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13.06.2017

14:00 Uhr

Globale CEO-Umfrage

Was die Zuversicht der Konzernchefs schwinden lässt

VonBert Fröndhoff

Trump, Brexit, Cyberangriffe: Angesichts der geopolitischen und technischen Risiken blicken Chefs von Unternehmen weltweit mit weniger Optimismus auf die kommenden Jahre. Warum die CEOs auch die sozialen Medien fürchten.

Die Politik des neuen US-Präsidenten verunsichert Konzernchefs weltweit. AP

Donald Trump in Saudi-Arabien

Die Politik des neuen US-Präsidenten verunsichert Konzernchefs weltweit.

Düsseldorf„Business a usual“ – dieser Begriff für die gepflegte Langeweile im Unternehmensalltag ist momentan bei Chefs kaum noch zu hören. Schuld daran sind die neuen geopolitischen Gefahren. Sei es die Politik des neuen US-Präsidenten oder der Brexit: Derartige Unsicherheiten sind Gift für die Wirtschaft. Die Aussichten für die Unternehmen in aller Welt sind ungewiss – und damit sinkt auch die Zuversicht.

Diese Diagnose erstellt das Beratungsunternehmen KPMG in seinem am heutigen Dienstag veröffentlichten „Global CEO Outlook Survey“. Die renommierte Umfrage unter 1300 Vorstandschefs aus aller Welt liefert jedes Jahr einen Zustandsbericht über die Stimmung in den Firmen und deren Blick auf die nähere Zukunft. 2017 zeigt sich erstmals seit längerem wieder eine stärkere Skepsis der Chefs.

Die Top 7 der IT-Sicherheitsrisiken in 2017

Angriffsziel Internet der Dinge

Risiko: Immer mehr Systeme und Geräte sind online. Zu den bevorzugten Angriffszielen im Internet of Things (IoT) gehören Maschinensteuerungen, Smart-Home-Gerätschaften, IP-Kameras wie auch die Elektronik in Autos.
Abwehr: Der Schutz im IoT ist stark verbesserungswürdig. Dazu kommt, dass viele Hersteller ihre Produkte mit installierten Backdoors (Hintertüren) zum System verkaufen wollen. Auf keinen Fall sollten die Geräte mit
Standardeinstellungen und ohne Firewall betrieben werden.

Kritische Infrastruktur gefährdet

Risiko: Netzwerke und Infrastruktur-Systeme wie Energie- und Wasserversorgung werden von professionell organisierten Hackertrupps, staatlichen Cyberarmeen, Terroristen sowie Cyberkriminellen angegriffen. Das Schadprogramm Stuxnet hat gezeigt, wie Steuerungssysteme Kritischer Infrastrukturen von jedem beliebigen Ort der Welt aus manipuliert und beschädigt werden können.
Abwehr: Seit 2016 ist ein Gesetz in Kraft, das regelt, wie die Kritischen Infrastrukturen der Energieversorgung vor Cyberangriffen geschützt werden sollen. Wichtiger Aspekt bei allen Kritischen Infrastrukturen ist die Absicherung des sogenannten SCADA-Fernzugriffsprotokolls.

CEO-CFO-Fraud auf dem Vormarsch

Risiko: Kriminelle sammeln Informationen über das anzugreifende Unternehmen. Dann geben sie sich gegenüber den Beschäftigten als Geschäftsführer (CEO) oder als Finanzchef (CFO) aus und veranlassen den Transfer eines größeren Geldbetrags ins Ausland, vornehmlich nach Asien und Osteuropa.
Abwehr: Die Unternehmensdaten sparsam veröffentlichen, Mitarbeiter sensibilisieren und klare Verhaltensregeln für die Finanzabteilung und Buchhaltung festlegen.

Schaden durch Ransomware

Risiko: Ransomware steht für Krypto-Viren oder Verschlüsselungstrojaner, die eine Festplatte von extern verschlüsseln und dem Benutzer erst wieder Zugang gegen Zahlung eines Lösegeldes gewähren.
Abwehr: Individuell angepasste Backups und wichtige Daten in der Cloud speichern, so sind sie immer abrufbar.

