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17.11.2014

16:21 Uhr

Gericht vertagt Entscheidung

Middelhoff bleibt zunächst in Haft

Noch keine Entscheidung: Thomas Middelhoff bleibt weiter in Haft. Das Essener Landgericht wird erst im Laufe der Woche über eine mögliche Aussetzung des Haftbefehls entscheiden.

Thomas Middelhoff wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. dpa

Thomas Middelhoff wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt.

EssenDer frühere Topmanager Thomas Middelhoff bleibt zunächst weiter in Untersuchungshaft. Nach einem Haftprüfungstermin am Montag teilte ein Sprecher des Essener Landgerichts mit, es werde erst im Laufe der Woche über eine mögliche Aussetzung des Haftbefehls entschieden.

Bei einem Haftprüfungstermin habe Middelhoff Gelegenheit bekommen sich zur Sache zu äußern, sagte der Gerichtssprecher. Die Verteidigung habe angekündigt, kurzfristig weitere schriftliche Unterlagen zu übersenden, die für die Entscheidung der Kammer von Bedeutung sein könnten. Das Gericht werde diese Unterlagen sofort nach Eingang prüfen.

Das Essener Gericht hatte den 61-Jährigen am Freitag wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Gerichtssaal einen Haftbefehl erlassen. Bei einem ersten Haftprüfungstermin am Freitag hatte das Gericht den Haftbefehl nicht außer Vollzug gesetzt – Middelhoff wurde daraufhin in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Die Essener Strafkammer hatte Middelhoff in 27 Fällen von Untreue und in drei Fällen von Steuerhinterziehung für schuldig befunden. In dem Strafverfahren ging es um diverse Flüge sowie eine Festschrift für Ex-Bertelsmann-Chef Mark Wössner, die Middelhoff teils über Arcandor abgerechnet hatte. Dadurch soll der frühere Top-Manager dem Konzern mehr als 500.000 Euro Schaden zugefügt haben. Middelhoffs Anwalt kündigte Revision gegen das Essener Urteil beim Bundesgerichtshof an.

Arcandor war 2009 mitsamt seiner Tochterfirmen wie Karstadt und Quelle in die Pleite gerutscht. Middelhoff hatte den Chefposten einige Monate zuvor aufgegeben.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

17.11.2014, 17:38 Uhr

Haftprüfungsformalien sind stets unschön, weil Staatsanwaltschaft und Verteidigung derartige Termine zur Fortsetzung der bereits geschlossenen Verhandlung mißbrauchen.

Dennoch: Big T. wurde unrecht getan, denn erstens wußte er im Zweifel nicht von der mangelnden Deckung für seine Spesen und zweitens ist ihm dies angesichts der Üblichkeiten bei fast allen Unternehmen größeren Kalibers nicht vorzuwerfen.

Mit anderen Worten ein klarer Fall der Beweisregel, die da lautet: In dubio pro reo.

Der damit naheliegende Freispruch fiel offenbar einem Gericht zum Opfer, welches ein Exempel statuieren wollte - aus welchem Grunde auch immer.

Herr Peter Spiegel

17.11.2014, 17:48 Uhr

Ob schuldig oder nicht, mir scheint es handelt sich um ein
Schauverfahren.

Herr Franz Kittel

17.11.2014, 18:37 Uhr

Herr Middelhoff, ein Angestellter der Elite(n), hat den FEHLER begangen, sich letztendlich jene als Partner, später, begründet durch seine vielen Misserfolge als Gegner "ausgesucht" zu haben. Herr Wiedeking hatte (mehr) Glück, weil er Erfolg, sprich Porsche rentabel gemacht hatte ;-)

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