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04.03.2017

13:24 Uhr

Gesundheit

Das Milliardengeschäft mit Patienten aus dem Ausland

Russen, die ihrer Gattin eine neue Brust bezahlen, oder Araber, die für eine Botox-Kur anreisen: Deutsche Kliniken buhlen immer stärker um zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland. Doch der Markt ist umkämpft.

Viele Patienten haben kein Vertrauen in das Gesundheitssystem ihres eigenen Landes und suchen dementsprechend Hilfe im Ausland. dpa

Zuverlässigere Krankenversorgung

Viele Patienten haben kein Vertrauen in das Gesundheitssystem ihres eigenen Landes und suchen dementsprechend Hilfe im Ausland.

MannheimProminenter geht es kaum: Ägyptens damaliger Präsident Husni Mubarak wählte die Uni-Klinik Heidelberg, als er sich 2010 die Gallenblase entfernen ließ. Kasachstans Machthaber Nursultan Nasarbajew folgte nur ein Jahr später mit einer Prostata-Operation in Hamburg. Und die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko unterzog sich in Berlin einem Eingriff am Rücken.

Jens Juszczak wundert sich nicht über einen solchen Andrang. „Weil sie eine hervorragende Qualität, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und gut ausgebildete Ärzte haben, sind deutsche Kliniken weltweit so beliebt“, sagt der Wissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem „Gesundheitstourismus“.

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Russen, die ihrer Gattin eine neue Brust bezahlen, oder Araber, die für eine Botox-Kur anreisen: Wenige Sparten der Branche scheinen so voller Klischees wie der Aufenthalt ausländischer Patienten. „Viele kommen zunächst zu einer anderen medizinischen Behandlung“, berichtet Benjamin Waschow vom Universitätsklinikum Freiburg. Erst später stünde dann vielleicht eine Beratung mit dem Schönheitschirurgen an.

Oft fragen Patienten mit ernsten Erkrankungen an, die kein Vertrauen in das Gesundheitssystem ihres eigenen Landes haben. Es geht etwa um Geburtsschäden, Unfallverletzungen oder Kriegswunden. Viele dieser Kunden kratzen ihr letztes Geld zusammen. Für sie präsentiert sich Deutschland als Paradies: top-ausgebildete Ärzte, moderne Kliniken.

Der Markt ist umkämpft – und lukrativ. Mehr als 250.000 Ausländer reisen jährlich an, um sich behandeln zu lassen. „Das beschert dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von mehr als 1,2 Milliarden Euro“, sagt Juszczak. Viele Medizintouristen stammen aus früheren Sowjetrepubliken, vor allem aus Russland. Patienten aus den Golfstaaten ließen sich früher oft in den USA operieren, etliche zieht es inzwischen eher nach Deutschland. Experten vermuten dahinter Ressentiments gegen Muslime in den USA nach den Anschlägen von 2001.

Mittlerweile werde aber die Türkei zunehmend interessant für arabischsprachige Länder, erklärt Martin Schmidt von der Freiburger Erich-Lexer-Klinik. „Die Ärzte dort wurden sehr oft in Deutschland oder den USA ausgebildet und arbeiten auf einem ähnlichen Niveau wie zumindest Deutsche - und gehören dem Islam an.“

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