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01.11.2016

08:50 Uhr

Gesund trotz Krankmeldung

Wenn Facebook Mitarbeiter entlarvt

VonLisa Oenning

Über Facebook prüfen viele Chefs, ob Mitarbeiter tatsächlich krank sind. Doch selbst wenn deren Posts sie als kerngesund entlarven, stehen die Chancen der Vorgesetzten schlecht: Die Flunkerer sind kaum zu kündigen.

Ein Drittel der befragten Chefs hat schon Mitarbeiter über soziale Netzwerke erwischt, die eine Krankheit offenbar nur vorgetäuscht haben. dapd

Mitarbeiter unter der Lupe

Ein Drittel der befragten Chefs hat schon Mitarbeiter über soziale Netzwerke erwischt, die eine Krankheit offenbar nur vorgetäuscht haben.

DüsseldorfMit krächzender Stimme und schniefender Nase meldet sich der Mitarbeiter telefonisch bei seinem Chef: „Ich bin krank.“ Doch als der Vorgesetzte in seiner Mittagspause durch seine Timeline bei Facebook scrollt, glaubt er seinen Augen kaum. Ein Foto zeigt, wie der vermeintlich kranke Angestellte mit seiner Freundin am Meer Drachen steigen lässt. Kerngesund lächelt er in die Kamera – anstatt zu Hause seine Grippe auszukurieren.

Dank Facebook, Twitter und Co. steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Chefs flunkernde Angestellte über soziale Netzwerke entlarven. Das Karrierenetzwerk „Careerbuilder“ hat kürzlich in den USA 2500 Personalchefs und Manager befragt, ob sie die Netzwerke nutzen, um herauszufinden, ob Mitarbeiter wirklich krank sind. Das Ergebnis: Ein Drittel der Befragten gab an, einen Angestellten über Facebook und Co. bereits dabei erwischt zu haben, eine Krankheit nur vorgetäuscht zu haben.

Welche Mitarbeiter geliebt und welche gehasst werden

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Was müssen Sie tun, um auf die Abschussliste zu geraten? Welche Mitarbeiter sind Lieblingsopfer von Mobbing? Martin Wehrle identifiziert die verschiedenen Typen. Die Vorstellung in aller Kürze...

Der Besserwisser

Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

Der Rivale

Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbauen, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht wenn sie natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringen. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

Der Miesmacher

Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

Die Schlafmütze

Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

Das Alpha-Tier

Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

Der Oberexperte

Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

Die graue Eminenz

Manchmal gibt es Urgesteine in einer Anteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

Der Vorzeigestar

Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

Der treue Paladin

Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

Eine in Deutschland durchgeführte Befragung des Karrierenetzwerkes unter 400 Arbeitgebern kam zu einem ähnlichen Resultat. Insgesamt ein Drittel der Führungskräfte überprüft Mitarbeiter, um sicherzugehen, dass sie eine Krankheit nicht nur simulieren. Immerhin 27 Prozent fahren an seiner Wohnung vorbei und 13 Prozent bitten andere Mitarbeiter, den kranken Kollegen anzurufen. 15 Prozent der Chefs gaben zu, Profile des Mitarbeiters in sozialen Netzwerken zu überprüfen.

Ein Drittel flunkernder Mitarbeiter wurde auf diese Weise entlarvt. Doch viele Arbeitgeber sind machtlos: Nur fünf Prozent der Mitarbeiter mussten laut der Umfrage ihren Schreibtisch räumen, lediglich jeder Fünfte erhielt eine Abmahnung.

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Kurz nachdem Air Berlin und Tuifly den Umbau bekannt gegeben hatten, meldeten sich viele Mitarbeiter krank. Ein Zufall? Warum sich Mitarbeiter bedenkenlos kollektiv krank melden können – obwohl sie es gar nicht sind.

Dass die Zahl der Kündigungen verhältnismäßig gering ausfällt, hängt damit zusammen, dass die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eines Arbeitnehmers einen extrem hohen Beweiswert hat, weiß Arbeitsrechtler Sebastian Maiß. Wenn der Chef davon überzeugt ist, dass sein Mitarbeiter die Krankheit nur vorgegaukelt hat, muss er die inhaltliche Richtigkeit des Attests erschüttern. „Das ist relativ schwer. Denn bloße Zweifel des Chefs an der Arbeitsunfähigkeit oder Behauptungen ins Blaue hinein reichen nicht“, sagt Maiß.

Er kann die Richtigkeit anzweifeln, wenn der Mitarbeiter das Krankfeiern vorher angekündigt hat oder er sich nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zweifelhaft verhält, beispielsweise indem er in den Urlaub fährt, aber dabei nicht genesen kann. Allein ein Strandfoto auf Facebook, das nur eine Momentaufnahme ist, reicht laut Arbeitsrechtler Maiß aber im Regelfall nicht aus, um den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung infrage zu stellen.

Kommentare (4)

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Herr Tom Schmidt

01.11.2016, 09:38 Uhr

Klar, bekommt man so einen Mitarbeiter los...

aber dazu fragt man seine Rechtsabteilung und die suchen etwas mit dem sie da glatt durch ein Verfahren kommen. Und bei einem guten Mitarbeiter zieht man ihm die Ohren lang und macht ihm klar, dass das nicht nochmal passiert...

Account gelöscht!

01.11.2016, 16:30 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

Account gelöscht!

01.11.2016, 16:33 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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