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16.11.2012

19:26 Uhr

Gesundheitsmanagement

Nur wer fit ist, liefert Topleistungen

VonKatrin Terpitz

Arbeitnehmer wollen auch die Couch-Potatoes erreichen und fit machen. Denn Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter zahlen sich aus, ergeben Studien. Und ein Preis winkt noch dazu.

Unternehmen leisten sich inzwischen oft auch eigene Fitness-Studios. dpa - picture-alliance

Unternehmen leisten sich inzwischen oft auch eigene Fitness-Studios.

DüsseldorfOb Zumba, Yoga oder Indoor Cycling - in der betriebseigenen Fitness-Werkstatt können die 400 Mitarbeiter der OKE Group unter Anleitung von Physiotherapeuten nach Herzenslust trainieren. Kostenlos versteht sich. Im Sportpark daneben veranstaltet der Zulieferer für die Auto- und Möbelindustrie Turniere für Fußball, Boccia oder Basketball. Gemeinsam mit der Führungscrew geht es zum Ski- und Kanufahren.

"Für Topleistungen muss man gesund und fit sein", ist Frank Potthoff, Gesundheitsmanager von OKE überzeugt. "Und wenn Mitarbeiter zusammen viel Sport treiben, verbessert das auch den Teamgeist bei der Arbeit." OKE-Eigner Thomas Illner lässt sich die Gesundheit seiner Mitarbeiter einiges kosten. In der Betriebskantine "Schlemmerland" wird vollwertig mit regionalen Produkten gekocht. Im "Zwergenland" betreuen fünf Pädagogen bis zu 30 Kinder; das entstresst das Leben der arbeitenden Eltern. Bei den Azubis gehört eine Sportstunde zur Arbeitszeit. Alle Nichtraucher erhalten 100 Euro Jahresbonus. Die hohen Investitionen zeigen Wirkung: Die Fehlzeiten sind sehr niedrig, genauso wie die Fluktuation.

Aus gutem Grund gehört die OKE Group zu den Preisträgern des diesjährigen "Corporate Health Award". Das Handelsblatt hat am Donnerstagabend in der Villa Kennedy in Frankfurt Unternehmen für ihr vorbildliches Gesundheitsmanagement ausgezeichnet. Der Preis wird zum vierten Mal mit dem Marktforscher EuPD Research und dem Tüv Süd Life Service vergeben.

283 Unternehmen hatten sich in neun Branchen und zwei Sonderkategorien beworben. Zu den Siegern gehören Großunternehmen wie IBM Deutschland, die Targobank, der Energieversorger EnBW, Hexal und das Werk Salzgitter von MAN Truck & Bus. Aber auch kleinere Einrichtungen wie die Stadtverwaltung München und die Universitätsmedizin Mannheim sind hier spitze.

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Gesundheitliche Rückschläge werden von Unternehmen kaum geduldet, sagt Bernhard Badura. Der Experte für Gesundheitsmanagement warnt, dass unter dieser Einstellung die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen leidet.

"Die Qualität des betrieblichen Gesundheitsmanagements hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen", urteilt Jurymitglied Bernhard Badura, Professor für betriebliches Gesundheitsmanagement der Universität Bielefeld. "Arbeitgeber nehmen es inzwischen sehr ernst, alle Mitarbeiter zu erreichen und zu bewegen - nicht nur die ohnehin Fitten, sondern auch die Couch-Potatoes", sagt Benjamin Klenke, Geschäftsführer von EuPD-Research. Daneben rückt die psychische Gesundheit stärker in den Fokus.

Tatsache ist: Krankheitsbedingte Ausfälle kosten deutsche Firmen jährlich rund 60 Milliarden Euro. Zudem altern die Belegschaften immer stärker. Bereits heute scheiden rund 28 Prozent der Erwerbstätigen aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Berufsleben aus. Das hat die Strategieberatung Roland Berger ermittelt. In den kommenden Zeiten des Fachkräftemangels kann sich dies kaum ein Unternehmen mehr leisten.

Kommentare (3)

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Humankapitalausbeuterei

17.11.2012, 00:33 Uhr

Bedeutet im Umkehrschluß, jemand der im heutigen Haifischbecken nich zu 100% fit ist, hat keine Existenzberechtigung mehr?!
Dass was hier vom HB in Gestalt von Katrin Terpitz propagiert wird, ist nichts anderes als „Sozialdawinismus“.
Liebe Frau Terpitz, Menschen sind keine Maschinen, die zum Wohle der Gewinnmaximierung 45 Jahre lang ausgebeutet werden können. Mit diesem Fitnesswahn geht nicht um den Menschen, sondern darum, dass „Humankapital“ für die Wirtschaft in Schuss zu halten. Das ist das wahre Ziel, was hinter solchen Aktionen und Berichten steckt. Würde es den Arbeitgebern wirklich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter gehen, dann würden Sie ihren Beschäftigten faire auskömmliche Löhne und Gehälter bezahlen, die Arbeitsbelastung auf ein erträgliches Maß zurückfahren, stupide eintönige Arbeitsbelastungen ändern und Überstunden vermeiden. Das würde der körperlichen und psychischen Geundheit der Arbeitnehmer wesentlich mehr dienen, als irgendwelche schwachsinnigen Hantelübungen.

udofun

17.11.2012, 01:48 Uhr

"Arbeitnehmer wollen auch die Couch-Potatoes erreichen!? "

OH Gott,- so ein Schwachsinn!!!!!!!!!!!!!!

und in 45 Tagen will das Handelsblatt damit Geld verdienen?

haum

20.11.2012, 13:56 Uhr

1. der Mann hieß Darwin! 2. Unternehmen maximieren natürlich Gewinne indem die Mitarbeiter fit und gesund bleiben und weniger oft ausfallen, aber, Herrgott!, jeder einzelne Arbeitnehmer profitiert doch ebenfalls durch ein gesundheitsförderndes Programm des Arbeitgebers! Eine ganz klassische Win-Win-Situation. Und 3. "Fitnesswahn" passt schon mal gar nicht in die westliche Zivilisation! Ist es denn Fitnesswahn sich mindestens 2x die Woche als Mensch artgerecht zu bewegen? Und wenn der Arbeitgeber dazu Angebote bereit stellt, ist das auch Wertschätzung bei allen wirschaftlichen Interessen. Selbst bei einer Stunde täglich wären wir weit entfernt vom Fitnesswahn liebe Leute! Und zur Überschrift "Humankapitalausbeuterei"... der arme immerzu ausgebeutete Arbeitnehmer?!? Es liegt m. E. zu einem erheblichen Teil in der individuellen Eigenverantwortung, dass ich meine umfangreiche Freizeit (selbst bei einer 50 Stundenwoche) ausgleichend und/oder ergänzend zu meinem Berufsleben gestalte. Möglichkeiten dazu gibt es wohl mehr denn je in der Menschheitsgeschichte! Und welcher Arbeitgeber stellt heutzutage nicht mehrere Arbeitszeitmodelle zur Verfügung? Und wieder ist es eine individuelle und oft auch eine Teamverantwortung diese auch zu nutzen!

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