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29.09.2014

20:10 Uhr

Gewalt in Asylheimen

Privatisierung um jeden Preis?

VonLaura Waßermann

Die Vorfälle in Burbach lassen an den Verhältnissen in Flüchtlingsheimen in Deutschland zweifeln. Dabei werden die Heime in den nächsten Monaten mehr denn je gebraucht. Die Flüchtlingsströme sind immens.  

Nun reagiert die Politik

Misshandlungen in deutscher Asylunterkunft

Nun reagiert die Politik: Misshandlungen in deutscher Asylunterkunft

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DüsseldorfDie Misshandlungsvorfälle in Flüchtlingsunterkünften häufen sich. Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass in einem Asylheim in Burbach mehrere Menschen von Sicherheitsmännern misshandelt wurden, geraten jetzt auch Mitarbeiter eines Essener Heims in den Verdacht, Gewalt an Flüchtlingen ausgeübt zu haben.

Beide Asylheime sind im Besitz von European Homecare, einem der größten privatwirtschaftlichen Betreiber für Flüchtlingswohneinheiten in Deutschland. Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die Situation der Asylsuchenden und den Umgang von Deutschland mit ihnen.

Die Vorwürfe sind heftig. Die mutmaßlichen Täter, die bei der Sicherheitsfirma SKI Wach- und Sicherheitsgesellschaft angestellt waren und inzwischen entlassen wurden, sollen mehrere Flüchtlinge in einem Heim in Burbach, in der Nähe von Hagen misshandelt und erniedrigt haben. Ihre Taten haben sie mit dem Smartphone gefilmt, das Video gelangte an die Öffentlichkeit. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hagen gegen die Sicherheitsmänner.

Die Verdächtigungen lassen erneut Kritik an der Privatisierung aufflammen. Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft sagte im ZDF, dass die Kette von Unternehmern und Subunternehmern mit der Beschäftigung von „zwielichtigem Personal“ ende. Er bedauere die Vorkommnisse im Asylbewerberheim und bezeichnete sie als „beschämend“.

Angelika von Loeper von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisierte im Gespräch mit Handelsblatt Online die Vorfälle in NRW scharf: „Das ist dramatisch und schrecklich. Anscheinend hat European Homecare bei der Personalauswahl keine Standards, wenn solche Schlägertrupps eingestellt werden.“

Doch gerade in diesen Zeiten ist Deutschland offenbar auf die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen angewiesen. Allein in diesem Jahr haben bisher mehr als 99.500 Menschen einen Asylantrag gestellt und warten in deutschen Heimen auf die Entscheidung.

Zum Vergleich: Laut der Asylgeschäftsstatistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge wurden im vergangenen Jahr circa 62.000 Anträge gemeldet; das entspricht einer Steigerung von 59,4 Prozent.

Auf Nachfrage des WDR, ob bei European Homecare die, von Staat und Menschenrechtsorganisationen geforderten, Standards eingehalten werden, antwortet die Pressesprecherin Renate Walkenhorst ein „klares Nein“: „In dieser Notsituation können wir das nicht.“

Kommentare (8)

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Herr Konstantin Lewe

29.09.2014, 20:34 Uhr

In Nordafrika haben wir zurzeit ca. 1 Million Menschen die auf die Überreise in die Wohlstandsfestung Europa warten.

Via Schleuserbanden in der Regel versteht sich.

In Syrien sind es ebenfalls mehrere Hunderte Tausende.
Die IS im Irak und auch in Syrien wird weitere Hunderte Tausende an die Grenzen der Nachbarländer und darüber hinaus vertreiben.

Achso in Osteuropa warten sicherlich auch noch mehrere
hunderte Tausende Leute auf die Reise mit der Hoffnung
unterm Arm auf ein besseren Leben.

Unterm Strich also mehrere Millionen Menschen die nächsten
paar Jahre.

Der Staat wird damit nicht fertig werden aber er will und
brauch neue junge Arbeitnehmer.

Menschenhandel ist halt auch ein Milliardengeschäft jedes Jahr.

Herr Theo Gantenbein

30.09.2014, 07:56 Uhr

Was glauben die rot-grünen Gutmenschen eigentlich was das für Menschen in den Flüchtlingsheimen sind? Das sind keine feingebildeten Akademiker mit subtiler Diskurskultur, sondern oft grobe wenig gebildete Leute vom Land - und dementsprechend wird auch schon mal heftiger und mit Fäusten argumentiert.

Ein Gutmenschen-Sicherheitsdiesnt käme da sicher nicht weiter mit einer Ansprache wie:

"Ach, hallo Du Achmet, das finde ich jetzt echt nicht gut, dass Du dem Memet das Handy weggenommen hast. Du echt, Du, da müssen wir mal bei einer Tasse Tee drüber diskutieren..."

Herr Markus Bullowski

30.09.2014, 08:10 Uhr

Der Staat braucht neue junge Arbeitnehmer? Nur bei den Hochqualifizierten.

Bei Geringqualifizierten gibt es jetzt schon die höchste Arbeitslosigkeit (auch Jugendarbeitslosigkeit) und Flüchtlinge aus der dritten Welt, die weder Deutsch sprechen noch einen westlichen Bildungsstandard haben, werden hauptsächlich in dieser Gruppe landen. Der Wirtschaft hilft das nicht.

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