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10.12.2015

12:11 Uhr

Globale Lohnstudie

So viel mehr werden Sie 2016 verdienen

VonCarina Kontio

Es gibt gute Nachrichten für alle Arbeitnehmer kurz vorm Weihnachtsfest: Sie dürfen sich freuen, denn im kommenden Jahr sollen die Reallöhne steigen – so stark wie schon seit drei Jahren nicht mehr.

Die Gehaltsaussichten für das kommende Jahr sind laut einer aktuellen Studie besonders positiv. Getty Images

Am Ende bleibt mehr Geld

Die Gehaltsaussichten für das kommende Jahr sind laut einer aktuellen Studie besonders positiv.

KölnFalls Sie noch keinen Erfolg hatten bei Ihrer Gehaltsverhandlung, weil der Chef einfach schon wieder kein Geld mehr locker machen will, dürfen Sie sich jetzt trotzdem auf das neue Jahr freuen. Denn: Die Reallöhne sollen kräftig steigen, also die Menge des wirklich verfügbaren Geldes, weltweit um 2,5 Prozent – und damit so stark wie schon seit drei Jahren nicht mehr. Das geht aus einer aktuellen Gehaltsstudie der Unternehmensberatung Korn Ferry Hay Group hervor, die für 73 Länder das Lohnwachstum mit den Inflationsprognosen vergleicht.

Das ist wichtig, denn mit dem Netto-Einkommen, dass Ihnen am Ende des Monats von Ihrer Firma aufs Konto überwiesen wird, können Sie sich, weil Güter und Dienstleistungen ja teurer oder günstiger werden, nicht immer gleich viel leisten – insofern drückt der Reallohn die tatsächliche Kaufkraft aus.

Vor allem in Europa können sich die Beschäftigten laut der Studie über deutlich mehr Geld freuen: Flächendeckend sollen die Löhne im kommenden Jahr um 2,8 Prozent steigen – inflationsbereinigt um 2,3 Prozent.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Und in Deutschland? Hier ist ein kräftiges Plus von 2,9 Prozent (real 2,7 Prozent) drinnen und damit liegen wir leicht über dem europäischen Durchschnitt. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Vergütung weltweit wieder an Fahrt gewinnt. Vor allem die niedrige Inflation in vielen Ländern führt zu einem starken Anstieg der Reallöhne“, sagt Thomas Gruhle, Vergütungsexperte von Korn Ferry Hay Group. „Auch die Vergütungsdaten für Deutschland sind weiterhin auf einem hohen Niveau. Das starke Gehaltsplus in Deutschland ist ein Indikator, dass Unternehmen auch für das kommende Jahr von einer guten konjunkturellen Lage ausgehen.“

Auch in den anderen europäischen Ländern sind die Aussichten für Arbeitnehmer laut der Studie gut. So sollen die Löhne in Frankreich um 1,9 Prozent (real um 1,7 Prozent) steigen, in Großbritannien sogar um 2,5 Prozent. Inflationsbereinigt - also wenn künftige Preisveränderungen berücksichtigt werden - bedeutet das einen Anstieg von 2,3 Prozent. In Griechenland gehen die Experten aufgrund der Deflation sogar von einem Anstieg der Reallöhne von 3,4 Prozent aus.

Anders dagegen ist die Situation in Russland und der Ukraine. In beiden Ländern sollen die Gehälter mit 7 Prozent und 11,5 Prozent stärker als im Rest Europas steigen. Aufgrund der hohen Inflationsraten müssen Arbeitnehmer aber mit niedrigeren Reallöhnen rechnen (minus 7,5 Prozent bzw. minus 36,8 Prozent).

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