Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2014

14:24 Uhr

Gerichtsurteil

Weg zur Solarworld-Sanierung frei

Die Sanierung des Energiekonzerns Solarworld steht kurz bevor. Ein Gericht gab jetzt die Freigabe zur finanziellen Restrukturierung. Der Sanierungsplan sieht auch eine private Beteiligung von Firmenchef Asbeck vor.

Der Vorstandsvorsitzende bei Solarworld, Frank Asbeck, investiert einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe in das angeschlagene Energieunternehmen. dpa

Der Vorstandsvorsitzende bei Solarworld, Frank Asbeck, investiert einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe in das angeschlagene Energieunternehmen.

KölnDas Kölner Oberlandesgericht hat der angeschlagenen Solarworld den Weg zur Sanierung geebnet. Trotz noch anhängiger Klagen habe das Gericht die Freigabe erteilt, die Beschlüsse der Haupt- und Gläubigerversammlung umzusetzen, teilte der Bonner Solarkonzern am Montag mit. „Die Beschlüsse werden jetzt ins Handelsregister eingetragen und vollzogen“, erklärte Finanzvorstand Philipp Koecke. Damit könne die finanzielle Restrukturierung des Unternehmens wie geplant im Februar über die Bühne gehen. „Damit wird die Solarworld AG wieder auf eine solide finanzielle Basis gestellt“, betonte Firmenchef Frank Asbeck.

Das Sanierungskonzept sieht im Wesentlichen einen Kapitalschnitt, die Ausgabe neuer Aktien sowie die Umwandlung von 55 Prozent der Altschulden in Aktien vor. Für eine Kapitalspritze wird die Qatar Solar sorgen und sich für 35 Millionen Euro mit rund 29 Prozent an Solarworld beteiligen. Asbeck will mit zehn Millionen aus der Privatschatulle seinen Anteil nach dem Schuldenschnitt wieder auf rund 20 Prozent aufstocken.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Gegen die Sanierungsbeschlüsse hatte es ursprünglich 19 Anfechtungsklagen gegeben. In einem Vergleich mit einem Teil der Kläger hatte sich Solarworld Mitte Dezember geeinigt. Demnach wurden Altaktionären mit mindestens 1000 Anteilsscheinen nun der Bezug neuer Aktien eingeräumt. Ursprünglich wären den Altaktionären nach dem Kapitalschnitt nur noch fünf Prozent geblieben und lediglich Asbeck und Qatar Solar hätten das Recht erhalten, bei der anschließenden Kapitalerhöhung zu zeichnen.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HofmannM

13.01.2014, 14:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

14.01.2014, 09:51 Uhr

Solarworld ist gerettet
-----
Und Sonnenkönig Asbeck kauft sich das nächst Schloss. Natürlich bezahlt vom "Steuervieh".
Solarworld ist ein "innovatives Unternehmen", welches auf "high tech" setzt. Und PV-Module sind nun mal "high-tech"!
Selbst die Chinesen können sie nicht kopieren!


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×