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18.08.2014

06:58 Uhr

Gerhard Strates nächster Fall

Mollath-Anwalt vertritt jetzt Maschmeyer

VonOliver Stock

ExklusivWie kein zweiter hat sich Anwalt Gerhard Strate der Aufarbeitung der Finanzkrise verschrieben. Jetzt steckt er mitten in seinem verzwicktesten Fall. Er soll Carsten Maschmeyer im Streit mit einer Schweizer Bank beraten.

Carsten Maschmeyer fühlt sich von der Schweizer Bank Safra Sarasin falsch beraten. dpa

Carsten Maschmeyer fühlt sich von der Schweizer Bank Safra Sarasin falsch beraten.

DüsseldorfGustl Mollath hat sieben Jahre in der Psychiatrie gesessen – unschuldig, wie ein Gericht in Regensburg vergangene Woche feststellte. Der Mann, der diese Urteil maßgeblich möglich gemacht hat, heißt Gerhard Strate. Der 64-jährige Anwalt versteht sich als eine Art Robin Hood im deutschen Rechtssystem: Dort, wo das Recht in Gefahr ist, sieht er seine Mission. Im Gegensatz zu dem englischen Nationalhelden kämpft Strate aber nicht nur für die Armen: Unmittelbar nach Abschluss des Falls Mollath hat er nun Zeit für einen deutlich vermögenderen Mandanten: den Investor und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer.

Maschmeyer hat die Schweizer Bank Safra Sarasin angezeigt, weil sie ihn um Millionen betrogen haben soll. Strate hat die 22-seitige Betrugsanzeige, die Handelsblatt Online vorliegt, formuliert und an die Staatsanwaltschaft in Köln versandt. Jetzt könnte es eng werden für die Bank.

Der Anwalt hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch ohne Mandat gegen jene vorzugehen, die er als Verantwortliche für den Ausbruch der Finanzkrise seit dem Jahr 2008 sieht. So landeten auf sein Betreiben hin, die Chefs der Hamburger Landesbank HSH Jens Nonnenmacher und Hans Berger vor Gericht. Der 64-Jährige mit dem eisgrauen Haar sieht darin offenbar eine späte Berufung, zu der jetzt auch der Fall Maschmeyer gegen Safra Sarasin zählt.

Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (1)

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist unter die Buchautoren gegangen. "Selfmade - erfolg reich leben" (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Die ersten Auszüge hatte die Bild-Zeitung veröffentlicht - hier die wichtigsten Ausschnitte.

Seine Ausbildung

Meine Ausbildung, rückblickend auf den Punkt gebracht, bestand eigentlich nur aus zwei Fächern: Hauptfach Beziehungen, Nebenfach Sachthemen. Persönlich ging bei mir immer vor geschäftlich.

Sein Ratschlag

Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben. In einer von E-Mails und SMS, Chatportalen und virtuellen Communitys beherrschten Zeit wird es immer wichtiger, über viele und tragfähige Kontakte zu verfügen

Seine Freunde

Oftmals sind die mächtigsten und bekanntesten Personen einer Berufsgruppe gar nicht unbedingt intelligenter oder qualifizierter als der Durchschnitt – sie haben einfach mehr Kontakte und bessere Beziehungen, die sie meist seit langer Zeit pflegen und wechselseitig nutzen.

Vitamin B wichtiger als Arbeit

Häufig ist Beziehungsarbeit lohnender als rein fachliche Arbeit. Frei nach der Parole: „Der Kluge kennt alles, der sehr Kluge kennt alle.“ Ich kenne sogar Personen, die einzig wegen ihrer Netzwerke, Kontakte und Beziehungen einen begehrten, gut bezahlten Job bekommen haben.

Interessante Jobs finden

Interessante Jobs findet man heutzutage viel eher durch die Nutzung von Netzwerken als durch Print- oder Internet-Stellenanzeigen. Viele Statistiken belegen, dass die meisten Menschen ihre Jobs durch persönliche Beziehungen finden. Machen Sie sich also nichts vor: 

Über Politiker

Das gilt umso mehr für Politiker: Ihr Erfolg hängt auch von ihrem Netzwerk, von ihren Beziehungen ab. Man wird kaum in den Ortsbeirat gewählt, wenn man keine guten Verbindungen hat. Als Politiker brauchen Sie – gerade in Ihrer Partei – die richtigen Unterstützer, die sich für Sie einsetzen und propagieren, warum die Leute Sie wählen sollen.

Über Gerhard Schröder

Wenn man den Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennengelernt hat und er schließlich Bundeskanzler wird, dann lernt man fast ganz automatisch andere SPD-Politiker wie Stephan Weil, unseren Oberbürgermeister, und sogar Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel kennen.

Vor den Finanzfällen war Strate auch in anderen – stets prominenten Prozessen – hervorgetreten: Der Unternehmer Alexander Falk gehörte genauso zu seinen Mandanten wie der Terrorist Mounir al-Motassadeq, der wegen der Beteiligung an den Anschlägen des 11. September eine Haftstrafe verbüßt.

Im Fall Maschmeyer erklärt Strate, dass sich der millionenschwere Investor von der Bank hinters Licht geführt sieht. Zusammen mit Angehörigen und Freunden habe er auf Anraten der Sarasin-Berater insgesamt 40 Millionen Euro in Fonds investiert, deren Wertentwicklung auf so genannten „Cum Ex“-Transaktionen beruhen. „An einem Fonds, dessen Erfolg letztlich objektiv auf Steuerhinterziehung beruht, hätte sich mein Mandant nie beteiligt“, schreibt Strate.

Kommentare (7)

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Herr Delete User Delete User

18.08.2014, 07:17 Uhr

Zitat:
"Zusammen mit Angehörigen und Freunden habe er auf Anraten der Sarasin-Berater insgesamt 40 Millionen Euro in Fonds investiert, deren Wertentwicklung auf so genannten „Cum Ex“-Transaktionen beruhen. „An einem Fonds, dessen Erfolg letztlich objektiv auf Steuerhinterziehung beruht, hätte sich mein Mandant nie beteiligt“, schreibt Strate"


Der Verkauf von Schrottimmobilien und dem Finanzkonstrukt, dem Maschmeyer nicht widerstehen konnte, ähneln doch sehr.
Ein alter Fuchs, wie der Maschmeyer fällt auf so etwas nicht herein. Das kann er noch so oft beteuern. Hoffentlich findet sich keine "Lücke per Gesetz", die es ihm ermöglicht sein Geld zurück zubekommen.

Niemand sollte sich etwas vormachen. Wäre es umgekehrt gelaufen, dann hätte Maschmeyer wohl kaum auf seine Gewinne aus den „Cum Ex“-Transaktionen verzichtet. Doppelmoral und Skrupellosigkeit charakterisieren Typen wie Maschmeyer! Letztendlich hat er sich verzockt und mimt nun den Unwissenden. Lächerlich!

Frau Pia Paff

18.08.2014, 09:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Sara Bürger

18.08.2014, 09:12 Uhr

Die von Ihnen angeführten Eigenschaften "Doppelmoral und Skrupellosigkeit" treffen in Finanzdingen allerdings auf 99,9 Prozent aller Anleger zu, bloß ist der Maßstab hier ein anderer. Beim Versuch, einen besonders guten Schnitt zu machen, sind schon viele auf die Nase gefallen.

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