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21.09.2015

17:04 Uhr

Gläubiger von Thomas Middelhoff

Jagd nach dem verlorenen Schatz

VonVolker Votsmeier

Die Gläubiger des gescheiterten Ex-Managers Thomas Middelhoff fordern eine Summe in dreistelliger Millionenhöhe. Doch der Insolvenzverwalter macht wenig Hoffnung, dass sie zu ihrem Geld kommen.

Die Forderungen der Gläubiger an den ehemaligen Manager belaufen sich auf insgesamt rund 409 Millionen Euro. dpa

Thomas Middelhoff

Die Forderungen der Gläubiger an den ehemaligen Manager belaufen sich auf insgesamt rund 409 Millionen Euro.

Bielefeld, DüsseldorfRund 30 Gläubiger von Thomas Middelhoff hatten ihre Anwälte und Vertreter nach Bielefeld geschickt: Beraterlegende Roland Berger etwa, der auf rund sieben Millionen Euro hofft. Oder Immobilienunternehmer Josef Esch, der mehr als sechs Millionen Euro angemeldet hat. Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch war ebenfalls nach Ostwestfalen gepilgert, seine Forderungen belaufen sich auf mehr als 200 Millionen Euro. Außerdem anwesend: Vertreter des Gläubigers Sal. Oppenheim (fordern 100 Millionen Euro) und die Berliner Immobilienfirma Gewobag (eine Million Euro). Sie alle hofften auf neue Erkenntnisse des Insolvenzverwalters Thorsten Fuest.

Anfang Juli war das Insolvenzverfahren eröffnet worden, seither spürt Fuest den verlorenen Millionen des einstigen Star-Managers Middelhoff nach. Er soll die Ansprüche der insgesamt mehr als 50 Gläubiger möglichst weitgehend erfüllen. Jetzt legte Fuest am Amtsgericht Bielefeld im Rahmen einer Gläubigerversammlung eine erste Zwischenbilanz vor.

Middelhoff-Insolvenz kann Jahre dauern

Monatelange Arbeit

Middelhoff-Insolvenzverwalter Thorsten Fuest legt am Montag in Bielefeld den Gläubigern die bisherigen Ergebnisse seiner monatelangen Arbeit vor. Ein Ende des umfangreichen Verfahrens ist jedoch noch nicht absehbar. Es geht um die komplizierten Vermögensverhältnisse des einstigen Top-Managers und Chefs der Karstadt-Mutter Arcandor.

Warum ist das Insolvenzverfahren von Thomas Middelhoff so kompliziert ?

Bei der Suche nach den Middelhoff-Millionen hat Insolvenzverwalter Fuest die Zahlungsflüsse bis zurück zum Jahr 2009 unter die Lupe genommen. Denn schon seit der Pleite des Arcandor-Konzerns habe wahrscheinlich eine Zahlungsunfähigkeit des Manager gedroht, glaubt Fuest. Das ist wichtig, weil der Insolvenzverwalter ab diesem Moment die Möglichkeit zur Anfechtung von Vermögensübertragungen hat, wenn sie den Gläubigern insgesamt schaden.

Was kann der Insolvenzverwalter tun ? (1)

Um Geld für die Insolvenzmasse zu bekommen, kann Fuest Pfändungsmaßnahmen einzelner Gläubiger aus den vergangenen Jahren anfechten. Nach seinen Worten hatte spätestens seit 2013 unter den Gläubigern ein regelrechter Wettlauf zur Absicherung ihrer Forderungen begonnen. Anfechten will er aber gegebenenfalls auch frühere Vermögensübertragungen Middelhoffs an Personen aus seinem Umkreis.

Was kann der Insolvenzverwalter tun ? (2)

In die Insolvenzmasse fließen nach Angaben von Fuest auch Renteneinkünfte aus der Zeit bei Arcandor in Höhe von monatlich rund 7000 Euro. Weitere monatlich rund 3000 Euro aus Renteneinkünften von Bertelsmann seien dagegen unpfändbar, berichtete er

Geht es dabei auch um Immobilien ?

Dabei geht es unter anderem auch um das derzeit als Büro-und Repräsentationsgebäude genutzte sogenannte „Oetker-Haus“ in Bielefeld, das in Absprache mit einer Gläubigerbank verkauft werden soll. Einen unmittelbaren Zugriff au die Villa in Saint Tropez hat der Insolvenzverwalter nicht. Auch das eigentliche Wohnhaus ist nicht betroffen.

Wie hoch sind die berechtigten Forderungen der Gläubiger ?

Das will der Insolvenzverwalter bei dem am Montag angesetzten Termin ermitteln. Die angemeldeten Forderungen sollen dabei genau unter die Lupe genommen werden. Erst im Anschluss kann er eine genaue Zahl nennen. Die bereits angemeldeten Forderungen der Gläubiger - Banken ebenso wie Privatleute - summieren sich nach Angaben des Insolvenzverwalters auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Allerdings ist ein Großteil davon umstritten. Und in etlichen Fällen hat Middelhoff Gegenforderungen erhoben.

Wie lange kann das Verfahren dauern ?

Läuft das Insolvenzverfahren nach Plan, könnte Middelhoff nach fünf bis sechs Jahren schuldenfrei sein. Doch könnte es auch deutlich schneller gehen. Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm hat bereits Interesse an einem Insolvenzplan - einer Art Vergleich mit den Gläubigern - signalisiert. Schließlich könnte damit ein jahrelanges juristisches Gezerre vermieden werden - wenn eine mögliche Offerte den Gläubigern attraktiv genug erscheint.

Danach summieren sich die Forderungen auf insgesamt rund 409 Millionen Euro. „Allerdings ist bereits jetzt klar, dass die Forderungen in dieser Größenordnung mit Sicherheit nicht bestehen bleiben“, sagte Fuest. Außerdem machte der Insolvenzverwalter klar, dass er fast alle Forderungen zunächst bestritten hat. Lediglich wenige Millionen Euro habe er bis dato anerkannt.

Hinzu kommt, dass Fuest teilweise selbst gegen Gläubiger vorgeht, weil diese noch Middelhoff-Gelder eingesammelt haben, als dieser bereits zahlungsunfähig war. So gelang es dem Immobilienfonds Gewobag, Middelhoffs teure Piaget-Armbanduhr zu pfänden, als dieser in seinem Strafprozess vor Gericht stand. Das Stück brachte bei einer Zwangsversteigerung 10 350 Euro.

Insgesamt fordert Fuest bislang 3,7 Millionen Euro zurück. Auch einen Anwalt Middelhoffs hat er dabei im Visier: Winfried Holtermüller von der Kanzlei Schelling & Partner hatte kurz vor der Pleite seines Mandanten gut 2,4 Millionen Euro eingestrichen. Das Geld stammte aus dem Verkauf einer Beteiligung am Oppenheim-Esch-Fonds Köln Ossendorf VII. Der Insolvenzverwalter vermutet, dass Holtermüller das Geld kassiert hat, obwohl er bereits wusste, dass die Insolvenz nicht abzuwenden ist. „Es ist richtig, dass ich Zahlungen an Middelhoff-Anwälte angefochten habe“, sagte Fuest. Holtermüller selbst wollte auf Anfrage nichts dazu sagen.

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Middelhoffs zweiter Anwalt Hartmut Fromm sieht sich nach eigenen Angaben dagegen keinen Forderungen des Insolvenzverwalters ausgesetzt. Auch er hatte aus der Fonds-Transaktion Erlöse generiert. Allerdings konnte er damit nur einen Teil seiner Honorare begleichen. Fromm gehört inzwischen selbst zu den Middelhoff-Gläubigern.

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