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20.01.2015

16:44 Uhr

Gewerkschaft

GDL droht der Deutschen Bahn

Weitere Gesprächstermine nur unter Vorbehalt – die GDL macht erneut Druck auf die Deutsche Bahn. Die Gewerkschaft wirft dem Konzern vor, er wolle den bisherigen Flächentarifvertrag für Lokführer „aufweichen“.

GDL-Chef Claus Weselsky (M) misstraut der Deutschen Bahn. dpa

GDL-Chef Claus Weselsky (M) misstraut der Deutschen Bahn.

FrankfurtIm Tarifstreit mit der Deutschen Bahn verlangt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erneut Bewegung von dem Konzern. Es müsse sichergestellt werden, dass es in den Gesprächen um einen Flächentarifvertrag gehe und nicht um Haustarifverträge, erklärte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Dienstag in Frankfurt am Main. Die Deutsche Bahn (DB) wolle den bisherigen Flächentarifvertrag für Lokführer „aufweichen“ und lehne eine Ausdehnung auf das gesamte Zugpersonal ab. Genau diese Ausdehnung will aber die GDL.

Bereits in der nächsten Gesprächsrunde am 28. Januar müsse die Struktur der Tarifverträge „abschließend geklärt werden“ verlangte Weselsky. Die am Montag vereinbarten weiteren Gespräche im Februar würden nur stattfinden, „wenn die DB und ihr Arbeitgeberverband nicht mehr versuchen, sich aus der Verantwortung zu stehlen und den Flächentarifvertrag statt auszubauen aushöhlen wollen“.

Vertreter der Bahn und der GDL hatten am Montag mehrere Stunden lang verhandelt. DB-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte anschließend, es sei um „Strukturfragen“ und „erste inhaltliche Themen“ gegangen. Der nun vorliegende Terminplan für weitere Verhandlungen zeige, „dass wir uns jetzt vorgenommen haben, die Themen abzuarbeiten“. „Mit einem bisschen guten Willen auf beiden Seiten sollte es gelingen, zu guten Ergebnissen zu kommen“, gab sich Weber zuversichtlich.

Die Bahn verhandelt im Tarifstreit derzeit getrennt mit der GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Der Konzern hatte sich dazu bereit erklärt, nachdem die drei Seiten keinen Weg für gemeinsame Verhandlungen finden konnten.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

Hintergrund war ein Machtkampf der Gewerkschaften, die teils dieselben Berufsgruppen vertreten und für alle ihre Mitglieder einen Abschluss anstreben. Zuvor war die GDL nur für die Lokführer zuständig; in ihr sind aber zum Beispiel auch Zugbegleiter und Disponenten organisiert. Für diese galt bisher der Tarifvertrag der EVG, die nun auch für die Lokführer unter ihren Mitgliedern verhandelt. Trotz der getrennten Verhandlungen will die Bahn in den Tarifgesprächen identische Regelungen für die gleichen Berufsgruppen erreichen.

Von

afp

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