Vor ihrer Zeit am Gericht arbeitete sie bei der Kanzlei Williams & Connolly, für die sie Kunden wie den Boxpromoter Don King in einem Steuerrechtsstreit vertrat. Neben ihrem Abschluss in Rechtswissenschaften von der Boston College Law School besitzt sie einen Master in Städteplanung von der Yale School of Architecture.

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