Angriffe auf mobile Geräte

Risiko: Sicherheitsprofis gehen davon aus, dass Angriffe auf mobile Geräte auch in diesem Jahr ein großes Problem für die Unternehmenssicherheit werden. Nutzer fangen sich Malware oft über ein infiziertes WLAN-Netz ein.
Abwehr: Ungeschütze WLANs meiden, regelmäßig Updates und Anti-Malware-Software installieren.

Hacker in der Cloud

Risiko: Angriffe bewegen sich vertikal durch alle Ebenen eines Unternehmens und horizontal zwischen Unternehmen, die sich in derselben Cloud befinden. Hacker haben es auf leicht zugängliche Angriffspunkte wie Anmeldeinformationen und Authentifizierungssysteme abgesehen.
Abwehr: Vertrauenswürdigen Cloud-Anbieter auswählen und sich von dessen Sicherheitsmaßnahmen persönlich überzeugen.

Schäden durch Insider-Threats

Risiko: Ob mit kriminellem Beweggrund oder unbeabsichtigt, schon jetzt gehen mehr als 50 Prozent der Abwanderung von sensiblen Daten auf interne Sicherheitslücken zurück.
Abwehr: Sicherheitsrichtlinien aufstellen, Mitarbeiter sensibilisieren und schulen, regelmäßige Passwortänderungen durchführen, kein Einloggen von Arbeitsgeräten in öffentlichen Netzen erlauben und Netzwerke mit spezieller Software rund um die Uhr überwachen. In besonders sensiblen Bereichen wie bei Banken die Administratoren durch die Aufzeichnung von Tastatur- und Mauseingaben überwachen.

Quelle: Creditreform 03 2017

Zwar gehen noch 65 Prozent der Befragten davon aus, das die Weltwirtschaft in den kommenden drei Jahren wachsen wird. Das sind aber deutlich weniger als im Vorjahr, als sich noch 80 Prozent optimistisch über die Konjunkturentwicklung geäußert hatten. Dieser Trend zeigt sich in fast allen Ländern – außer den USA.

Die deutschen Vorstandschefs sind dabei noch überwiegend optimistisch: Rund 77 Prozent erwarten eine weiterhin starke Weltwirtschaft. Bei der KPMG-Umfrage im Vorjahr waren es aber noch 89 Prozent. Geradezu eingebrochen ist die Zuversicht der CEOs in China und Japan, was die Entwicklung der Weltwirtschaft betrifft. Nur US-Chefs äußerten sich positiver als im Vorjahr. Sie erwarten offenbar weiterhin einen spürbaren Wachstums-Effekt durch den neuen Präsidenten.

Wie die KPMG-Umfrage zeigt, hat sich auch der Fokus des Risikomanagements in den Unternehmen verändert. KPMG fragt in jedem Jahr, welche größten Risiken die Chefs für ihre Firma sehen. Im vergangenen Jahr standen mögliche Cyberangriffe auf dieser Liste ganz oben, gefolgt von einer wachsenden Regulierung. Jetzt nannten die CEOs zwei andere Herausforderungen: die Bedrohung ihrer Geschäftsmodelle durch disruptive Technologien und ein möglicher Schaden für die Reputation und Marke des Unternehmens.

Kommentare (2)

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Herr Renatus Isenberg

13.06.2017, 14:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Tomas Maidan

13.06.2017, 16:03 Uhr

Pfiffiger Beitrag Herr Isenberg. Selten so ein durchdachtes Plädoyer für eine Internet-Zensur gelesen, wie ihres. Für meinen Teil würde es bereits ausreichen, einmal Ross und Reiter zu benennen. WER schüttet denn das Internet mit Fake-News voll? Und WER profitiert davon?

Alle Anzeichen belegen, dass es Russland ist, das diesen informativen Krieg begonnen hat, und gemeinsam mit dem Mega-Bullshit-Phänomen Trump gewisse Erfolge erzielt. Wer soll davon profitieren? Rechtspopulisten, Oligarchen, Rechtsextreme, Autokraten.

Was kann man dagegen tun?

Drohen.

Das ist die einzige Sprache, die die kalten (Informations-)Krieger im Kreml und in Sankt Petersburg verstehen. Wir drohen Russland mit einem Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft, wenn diese Angriffe auf den deutschen Bundestagswahlkampf wiederholt werden. Verstanden?

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