Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2014

11:54 Uhr

Gloria Glang

Eine Managerin verrät ihr Erfolgsgeheimnis

VonDana Heide

Als eine der wenigen weiblichen Managern in der Chemiebranche ist Gloria Glang oft allein unter Männern. Wie sie in die Führungsriege gekommen ist und was man ihrer Ansicht nach als erstes im neuen Job klären sollte.

„Ich hatte nie Angst vor einem Nein“: Managerin Gloria Glang.

„Ich hatte nie Angst vor einem Nein“: Managerin Gloria Glang.

DüsseldorfGloria Glang ist in ihrer Branche eine Seltenheit. Sie leitet beim US-Chemiekonzern PPG Industries (Umsatz 2013: rund 15 Milliarden Dollar) als Direktorin den Bereich Strategie und M&A für Europa, den Nahen Osten und Afrika - und ist damit eine der wenigen Frauen im Top-Management in der Chemiebranche. Bei Meetings ist sie oft die einzige Frau unter ihren Kollegen. „Man gewöhnt sich daran“, sagt sie.

Der Lebenslauf der 35-Jährigen ist gespickt mit Superlativen: Jüngstes Mitglied im Europavorstand von PPG, zuvor jüngste Senior Managerin bei der Unternehmensberatung KPMG, das Schweizer Magazin „Women in Business“ zählt sie zu den Top 40 Frauen unter 40 in der Schweiz.

Fragt man sie nach ihrem Erfolgsrezept, sagt sie vor allem eines immer wieder: „Ich hatte nie Angst vor einem Nein. Ich glaube, das ist sehr wichtig.“ Man müsse immer damit rechnen, dass ein Unternehmen noch nicht soweit sei für eine Idee, die man habe. „Manchmal rennt man gegen die Wand“, sagt sie. Dann müsse man seine Idee überdenken und es noch einmal versuchen.

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Begonnen hat Glang ihre Karriere beim deutschen Chemieriesen BASF. Bereits damals scheute sie sich nicht davor, mit ihren Ideen auch ganz oben anzuklopfen. Als sie gerade 20 Jahre alt war, hatte sie die Idee, für den Konzern eine Wettbewerbsdatenbanken zu allen relevanten Konkurrenten zu erstellen. Sie sprach mit ihrem direkten Vorgesetzten, der die Idee gut fand, und bekam einen Termin bei einem der Vorstände des Dax-Konzerns. 15 Minuten reichten, um ihn von ihrer Idee zu überzeugen, so erzählt es Glang. Ein paar Jahre später wurde sie jüngste Global Accounting-Managerin in der Geschichte des Unternehmens.

Geholfen hat Glang bei ihrer Karriere ihrer Ansicht nach vor allem eines: Fleiß und Ausdauer. „Ich habe den Eindruck, dass Frauen oft bessere Ergebnisse abliefern müssen als Männer“, sagt sie. „Um Karriere zu machen, ist es gut, immer mehr zu leisten, als die eigentliche Jobdefinition fordert.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×