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10.01.2011

14:18 Uhr

Gestörte Signale

Der schwere Job des Berliner S-Bahn-Chefs

VonSilke Kersting

Peter Buchner, der Chef der Berliner S-Bahn, will "jeden Tag einen Stein im Unternehmen umdrehen". Er hat Werkstätten wiedereröffnet und Mitarbeiter eingestellt, um Züge schneller warten und reparieren zu können. Trotzdem trägt er derzeit die Verantwortung für die katastrophale Lage der Berliner S-Bahn.

S-Bahn-Chef Peter Buchner: Er hat Werkstätten eröffnet und Mitarbeiter eingestellt. Trotzdem wird er für die katastrophale Lage der S-Bahn verantwortlich gemacht. dpa

S-Bahn-Chef Peter Buchner: Er hat Werkstätten eröffnet und Mitarbeiter eingestellt. Trotzdem wird er für die katastrophale Lage der S-Bahn verantwortlich gemacht.

BERLIN. Als Peter Buchner vor anderthalb Jahren Chef der Berliner S-Bahn wurde, hat er wohl nicht geahnt, wie schwierig dieser Job werden würde. Es gibt Besseres zu tun, als eine technische Panne nach der anderen aufzulisten und über vereiste Weichen, kaputte Motoren und gestörte Signale zu sprechen. "Dabei habe ich wirklich geglaubt, dass wir gut auf diesen Winter vorbereitet sind", sagte der 43-Jährige im Dezember, als der erste Schnee fiel und die S-Bahn zum zweiten Mal während seiner Amtszeit als "Chaos-Bahn" tituliert wurde. Negativschlagzeilen und Kundenprotest solcher Dimension reichen andernorts für die Abberufung eines Chefs.

Gerade hat Tief "Arno" der Bahn entspanntere Tage beschert: kein neuer Schnee, kein Eis. Stattdessen Plusgrade und somit weniger Störungen. Aber nicht weniger Kritik. Und die konzentriert sich heute auf den Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube. Denn die Berliner S-Bahn gehört zu seinem Konzern, und Grube steht in Berlin sowohl den Verkehrsministern der Länder Rede und Antwort als auch dem Verkehrsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus.

Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Buchner bedeckt hält. Denn selbst wenn der gebürtige Bayer nicht als der Schuldige für die katastrophale Lage der S-Bahn gilt - er trägt dennoch die Verantwortung.

"Die Rationalisierungsmaßnahmen vor Buchners Antritt waren übertrieben", nimmt ihn Otmar Lell vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Schutz. Als die größten Probleme gelten eine zu kleine Wagenflotte sowie die jahrelange unzureichende Wartung, was die Züge überaus anfällig gemacht hat. In Berlin gilt Buchner als gesprächsbereit: Er weicht nicht aus, gibt Antworten. Das verleiht ihm Glaubwürdigkeit. Sieht er an einem Bahnhof eine eingeschlagene Scheibe, bemerkt er einen fehlenden Fahrplan, kümmert er sich persönlich um Abhilfe.

Er hat Werkstätten wiedereröffnet, Mitarbeiter eingestellt, um Züge schneller warten und reparieren zu können. Noch fallen nicht wirklich böse Worte über ihn. Man nimmt es ihm ab, dass er "jeden Tag einen Stein im Unternehmen umdreht", wie er es selbst formuliert hat. "Doch unser System ist so labil", gesteht Buchner ein, "dass es sich nicht über Nacht einrenken lässt." Fraglich nur, ob sich die Verkehrspolitiker damit zufrieden geben werden.

Kommentare (1)

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Otto

10.01.2011, 18:30 Uhr

Vielleicht könnte er auch mal das 1. Problem angehen das einem berlinbesucher sehr negativ auffällt. Sie verlassen den Flughafen Tegel, wollen eine Fahrkarte am Automaten kaufen: EC-Karte geht nicht, Mastercard geht nicht(Automat kaputt) 20 Euro-Schein geht nicht (betrag zu gross). Da in berlin die Leute kein Geld wechseln (w/Falschgeld da in der Nähe der Politiker)können Sie keine Fahrkarte kaufen. im bus werden sie dann von Fahrer angemacht, da dieser kein interesse hat auf einen so grossen Schein herausgeben. Eine tolle Stadt mit einer super infrastruktur.

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